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Bremen: Airport mit Doppelspitze auf Zeit

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Von: Jörg Esser

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Elmar Kleinert, Tim Cordßen-Ryglewski und Marc Cezanne  stehen im Flughafen-Terminal.
Doppelspitze mit Staatsrat: Elmar Kleinert (l.) verlässt den Flughafen früher als geplant, Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski präsentierte am Dienstag mit Marc Cezanne (r.) den neuen Flughafen-Geschäftsführer. © Esser

Der Bremer Flughafen hat einen neuen Geschäftsführer: Marc Cezanne. Er agiert vorerst als Doppelspitze mit Elmar Kleinert, der sich vor Ende seines Vertrags ins Private zurückzieht.

Bremen – Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Marc Cezanne ist neuer Geschäftsführer des Bremer Flughafens. Er wird Nachfolger von Elmar Kleinert, der den Airport aus „rein privaten Gründen“ und auf eigenen Wunsch vor Ablauf seines Fünf-Jahres-Vertrags verlassen wird, sagte Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft.

In den nächsten Monaten agieren Kleinert und Cezanne als Doppelspitze. Einen genauen Zeitpunkt für den Abflug Kleinerts gibt es noch nicht. Der heute 60-Jährige ist seit Juli 2018 Geschäftsführer der Airports. Kleinert habe seinen Job angetreten, als die wirtschaftliche Entwicklung des Flughafens „bedrohliche Ausmaße“ angenommen habe, sagte Cordßen-Ryglewski. Seither habe er unter schwierigsten Bedingungen wichtige Arbeit geleistet, viele Projekte angestoßen und umgesetzt sowie Weichen für eine gute Aufstellung des Airports in der Zukunft gestellt.

Anders ausgedrückt: Kleinert hat den Sanierungskurs eingeleitet, hat Personalkosten reduziert und den Mitarbeiterstamm ohne betriebsbedingte Kündigungen um etwa ein Viertel auf rund 360 Vollzeitstellen abgebaut. „Und das alles im Schulterschluss mit dem paritätisch besetzten Aufsichtsrat“, sagte der Staatsrat. Und weiter: „Wir sind auf dem Weg zur Punktlandung.“ Die Sanierungsphase läuft bis 2027.

„Auf dem Weg zur Punktlandung“

Kleinert spricht beim Rückblick auf seine bisherige Zeit von „drei jobtechnisch sehr harten Jahren“: Zunächst habe Ryanair seine Basis in Bremen aufgeben, dann sei die Fluglinie Germania in die Insolvenz geflogen. Und dann habe Corona quasi von einem Tag auf den anderen den bis dahin guten Start ins Jahr 2020 vermasselt. „Seither befinden wir uns im Dauerkrisenmodus.“ Die finanziellen Auswirkungen der Pandemie werden die Luftfahrtbranche noch Jahre beschäftigen, so Kleinert. Und durch die russische Invasion in der Ukraine drohen neue Probleme. Steigende Kerosin-Preise führten womöglich dazu, dass Fluglinien bestimmte Strecken nicht mehr wirtschaftlich betreiben können und diese dann streichen.

Der Bremer Flughafen sei bis Mitte 2023 durchfinanziert, so Kleinert. Er spricht von einer „gesicherten Liquidität“ und einer „soliden Basis“. Nachfolger Cezanne erhält einen Drei-Jahres-Vertrag. Er sieht für den Bremer Airport „positive Zukunftsperspektiven“.

„Positive Zukunftsperspektiven“

Marc Cezanne, geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main, verfügt über langjährige Erfahrungen in der Luftverkehrsbranche. Nach dem Abitur (in Darmstadt) hat er eine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann absolviert und parallel dazu Betriebswirtschaftslehre studiert. 1998 promovierte der heute 54-Jährige an den Universitäten in Frankfurt am Main und Graz in der Steiermark (Österreich).

Seither war er nach eigenen Angaben unter anderem im Management der Lufthansa, der Frankfurter Fraport AG und von Air Berlin tätig, zeitweise fürs Kabinenpersonal, die Entwicklung neuer Strecken und in Mailand für die Gründung einer Fluggesellschaft verantwortlich. Zuletzt war er Geschäftsführer, Sanierer und damit auch Krisenmanager des Flughafens Paderborn/Lippstadt, den er im Juli 2021 verließ.

25 Sommerziele und vier Drehkreuze

Der Bremer Flughafen zählte 2021 insgesamt 630 062 Passagiere. Das waren sechs Prozent mehr als 2020, aber gut 72 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019 (2,308 Millionen Fluggäste). Im vergangenen Jahr wurden 18 949 Starts und Landungen registriert, 2020 waren es 20 172 und 2019 noch 36 307. Im Sommerflugplan 2022 stehen 25 Ziele. Unter anderem werden die vier Drehkreuze München, Frankfurt am Main, Amsterdam und Istanbul regelmäßig von Bremen aus angesteuert.

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