48-Jähriger spielt Senator Eggers

Doku-Drama „Die Affäre Borgward“: Interview mit Schauspieler André Mann

+
Im Bremer Rathaus stellen Bürgermeister Wilhelm Kaisen (Jürgen Heinrich, l.) und Wirtschaftssenator Karl Eggers die Weichen für das Ende des Borgward-Imperiums.

Bremen - Von Jörg Esser. Am Montag, 7. Januar   2019, zeigt die ARD zur besten Sendezeit (20.15 Uhr) „Die Affäre Borgward“, ein Doku-Drama über den Aufstieg und Fall des Bremer Autokönigs. André Mann spielt Wirtschaftssenator Karl Eggers, eine der Hauptfiguren in der Affäre um das Ende der Borgward-Werke. Wir sprachen mit dem 48-jährigen Wahl-Berliner, der in Duisburg aufgewachsen ist, über den Dreh, Bremen und über Politiker.

Herr Mann, das Dokudrama widmet sich einem historischen Bremer Stoff. Kannten Sie vor dem Dreh die Hintergründe der Story, hatten Sie einen Bezug zu Borgward und Bremen?

André Mann: Ehrlich gesagt: Nein. Ich musste mich erst in das Thema einarbeiten. Und als ich das Drehbuch las, hatte ich zunächst Zweifel, ob sich so ein komplexer Inhalt transportieren lässt. Was meinen Bezug zu Bremen angeht, so habe ich übrigens schon als Kind die Bremer Stadtmusikanten geliebt.

Ist nach dem Dreh was hängengeblieben?

Mann: Wir haben fast nur gearbeitet und Bremen kaum kennenlernen können. Die drehfreie Zeit habe ich vor allem im Park Hotel verbracht. Nur so viel: Bremen ist eine sehr gute hanseatische Mischung aus Lübeck und Hamburg. Die Stadt hat eine angenehme Größe, und ich mag die Bremer mit ihrer klaren Kante mit Herzlichkeit. Das hat Klasse. Und mittlerweile habe ich einige Leute kennengelernt, die schon mal einen Borgward gefahren sind und heute noch davon schwärmen.

Zurück in den Film: Sie spielen SPD-Wirtschaftssenator Karl Eggers, einen der Gegenspieler Borgwards. Einen, der den „Bastler“ und Autobauer in die Knie zwingt.

Mann: In dieser Geschichte ist nicht einer der Böse und einer der Gute. Borgward ist ein Genie als Erfinder, als Mensch aber egozentrisch und selbstherrlich. Er hasst Banker und Politiker. Und lässt sie das auch fühlen. Eggers will das Unternehmen und die 20.000 Arbeitsplätze retten, er brennt für die Menschen. Doch er macht auch Fehler. 

Aber Eggers wird tatsächlich heute noch als Bösewicht wahrgenommen. Das habe ich bei der Premiere des Films in Hamburg zu spüren bekommen. Einige Leute aus der Borgward-Fangemeinde haben nach dem Film zu mir gesagt: ,Wenn es Dich nicht gegeben hätte, gebe es Borgward noch.’ Das hat mich verwundert. Der Regisseur Marcus O. Rosenmüller hat nur zu mir gesagt: ,Für die bist Du der Eggers.’

Das heißt ja auch, dass Sie den Senator durchaus überzeugend und authentisch darstellen. Haben Sie sich auf die Rolle besonders vorbereitet?

Mann: Ein historischer Stoff ist kompliziert. Man muss sich geistig in die Zeit begeben, in der die Geschichte spielt. Und dort Verankerung finden. Und man muss eine Figur zum Leben erwecken, die es ja tatsächlich gegeben hat. Ich habe unter anderem ein 20-seitiges Interview von Eggers gelesen. Und ich habe Originalaufnahmen von der Verdienstkreuzverleihung angeschaut.

Senator Eggers muss Carl Borgward im Rathaus das Bundesverdienstkreuz am Bande verleihen, weil sein „Chef“, Bürgermeister Wilhelm Kaisen, einen Termin bei Herbert Wehner in Bonn hat ...

Mann: Die Szene ist ein emotionaler Einstieg. Und eine Schlüsselszene. Eggers hasst Borgward, das wird deutlich. Und Borgward hasst Eggers. Hierfür habe ich kühles, politisch-korrektes Lächeln trainiert. Und mir dabei vorgestellt, einem Intimfeind freundlich zu begegnen.

Klingt spannend ...

Mann: Zur Vorbereitung habe ich mir viele Politikerinterviews angeschaut. Ich habe gelernt, wie Politiker viel sagen, um nichts zu sagen, wie sie auf spitzfindige und souveräne Art ihre Ziele durchbringen. Ich habe Politiker studiert, das war wirklich sehr spannend.

Die Borgward-Rolle spielt Thomas Thieme, der als Alphatier gilt ...

Mann: Ich schätze Ihn sehr, seine unbändige Kraft. Thieme ist ein Kreativ-Vulkan. Man muss sich auf ihn einlassen, ohne sich selbst zu verlieren.

Ist der Film geglückt?

Mann: Es war ein Ensemble-Film. Ein Theaterstück auf der Leinwand. Alle haben für die Geschichte gebrannt. Und miteinander gearbeitet. Der Film schafft es, Interesse für die Zeit zu wecken. Und er zeigt, dass sich an der Spielweise, wie bestimmte Sachverhalte in der Öffentlichkeit verkauft werden, im Laufe der Jahrzehnte nichts geändert hat. Das ist schon ein bisschen schockierend.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Unwetterfront stört Freiluftfeste

Unwetterfront stört Freiluftfeste

Schützenfest Twistringen - der Auftakt am Samstag

Schützenfest Twistringen - der Auftakt am Samstag

Göpel-Einweihung am Fuß des Bramstedter Glockenturms

Göpel-Einweihung am Fuß des Bramstedter Glockenturms

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

Meistgelesene Artikel

Bremen-Olé im Ticker: 12.000 Besucher feiern bei Regen und Sonnenschein

Bremen-Olé im Ticker: 12.000 Besucher feiern bei Regen und Sonnenschein

Teilweise altersschwach: Lesumbrücke der A27 bleibt teilgesperrt

Teilweise altersschwach: Lesumbrücke der A27 bleibt teilgesperrt

Geschichten von der Großwerft

Geschichten von der Großwerft

A1-Anschluss Arsten gesperrt: Arbeit in vier Abschnitten vor Vollendung

A1-Anschluss Arsten gesperrt: Arbeit in vier Abschnitten vor Vollendung

Kommentare