Alle Jahre wieder: „Torfrock“ nimmt seine Fans kurz vor Weihnachten mit auf eine archaische Zeitreise

Brachiales im Vollgas-Rhythmus

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Die Urväter von Torfrock, Raymond Voss (li.) und Klaus Büchner, ließen am Freitag im Pier 2 kräftig weihnachtlichen Dampf ab.

Bremen - Von Ulf Kaack. Für rund 1000 Feiernde und Tobsüchtige gehört die „Wiehnachtsbagaluten“-Tour von „Torfrock“ zu den Festtagen wie der Schuss zum Glühwein. Am Freitagabend gastierte die norddeutsche Kultband im Pier 2 und brachte den Saal von der ersten Sekunde an zum Kochen.

„Seit 26 Jahren folgt die ,Bagaluten‘-Tournee einem festen und kompromisslosen Schlachtplan“, verriet Sänger Klaus Büchner kurz vor dem Auftritt. „Vor einem Vierteljahrhundert waren wir von der Festtagsmonotonie derart angeödet, dass wir fortan vor und in der Weihnachtszeit auf Tour gingen. Eine Idee, die bis heute sehr erfolgreich ist. Ohne Veränderungen und grundsolide.“

Laute Rufe nach Göttervater Odin, fliegende Biergläser, gehörnte Wikingerhelme auf zahlreichen Häuptern … Die Fans entstammten aus drei Generationen und forderten Brachiales nach der jährlich wiederkehrenden Zeremonie.

Nicht anders kam es dann, und zwar dicke! „Laut und geil“ hieß die Ansage, als Sänger Klaus Büchner und Gitarrist Raymond Voss, im Rhythmusbereich voller Dynamik fundamentiert von Bassist Volker Schmidt und Schlagzeuger Stefan Lehmann, von der ersten Sekunde an Vollgas gaben und die Reinkarnation von Rollo, Presslufthammer-B-B-B-Bernhard und Renate – allesamt bewährte Wiedergänger aus den 70ern – zu Gehör brachten.

„Torfrock“ im Pier 2

Inhaltlich standen im Zentrum der musikalischen Darbietung vor allem drei Aspekte: Abtanzen, Rumgrölen und Saufen. Für viele Fans eine längst zum Kult gewordene archaische Zeitreise in eine längst vergangene Epoche aus Schulfeten, Dorfdisco und Schützenfest im Zelt: Noch mal so richtig die Sau rauslassen wie damals, fernab von Establishment und Konventionen. Und das provokativ unter dem Deckmantel der weihnachtlichen Kultur des Abendlandes… Textzitat: „Leise pieselt das Reh, gelbe Spur’n in den Schnee. Und die vielen kleinen Engels tun sich Rum in den Tee.“

Lautstark kredenzten die norddeutschen Rocksaurier weithin bekanntes Songmaterial: „Volle Granate Renate“, „Die Bagalutenband“, „Trunkenbold“ und mit „Beinhart“ den größten Hit des keineswegs altersschwach aufspielenden Ensembles. Möglichst schnell, auf jeden Fall fernab der Geräuscharmut – so die Devise. Eine unnachahmliche und dennoch simpel gestrickte Mixtur aus Rock’n’Roll, Blues und Folk-Elementen, angereichert mit Selbstironie und nordisch-trockenem Humor.

Wie gewohnt, agierte „Torfrock“ im innovationsfreien Raum. Aber auch niemand in der gewohnt konservativen Zuhörerschaft erwartete etwas Neues.

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