Serie „Verschwunden“

Als Bremen Parkplätze mit Weserblick hatte

1967 verschickt, vor dem Bau der Versicherungsbörse aufgenommen: Postkarte mit Teerhof und Innenstadt.
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1967 verschickt, vor dem Bau der Versicherungsbörse aufgenommen: Postkarte mit Teerhof und Innenstadt.

Bremen – Parken mit Weserblick! Ein heute undenkbarer Luxus, vielleicht gar Verschwendung – in den 60er und 70er Jahren zum Beispiel aber Alltag. Alltag auf dem Teerhof, der als Halbinsel zwischen der Bremer Neustadt und der Innenstadt liegt. Heute sind diese Parkplätze längst verschwunden – und damit Thema unserer gleichnamigen Serie.

Bremen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Jahre des Neuaufbaus, in denen die autogerechte Stadt das planerische Leitbild war – man dachte sich nichts Böses dabei. Die Martinistraße in der Innenstadt etwa wurde Anfang der 60er Jahre 18 Meter breit gemacht, die Hochstraße am Breitenweg 1968/69 gleichsam vor den Hauptbahnhof gesetzt. Die Mozart-Trasse, eine Schneise durchs Viertel, scheitere 1973 nach jahrelangen Bürgerprotesten.

Gleichwohl war es noch die Zeit, in der Bremen sich darauf vorbereiten wollte, zur Millionenstadt zu wachsen – Hochhaus-Pläne inbegriffen. Und auf dem Teerhof? Auch hier wurde groß gedacht, auch hier sollte es hoch hinaus gehen.

93-Meter-Turm für den Teerhof: Planungen der 60er

Mitte der 60er Jahre war ein 93 Meter hoher Büroturm auf dem Teerhof im Gespräch – er hätte in der Liga der Domtürme gespielt und Bremens Skyline (von der Neustadt aus gesehen) markant verändert. Terrassenförmige Wohnhochhäuser sollten den Turm flankieren. Andere Planer schlugen ein Ensemble aus Wohn- und Geschäftshäusern mit bis zu zehn Stockwerken für die Brachfläche des Teerhofs vor, auf der Autofahrer so gern ihre Wagen abstellten.

Die Gespräche über die Brachfläche dauerten an. Nach und nach hatte die Stadt Bremen die Grundstücke aufgekauft. Und der Rest des Teerhofs? Nach der Schließung der Kaffeerösterei Schilling (1973) kaufte Bremen die Weserburg. Die Gesellschaft für aktuelle Kunst zog hier ein; 1991 wurde das Neue Museum Weserburg als Sammlermuseum für moderne Kunst eröffnet.

Am anderen Ende des Teerhofs, zur Wilhelm-Kaisen-Brücke und zum Franziuseck hin, war 1967 die Versicherungsbörse errichtet worden; architektonisch ein Gegenstück zum damaligen Kühne-und-Nagel-Bau auf der gegenüberliegenden Weserseite.

Für die Brachfläche mit den schönen Parkplätzen aber gab es noch immer keine Entscheidung. Ein Architektenwettbewerb im Jahr 1978 brachte zwar Sieger hervor, nur wurden die prämierten Entwürfe – Giebel-Bauten an der Weserseite – nicht umgesetzt. Weitere Jahre gingen ins Land, der citynahe Weserblick blieb dem ruhenden Verkehr erhalten. Jedenfalls zunächst einmal.

Wohnbebauung im Packhaus-Look kommt in den 90er Jahren

1988 verkaufte Bremen seine Teerhof-Grundstücke an die Teerhof-Gesellschaft. Ab Anfang der 90er Jahre wurde die Brach- und Parkfläche auf der Halbinsel dann tatsächlich bebaut – allerdings nicht mit Hochhaus-Terrassen und 93-Meter-Turm, sondern mit roten Klinkerbauten, die sich am Stil historischer Backstein-Packhäuser orientieren sollten. Denn Packhäuser und verwinkelte Bauten hatten das Bild des Teerhofs einst geprägt, bevor er dann im Krieg weitgehend zerstört wurde. Der Name „Teerhof“ übrigens geht auf das einstige Teeren von Schiffen an dieser Stelle zurück; im 16. Jahrhundert stand hier ein Teerhaus.

Seit den 90er Jahren stehen hier – zu beiden Uferseiten – nun Wohnhäuser mit Büros und Geschäften. Der Wohnbereich ist für den Autoverkehr gesperrt, Anwohner parken in einer Tiefgarage. Öffentliche Parkplätze mit Weserblick sind hier seither Geschichte. Architektonisch bietet die Bebauung der 90er Jahre eine Fülle kleiner Details – es reicht für so manchen Spaziergang, bis alle von ihnen entdeckt sind. Die Wohnhäuser wirken lange nicht so massiv wie die Hochhaus-Pläne der 60er – und auch nicht so wuchtig wie der 2009 fertiggestellte damalige Unternehmenssitz der Reederei Beluga.

Parallel zur Wohnbebauung war 1993 die Teerhofbrücke gebaut worden, die Halbinsel und Schlachte verbindet und für Fußgänger gedacht ist. Pläne für eine Fußgängerbrücke zum Teerhof hatte es auch schon in den 60er Jahren gegeben – nicht alle Planer dachten damals allein ans Auto.

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