Brepark wird neue Betreiberin des Fahrradparkhauses

ADFC schließt „Radstation“ am Bremer Bahnhof

Das Fahrradparkhaus samt „Radstation“ am Bremer Hauptbahnhof: Der ADFC gibt den Betrieb Ende Juni auf. Neue Betreiberin ist am 1. Juli die bisherige Vermieterin des Gebäudes, die Parkraumgesellschaft Brepark.
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Das Fahrradparkhaus samt „Radstation“ am Bremer Hauptbahnhof: Der ADFC gibt den Betrieb Ende Juni auf. Neue Betreiberin ist am 1. Juli die bisherige Vermieterin des Gebäudes, die Parkraumgesellschaft Brepark.

Der Bremer Fahrradclub gibt den Betrieb des Fahrradparkhauses am Bremer Hauptbahnhof samt „Radstation“ auf. Und nun, was machen die Pendler, die mit der Bahn fahren und hier ihr Rad abstellen?

Bremen – Es war im Jahr 2003 bei der Eröffnung „das“ bundesweite Vorzeigeprojekt: das Fahrradparkhaus am Bremer Hauptbahnhof, betrieben ohne öffentliche Zuschüsse vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Doch Ende Juni ist Schluss. Der ADFC gibt das Parkhaus auf, ebenso die „Radstation“. Doch das ist nicht das Ende des Parkhauses, denn das wird ab Juli die Bremer Parkraumgesellschaft (Brepark) betreiben.

Der ADFC, einst in Bremen gegründet, sieht das mit einem weinenden und einem lachenden Auge, überschneiden sich doch zwei Ereignisse. So hat der Bund viel Geld lockergemacht, um das Thema Fahrrad noch weiter nach vorn zu bringen. Davon profitiert auch Bremen. Das Verkehrsressort nutzt das, um das Thema Fahrradparken zu stärken und das Konzept samt der Zuschüsse in eine Hand zu geben – in die Hand der Brepark, die in der Stadt neben mehreren Parkhäusern für Autos bislang vier Stellflächen für Räder betreibt. Diese Stärkung des Themas Rad begrüßt der ADFC, bei dem allerdings durch den Betreiberwechsel zwei Männer und eine Frau ihre Jobs verlieren.

Fahrradparkhaus: Ohne neue Schließanlage geht es nicht

Um das in die Jahre gekommene Radparkhaus aufzupeppen, muss es saniert und mit einer neuen Schließanlage versehen werden, dessen ist sich der ADFC bewusst, wie die Pressesprecherinnen Frauke Maack und Pina Pohl sagen. Doch genau das ist der Haken an der Sache: Der Verein, der für den Betrieb vor einigen Jahren eigens die Tochtergesellschaft „Radstation“ gegründet hatte, hat dafür kein Geld, nicht einmal für das dringend benötigte neue Schließsystem.

Spritzen, Unrat und „Radleichen“

Warum ist ein neues System so wichtig? Nun, so Maack und Pohl, in den vergangenen Jahren ist der Eingang an der Südseite geradezu verwahrlost: Spritzen, Unrat und „Fahrradleichen“. Pohl: „Der Grad der Verwahrlosung hat ein Ausmaß erreicht, das für den ADFC als Betreiber nicht mehr zu verantworten ist. Ohne die Möglichkeit, eine neue Schließanlage zu errichten, war es dem Verein nicht mehr möglich, der nächtlichen Nutzung als Drogenumschlagplatz, Toilette und Schlafraum und der damit einhergehenden Verschmutzung Einhalt zu gebieten.“

ADFC-Landeschefin Bonnie Fenton zeigt sich enttäuscht, „dass es so weit kommen musste“. „Leider ist es dem ADFC in den seit über einem Jahr geführten Gesprächen mit Polizei, Ortsamt, senatorischen Behörden und auch unserer Vermieterin Brepark nicht gelungen, die Dringlichkeit des Problems deutlich zu machen.“ Auch eine zwischenzeitliche nächtliche Schließung habe nur eine vorübergehende Verbesserung gebracht. Daher hat sich der Club zur Aufgabe entschlossen, denn die hygienischen Bedingungen seien weder Kunden noch Mitarbeitern weiterhin zuzumuten.

Fahrradparkhaus in Bremen: Vermüllter Eingang

Doch warum ist der Eingang so vermüllt und seit wann? Frauke Maack sieht den Grund in den Öffnungszeiten des nahen Szenetreffs, die im Jahr 2019 eingeschränkt wurden. Der Eingang bei der „Radstation“ (und nicht nur der) wird als Schlafplatz, zum Drogenkonsum, als Toilette benutzt. Sie hält nichts von Verdrängung der Szene, fordert stattdessen die Öffnung des Treffs, das würde helfen, um der Klientel ein Dach zu geben.

Übrigens, auf der Nordseite zur Bürgerweide hin besteht das Problem nicht, dort gibt es eine entsprechende Schließanlage, in der nur Berechtigte ins Radparkhaus kommen. Auf der Südseite kann bislang jeder durch den Eingang gehen, erst dann kommt der Automat für Tickets.

Corona samt Lockdown hat die „Radstation“, in der der Club Service und Verleih anbietet, arg gebeutelt, sagt Maack. War das klassische Bahnpendler-Parkhaus vorher „gut ausgelastet“, blieben seit einem Jahr viele Plätze leer. Touristen mussten wegbleiben, auch der Service war weniger gefragt. Und ohne die Einnahmen aus dem Fahrradparkhaus sei es dem ADFC nicht mehr möglich, das Serviceangebot mit Reparaturen und den Fahrradverleih aufrechtzuerhalten, sagt ADFC-Landesgeschäftsführer Sven Eckert. Das sei insbesondere für Pendler, aber auch für den Fahrradtourismus bedauerlich.

Wird der ADFC Verleih und Service künftig an anderer Stelle anbieten? Erstmal nicht, sagt Maack, die Diskussion darüber laufe im Verein noch.

Bis zum 30. Juni haben nun die Kunden Zeit, ihren Chip fürs Parkhaus bei der „Radstation“ abzugeben und sich das Pfand (15 Euro) sowie vorhandene Restlaufzeiten erstatten zu lassen. Bezahlt haben sie fürs Unterstellen bislang im Monat 15, im halben Jahr 55 und im Jahr 99 Euro.

Wie geht es für die Kunden weiter?

Wie geht es im Fahrradparkhaus, das insbesondere bei Pendlern aus der Region beliebt ist, am Bremer Hauptbahnhof unter der Regie der Brepark weiter? Auf jeden Fall nahtlos direkt zum 1. Juli, sagte Brepark-Chefin Erika Becker gegenüber unserer Zeitung. Auf der Nordseite stehen 1 000, auf der Südseite 400 Radstellplätze zur Verfügung. Interessenten können bei der Brepark unter 0421/17471-0 Plätze buchen. Dauerparker bekommen die „Bike“-Karte und zahlen monatlich zehn statt bisher 15 Euro. Tageskarte: 1,50 Euro. Wie und wann das Haus saniert wird, ist noch in der Planung, so Becker. Um die Lage auf der Südseite besser im Blick zu haben, wird dort von 6 bis 23 Uhr Aufsichtspersonal vor Ort sein. Ob das neben einer neuen Schließanlage reicht, um der Vermüllung Herr zu werden, wird sich zeigen. Auf Verleih, Reparatur und Verkauf müssen Radler womöglich erstmal verzichten. Doch die Brepark ist auf der Suche nach einem Mieter für den Ladenbereich, so Erika Becker. Ob das Angebot bis Juli zur Verfügung steht, ist noch offen.

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