„Allein, ich will…”„

Bremer Frauen-Geschichten”: Kaufmannstochter Anna Feldhusen wird „Malweib“

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Die Bremerin Anna Feldhusen (186-1951) war eine herausragende Radiererin. 

Bremen - Von Nina Seegers. Vielen ihrer (männlichen) Zeitgenossen bezeichneten sie abfällig als „Malweib”. Tatsächlich aber war die Bremerin Anna Feldhusen eine sehr begabte Malerin, Radiererin und Grafikerin, der die Kunst wichtiger war als gesellschaftliche Anerkennung. Ihr ist diese Folge unserer Serie „Bremer Frauengeschichten” gewidmet.

„Malweiber” wurden damals die Frauen genannt, die um 1900 mit Staffelei, Pinsel und Palette ins Freie zogen, um dort zu malen. Da Frauen zu jener Zeit an Kunstakademien noch nicht studieren durften, blieb ihnen keine eine andere Möglichkeit, als für sich zu malen und privaten Zeichenunterricht zu nehmen. Anna Feldhusen (1867 bis 1951) ging des privaten Malerei-Studiums wegen als 24-Jährige nach München. Natürlich schickte sich ein solcher Ausbildungsweg für eine junge Frau aus bürgerlichen Kreisen überhaupt nicht. Anna Feldhusen, Tochter eines Bremer Kaufmanns, scherte sich darum jedoch wenig und setzte alles auf die Kunst. „Allein, ich will…“ schrieb sie auf ihr Selbstbildnis aus dem Jahr 1899, dass sie als Malerin an der Staffelei zeigt. Feldhusen muss also eine sehr selbstbewusste, entschlossene und freiheitsliebende Frau gewesen sein.

Wie ihre knapp zehn Jahre jüngeren Künstlerkolleginnen Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff gehörte auch Feldhusen zu der Künstlerkolonie Worpswede. Anfangs erhielt sie dort Zeichenunterricht von Fritz Mackensen und Hans am Ende. Die Sommer verbrachte sie oft in Dötlingen im Sommerhaus ihrer Malerfreundin Marie Stumpe. Auch der Künstlerkolonie Dachau, nördlich von München, schloss sie sich an und behielt dort über viele Jahre eine eigene Wohnung, obwohl ihr Lebensmittelpunkt in Bremen und Worpswede war.

Feldhusens künstlerischer Nachlass besteht heute aus wenigen Malereien, vielen Grafiken und Radierungen. Denn vor allem als Radiererin war Feldhusen herausragend: Viele ihrer Strichätzungen sind präzise Abbildungen der Bremer Altstadt oder zeigen Ansichten der Worpsweder Landschaft. Zu Lebzeiten verkaufte die Künstlerin auf dem Weihnachtsbasar der Bremer Domgemeinde regelmäßig Drucke. Auch in den Bremer Schulbüchern waren über viele Jahrzehnte Feldhusens Heimatansichten enthalten. Heute ist ein großer Teil ihrer Radierungen im Besitz des Focke-Museums. Anna Feldhusen wusste aus eigenen Erfahrungen nur zu gut, dass es junge Künstlerinnen damals nicht einfach hatten. Daher engagierte sie sich unter anderem im „Bremer Malerinnenverein“ sowie im Bund der Düsseldorfer Künstlerinnen. Sie soll außerdem für lange Zeit die einzige Malerin gewesen sein, die einen Gewerbeschein als Kunstmalerin beantragte und auch erhielt.

Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs starb die Bremer Künstlerin 1951 im Alter von 83 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem Riensberger Friedhof.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” - eine Übersicht über alle Texte der Reihe gibt es hier.

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