Schnoor-Rundgang am Denkmalstag

Bremen: „Alte Häuser versinken im Pflaster“

Das Hartke-Haus, Am Landherrnamt.
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Größtenteils im alten Stil wiederaufgebaut: das Hartke-Haus, Am Landherrnamt.

Im Schnoor sind nicht alle Gebäude so alt, wie sich auf den ersten Blick wirken. Bei der Sanierung der Kriegslücken sollte nicht alles Neue als neu zu erkennen sein.

Bremen – Na klar. Der Schnoor zählt zu den ältesten Vierteln in Bremen. Das ist bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung des Schnoors geht auf 1230 zurück. Zu dieser Zeit wurde am Rande des heutigen Schnoor-Viertels ein Franziskanerkloster gebaut. Doch längst nicht jedes Haus im Schnoor ist so alt, wie man bei seinem Anblick denken mag.

Rundgang im Schnoor in Bremen

Bei der Schnoor-Sanierung ab 1959 wurden kriegsbedingte Baulücken geschlossen. Und zwar so, dass das Neue nicht an jeder Stelle gleich als neu zu erkennen ist. Das jedenfalls erfuhren am Sonntag – am „Tag des offenen Denkmals“ – jene gut 50 Teilnehmer einer Führung von Denkmalschützer Uwe Schwartz vom Landesamt für Denkmalpflege durch das historische Quartier. Der Denkmalstag stand unter dem Motto „Sein und Schein“ und drehte sich um Materialtäuschungen, Augentäuschungen und akustische Täuschungen.

Zurück in den Schnoor: Im Zweiten Weltkrieg ist das historische Stadtviertel einigermaßen glimpflich davongekommen. Und doch kursieren zwischenzeitlich Abrisspläne. Denkmalpfleger Rudolf Stein und diverse Mitstreiter setzen sich letztlich durch. Der Schnoor bleibt erhalten. Stein lässt von 1952 bis 1955 eine Fassadenentwicklung fürs Schnoor-Viertel zeichnen. Zum Schutz der erhaltenswerten Bausubstanz wird am 3. Februar 1959 ein Ortsstatut, eine Art erweiterte Erhaltungssatzung, beschlossen. Seither darf etwa rund um die Propsteikirche St. Johann nur mit Backstein gebaut werden.

Ortsstatut gegen Abrisspläne

Und jetzt kommt auch Karl Dillschneider, der heute als „Vater des Schnoor“ bezeichnet wird, ins Spiel. Unter seiner Leitung beginnt die umfassende Sanierung von rund 100 Häuser des Viertels. Die sorgt bundesweit für Aufsehen, weil es eben kein vergleichbares Projekt gibt.

Der Streifzug am Denkmalstag wird zu einem spannenden Blick hinter die Kulissen. Welches Haus ist ein Lückenfüller aus der Nachkriegszeit, welches ein Original aus Klassizismus, Historismus, Barock oder sogar aus der Renaissance? Schwartz hat einen Merksatz parat: „Die älteren Häuser versinken im Pflaster, die neueren Häuser stehen über dem Pflaster.“ Macht Sinn: Als die alten Häuser erbaut wurden, gab es eben noch keine Kanalisation.

Die Moderne hat sich durchgesetzt: das Waldemar-Koch-Haus (Bremer Presseclub), Schnoor 27.

Blick hinter die Kulissen

Hingucken lohnt sich. Die Häuser Schnoor 21 und Schnoor 22 hat Dillschneider beispielsweise nach alten Vorlagen entworfen. Und beim Wiederaufbau auf Putz verzichtet. Stattdessen hat er laut Schwartz das Mauerwerk mit dünner Fettschicht verschlämmt, was für eine unregelmäßige Oberfläche sorgt und dem Haus seinen „alten Charakter“ gibt.

Vom Hartke-Haus, das neben dem Café Tölke in der Straße Am Landherrnamt steht, blieb im Krieg nur das Erdgeschoss erhalten. Komplett zerstört wurde das Nachbarhaus, das heute einen „Waffelladen“ beherbergt. Beide Häuser hat Dillschneider mit typischen Giebeln wieder aufbauen lassen. Sie passen sich täuschend alt der Umgebung an.

„Die Moderne hat sich durchgesetzt“

Ein anderes und gegenläufiges Beispiel ist das Waldemar-Koch-Haus, im Schnoor, die Heimat des Bremer Presse-Clubs. Der Automobilkaufmann und Seniorchef der Firma Schmidt + Koch, Waldemar Koch stiftete den Bremer Journalisten aus Anlasse seines 80. Geburtstags ein Haus. Nach Plänen der Architektengemeinschaft Flügger und Schleuter – Preisträger eines Wettbewerbs – wurde schließlich auf dem Grundstück Schnoor 27/28 von 1972 bis 1974 ein Gebäude mit 481 Quadratmetern Nutzfläche erstellt. „Hier hat sich die moderne Architektur durchgesetzt“, sagt Denkmalpfleger Schwartz.

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