Alles geht

Mit Regenschirmen und Transparenten ging es für die Demonstranten auch in die Unterführung zwischen Martinistraße und Tiefer. Foto: KOLLER

Knapp 7 000 Klima-Demonstranten haben am Freitag wichtige Teile Bremens rund um Bürgerweide und Marktplatz lahmgelegt. Und nicht nur das: Auf diversen Straßen bis ins Umland stauten sich die Autos. Nichts ging mehr über Stunden im motorisierten Verkehr. Oder anders: Alles ging – zu Fuß. Und das Schöne: Die Aktionen verliefen friedlich.

VON ELISABETH GNUSCHKE UND STEFFEN KOLLER

Bremen – Am Vormittag war es noch ruhig zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof. Vereinzelt standen Streifenwagen an Kreuzungen, ein paar Polizeimotorräder fuhren die geplante Demonstrationsroute ab. Kurz nach 10 Uhr, die Demo sollte da bereits gestartet sein, machten sich immer noch viele Teilnehmer mit ihren Rädern auf den Weg zur Bürgerweide. Andere Möglichkeiten gab es auch nicht, die City wurde nach und nach für den Verkehr gesperrt. Während die Demonstranten friedlich an ihrem Event teilnahmen – laut Polizei gab es keine besonderen Vorkommnisse –, waren Autofahrer stocksauer. Sie kamen nicht zur Arbeit, nicht zum Einkaufen, nicht zum Arzttermin, nicht zu den Weihnachtsmärkten. Sie standen einfach nur im Stau und mussten warten.

Mit Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr unsere Zukunft klaut!“ und „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren!“ samt dazugehörigen Transparenten machten die nach Polizeiangaben etwa 7 000 Teilnehmer – damit deutlich weniger als im September – lautstark auf sich aufmerksam. Die Organisatoren um Frederike Oberheim sprachen von 15 000 Demonstranten. Vor Beginn der Demo sagte sie: „Wir fordern endlich Taten und dass unsere Zukunft bewahrt wird.“

Die Route, die die Menschen über Herdentor, Am Wall in Richtung Martinistraße und von dort aus ins Viertel und zurück zur Bürgerweide führte, berührte auch direkt die Bremer City – und führte zu massiven Verkehrsbehinderungen. So mancher Autofahrer bedachte den Demozug mit Hupkonzerten und eindeutigen Gesten.

Tourismus-Chef Peter Siemering hält den Freitag als Demotag für ungeeignet, ist dieser doch einer der stärksten Tage auf dem Weihnachtsmarkt. Er machte deutlich, dass sich seine Bedenken nicht gegen die Bewegung „Fridays for Future“ richten, sondern gegen den „ungünstigen Termin“. Die Hotels in der Innenstadt seien aufgrund des Weihnachtsmarktes fast ausgebucht, die Anreisewelle für Wochenentrips beginne am Freitagvormittag und treffe damit auf den Start der Demo. Die Hotels könnten über einen längeren Zeitraum nicht angefahren werden, monierte der Tourismus-Chef. Die Parkhäuser seien zeitweilig nicht erreichbar, die Busse – laut Siemering freitags etwa 100 – hätten keine Ausweichmöglichkeit. Tausende von Tagesbesuchern kämen zum Weihnachtsmarkt in die Innenstadt. Die Polizei, so Siemering, habe lediglich mitgeteilt, dass mit starken Verkehrsproblemen zu rechnen sei. „Wir möchten einfach rechtzeitig in die Planung der Streckenführung einbezogen zu werden“, betonte er. Dann könnten Busreiseunternehmern rechtzeitig informiert, die Gästeführer vorgewarnt werden, dass es zu erheblichen Verzögerungen beim Start der Gruppen kommen könne. Und die Hotels könnten ihre Gäste informieren.

So lag beispielsweise das komplett ausgebuchte Atlantic Grand Hotel an der Demostrecke. Und die Gäste – die weit vor Bekanntwerden der Demo ihre Zimmer bestellt hatten – konnten das Hotel nicht mit ihrem Auto erreichen. Denn die Straßen gehörten für wenige Stunden Schülern, Organisationen wie dem Umweltverband BUND, den „Parents for Future“ oder auch den „Scientists for Future“ sowie verschiedenen Gewerkschaften.

Anderthalb Stunden waren die Demonstranten unterwegs, da setzte starker Regen samt Windböen ein – womöglich ein Grund, warum zur geplanten Abschlusskundgebung gegen 13 Uhr nur noch etwa 4 000 Menschen anwesend waren. Zur Großdemo Ende September konnte die Bewegung in Bremen immerhin noch mehr als 30 000 Teilnehmer mobilisieren.

Wie eine autofreie Innenstadt, wohl zur Zeit das größte Anliegen der rot-grün-roten Koalition, aussehen könnte, zeigten nachmittags Klima-Demonstranten im Bereich am Altenwall. Die etwa 60 bis 80 Aktivisten wirkten mit ihren Ständen und Tischen am Altenwall zwischen Wall und Tiefer ein wenig verloren. In Gesprächen machten sie klar, dass sie mehr Nahverkehr möchten – bis in ländliche Bereiche hinein – und Autos aus der City ganz verbannen wollen.

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