Dokumente nach Herkunft sortiert

„Verschwunden“: Das Staatsarchiv an der Tiefer

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Der Bremer Architekt Friedrich Albin Zill hatte 1909 das Staatsarchiv an der Tiefer – in der Nähe der Weser – errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Seit nunmehr 50 Jahren ist das Bremer Staatsarchiv dort zu finden, wo Präsident-Kennedy-Platz und Fedelhören zueinanderkommen. Davor hatte es ein Provisorium gegeben. Und davor wiederum lag das Staatsarchiv in der Altstadt und zugleich an der Weser – an der Tiefer nämlich. Dieser Standort des Archivs ist heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Aber gehen wir noch etwas weiter zurück – und an einen anderen Ort. Das alte Stadthaus am Domshof war anno 1818 auf dem Areal des zwei Jahre zuvor abgerissenen erzbischöflichen Palatiums gebaut worden. 1909 musste das Gebäude einem wichtigen Neubau weichen – dem Anbau des Alten Rathauses, sprich: dem Neuen Rathaus, das 1913 eingeweiht wurde.

1826 waren die Archivalien aus dem Rat- ins Stadthaus gebracht worden. Unter dem Historiker Wilhelm von Bippen (1844 bis 1923) begann ab 1875 erstmals eine wissenschaftliche Bearbeitung und Strukturierung der Bestände. Dann aber kam der Abriss des Stadthauses – und das Archiv brauchte eine neue Heimat. Es fand sie – gemeinsam mit dem Standesamt – in einem Neubau, in dem nun wirklich Platz für alle Bestände war. 

Zill-Bau bei Bombenangriff zerstört

Es war das Gebäude an der Tiefer, das 1909 von dem Bremer Architekten Friedrich Albin Zill (1875 bis 1960) errichtet wurde. Dessen Sohn Martin Zill (1907 bis 1978) wurde ebenfalls Architekt und sollte später unter anderem Wohnanlagen in Tenever, die Versicherungsbörse auf dem Teerhof und das Gewoba-Hochhaus am Rembertiring bauen. Aber das nur am Rande.

Zurück ins Archiv. Der Direktor und Historiker Hermann Entholt (1870 bis 1957), nach dem eine Straße in Obervieland benannt ist, ordnete die Bestände im Haus an der Tiefer neu – nach der Herkunft und nicht mehr nach dem Inhalt. Das war der Schritt zum modernen Archiv. Bei einem Bombenangriff am 24. Februar 1945 wurde der Zill-Bau an der Tiefer zerstört.

Zuvor schon hatte man einen großen Teil der Akten und Archivalien ausgelagert. So blieb man zunächst von Verlusten verschont. Die folgten nach dem Krieg – durch Plünderungen und Beschlagnahmen. Schätzungsweise ein Drittel der Bremer Urkunden und Handschriften gingen so verloren.

Linzer Diplom kehrte 1968  zurück

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Staatsarchiv provisorisch untergebracht – in der Villa Rutenberg (Am Dobben 91, heute Ortsamt Mitte). Ende der 50er Jahre wurden alle Dokumente des Archivs nach einem neuen System gegliedert, im Mai 1968 folgte der Umzug in den von Alfred Meister (Hochbauamt) errichteten Neubau, in dem das Archiv noch heute zu finden ist. Der Neubau besteht aus einem zweigeschossigen Publikums- und Verwaltungstrakt sowie einem Magazinturm.

Ein Teil der Kriegsverluste ist zurückgekehrt – so beispielsweise 1987 in 189 Kisten, die das Zentralarchiv der DDR in den 50ern aus Moskau bekommen hatte. 1998 bekam das Archiv das Linzer Diplom von 1646 zurück, in dem die stets auf Eigenständigkeit bedachten Bremer sich einst für teures Geld die Reichsunmittelbarkeit der Stadt Bremen hatten bestätigen lassen. Das für Bremen so wertvolle Linzer Diplom war nach dem Krieg in Eriwan (Armenien) gelandet.

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