Bis 27. Oktober in Bremen

Alles außer langsam - neue Show „Slow“ feiert Premiere im GOP

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„Slow“-Conferencier Claude Criblez mit seinem schwebenden Fisch.  Schattenspiele mit Ringen liefert Hazel Book.

Bremen - Vor wenigen Tagen hat das Bremer GOP seinen sechsten Geburtstag gefeiert. 395 Künstler aus 45 Ländern sind aufgetreten, 2 412 Shows wurden gespielt, erklärte Theaterdirektor Philipp Peiniger. Und dennoch gibt es immer wieder etwas Neues. Auch diesmal: Für die Show „Slow“ wurde eigens ein Drink kreiert.

Am Anfang der Produktion stand ein Bild. Das Bild eines Fußabdrucks. Darunter der Titel: „Hand“. Daraus erwuchs die Idee zu „Slow – In der Ruhe liegt die Kraft“, die am Donnerstagabend im Bremer GOP Premiere hatte. Denn „Slow“ ist, ganz anders als der Name suggeriert, eine Show voller Tempo und Adrenalin, purer Akrobatik, Kraft, Geschicklichkeit. Nur einer ist an diesem Abend wirklich slow, also langsam: Claude Criblez.

Mit Musik geht alles besser, auch der gemeinsame Auftritt am Klavier um Ingrid Korpitsch bricht mit dem hohen Tempo des Abends

Der Schweizer führt charmant durch den Abend, entschleunigt ihn spürbar. Ohne seine humorige und doch zurückgenommene, eben typische Schweizer Art, wäre das hohe Tempo kaum auszuhalten. Schließt man die Augen, wenn Criblez spricht, erinnert man sich unwillkürich an den Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger. Selbst die Stimmfarben haben augenfällige, nein ohrenfällige Parallelen.

Letzter ließ allerdings nie eine Katze oder einen Fisch fliegen. Criblez und sein „Flugzoo“ hingegen sorgen für die lustigen und poetischen Momente des Abends. Wenn der silberne Fisch („Auf keinen Fall füttern, sonst werden Sie ihn nicht mehr los“) mit den kleinen Propellern leise surrend über die Köpfe des Premierenpublikums schwebt, ist es andächtig still. Und wenn Criblez danach erklärt, wie er den Fisch herstellte („Ein brutales Gebastel aus purer Verzweiflung; so etwas machst Du nicht, wenn es Dir gut geht“), lacht der ganze Saal lauthals.

Was sonst am Ende kommt, kommt bei „Slow“ am Anfang: Die temporeiche, abschlussreifen Ikarischen Spiele der Togni Brothers

Dies sind tatsächlich die Momente, ohne die „Slow“ eine Show mit fantastischen, sportlichen und akrobatischen Höchstleistungen wäre – mehr aber auch nicht. Erst Criblez schafft den notwendigen Kontrast zu den Hochgeschwindigkeitsnummern.

Was bei der Idee zu „Slow“ ein wenig in den Hintergrund gedrängt wurde, ist die Geschichte, der rote Faden, zu dem das passende, liebevolle Bühnenbild den Rahmen gibt. Einen Rahmen, in dem sich die Artisten und Künstler bewegen können. Man denke nur an „La Luna“, das in der Kulisse eines Zirkus spielt. Oder „Grand Hotel“ – hinter den Kulissen eines Hotels.

Schattenspiele mit Ringen liefert Hazel Book.

„Slow“ ist modern, aber kein modernes Märchen. Die Artisten sind immer allein auf der Bühne, vor einem Vorhang, der mal weiß, mal farbig angeleuchtet ist. Und wenn ein Chu Chuan-Ho die Diabolos durch die Luft sausen lässt, so dass mit bloßem Auge die Abfolgen kaum zu verfolgen sind, dann ist das unbegreiflich, atemberaubend und wird umjubelt. Aber es steht eben ein Mann allein auf einer großen Bühne, im Lichtkegel der Scheinwerfer. Und sonst nichts.

Dem jungen Taiwanesen stehen „Tricked Out“ (Tori Beth Boggs, Jesse James CrinGarett Ryan Johns) in nichts nach. Mit einem Springseil, ach was, mit mehreren Springseilen vollführen sie ein Kunststück nach dem anderen. Tori Boggs, Weltrekordhalterin im Seilspringen, hüpft am Ende gar aus dem Spagat am Boden über die Seile, die ihre Partner abwechselnd schwingen. Außergewöhnliches, das man bislang noch nicht gesehen hat.

Das trifft auch auf Jonas Witt zu. Der Österreicher wirbelt im, am und neben dem Cyr-Ring über die Bühne, dreht sich in der Vertikalen und fast Horizontalen um sich selbst, beschreibt Kreise und Elipsen in formidablem Tempo.

Den Auftakt hatten die Togni Brothers mit ihren Ikarischen Spielen gemacht; eine Nummer, die in jedem anderen Programm als Höhe- und Endpunkt prädestiniert wäre, macht bei „Slow“ den Auftakt. Dario und Michael Togni waren mit ihrer Partnerakrobatik schon bei der britischen Ausgabe vom „Supertalent“. Gleich 13 Mal hintereinander lässt Michael Togni seinen Bruder auf seinen Füßen überschlagen.

Die Show „Slow“ läuft bis zum 27. Oktober. Gespielt wird jeweils am Mittwoch und Donnerstag, (20 Uhr, Tickets ab 34 Euro), Freitag und Sonnabend (18 und 21 Uhr; ab 39 Euro) und Sonntag (14 und 17 Uhr; ab 34 Euro). Vom 2. bis 20. Oktober lockt das GOP mit „Kids für nix“: Kinder/Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung eines vollzahlenden Erwachsen (ab 34 Euro) sind frei (gilt nach Verfügbarkeit, nicht sonnabends).

Weitere Infos auf

www.variete.de

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