„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: Schnoor Nummer 15

Das älteste Wohnhaus

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Schnoor Nummer 15 – Bremens ältestes Wohnhaus. Im Erdgeschoss: eine Galerie. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„Anno domini 1402.“ So steht es über der Tür an der Fassade des Hauses Schnoor Nummer 15. Es gilt als Bremens ältestes noch erhaltenes Wohnhaus.

1402? Der steinerne Roland auf dem Marktplatz hat seine Ursprünge im Jahr 1404, der Bau des Rathauses begann 1405 – Bremens Weltkulturerbe, Symbole selbstbewussten Bürgertums. Das Wohnhaus Schnoor Nummer 15 aber ist eben noch einen Tick älter. „Umbauten 1512, 1859, 1960“, notiert die Denkmaldatenbank des Bremer Landeskonservators. Epoche: Gotik. 1402? Feuersicheres Bauen war eine vergleichsweise neue Errungenschaft. Der Rat schenkte zu Beginn des 15. Jahrhunderts Bürgern, die ein steinernes Haus bauten, eine bestimmte Anzahl von Steinen.

In den kleinen Schnoorhäusern lebten ursprünglich Fischer und Schiffer, auch Handwerker. Einst floss hier die Balge, ein Nebenarm der Weser, an den – nicht weit vom Schnoor entfernt – heute der Name der Balgebrückstraße erinnert. Am Stavendamm, der heute gemeinhin mit zum Schnoorviertel gezählt wird, gab es Badestuben („Staven“). Seeleute konnten hier ein Bad nehmen und, nun ja, Frauen treffen. Bremens Haupthafen lag seit dem 13. Jahrhundert an der Schlachte, nicht weit vom Schnoor entfernt.

In dem sehr ausführlichen Buch „Bremen und seine Bauten“, im Jahr 1900 vom Architekten- und Ingenieurverein herausgegeben und heute im Bestand der Staats- und Universitätsbibliothek zu finden, werden „die ältesten Straßennamen“ wie „Tiefer, Schnoor, Marterburg, Wüstestätte“ zwar erwähnt, spielen aber eine Nebenrolle. Das „uralte Gewirr eng aneinander gelehnter Häuschen“ wie im Schnoor zeige einen „welt entlegenen Kleinbürgercharakter“, heißt es im Abschnitt „Baugeschichtliche Übersicht“.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der kleinteilige Schnoor zu einem Arme-Leute-Viertel in der Altstadt. Hier wurde tatsächlich vornehmlich gewohnt. Kinder spielten in den schmalen Gassen, auf alten Fotos ist das oft zu sehen. Es war eine ganz andere Welt als der Schnoor von heute mit seinen Lokalen, Geschäften und Besuchermassen. Für die Stadtentwicklung schien das kleine Viertel keine Rolle mehr zu spielen. Manche der Häuser verfielen. Die Stadtplanung hatte andere Schwerpunkte, die Denkmalpflege noch nicht die Bedeutung, die ihr heute zugemessen wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte der Schnoor, im Krieg nicht grundlegend beschädigt, zu verfallen. Die Rettung folgte 1959 mit dem – von der Bürgerschaft beschlossenen – „Schnoor-Statut“. Unter der Leitung des Baurats und späteren Denkmalpflegers Karl Dillschneider (1904 bis 1998) wurde der Schnoor saniert – nach festen Gestaltungsregeln und dem historischen Bild folgend. Neues musste sich einfügen, ohne alte Bauformen künstlich nachzuahmen. Erst durch diese Rettung wurde der Schnoor zu der Touristenattraktion, die er heute ist. Mittendrin: Bremens ältestes Wohnhaus.

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