Fast 100-prozentige Erfolgsquote beim Einwerben von Drittmitteln

Psychologie-Professorin  Adele Diederich redet gern Tacheles

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Adele Diederich ist Psychologie-Professorin an der Jacobs-Universität in Grohn.

Bremen - Langatmige Sitzungen sind ihre Sache nicht. Adele Diederich schätzt klare, schnelle Entscheidungen ebenso wie sie eine eindeutige, unmissverständliche Sprache spricht. „Ich rede gern Tacheles“, sagt die Psychologie-Professorin an der Jacobs-Universität in Grohn, die hohe Ansprüche an sich und an andere stellt. Und das mit herausragendem Erfolg, wie sich auch beim Einwerben von Drittmitteln zeigt.

Ohne Drittmittel keine Forschung. Um sie zu bekommen, müssen Wissenschaftler ihre Forschungsvorhaben ausführlich begründen und Anträge schreiben, an Institutionen wie die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), an den Europäischen Forschungsrat oder an Stiftungen. Gelder kommen auch aus der Privatwirtschaft.

Das Verfahren ist aufwendig, der Erfolg keineswegs garantiert. Diederichs Erfolgsquote bei der DFG beträgt nahezu 100 Prozent. „So wie ich viel Anstrengungen in meine Vorlesungen stecke, so mache ich es auch mit den Anträgen: Ich arbeite sie sehr präzise aus“, sagt sie. „Das kommt offensichtlich gut an.“

Gleich fünf Forschungsprojekte betreut die Psychologin derzeit – somit ist die Wissenschaftlerin auch Arbeitgeberin. Fünf Arbeitsplätze, drei Stellen für Postdoktoranden und zwei Promotionsstellen, hat sie geschaffen. Hinzu kommen diverse wissenschaftliche Hilfsjobs für Studenten. Und die Probanden, die sie für ihre Projekte befragt, werden auch bezahlt. „Wir Wissenschaftler bringen Geld, Jobs und Steuern nach Bremen. Das ist eine Win-Win-Situation für uns als Jacobs University und für die Region“, sagt Diederich.

Ihr Gebiet ist die mathematische Psychologie, eine Teildisziplin der Psychologie, die ein psychologisches Modell mathematisch formalisiert beschreibt. Inhaltlich beschäftigt sie sich mit zwei Themenbereichen: zum einen mit der Wahrnehmung und damit der Frage des Zusammenspiels der Sinnesorgane, zum anderen mit Entscheidungsmodellen, also dem Prozess des Wählens zwischen mindestens zwei Optionen, auch unter Zeitdruck. „Wenn ich fünf Minuten vor Ladenschluss einkaufe, ist die Entscheidungsfindung eine ganz andere, als wenn ich viel Zeit habe.“ Zwar betreibt Diederich Grundlagenforschung, ihre Arbeit findet sich jedoch auch in vielen Anwendungen wieder, etwa bei Fahrerassistenzsystemen in Autos oder dem Leistungskatalog von Krankenkassen.

Nicht weniger gern als Forschung betreibt sie die Lehre. Gute Lehre sei, die Studenten für die Zukunft starkzumachen, ihnen Wissen zu vermitteln, damit sie auf dem Arbeitsmarkt bestehen könnten. Als streng, aber fair beschreibt sie sich. Die jungen Menschen lernten sehr viel bei ihr, sagt sie sebstbewusst.

Sie hat viel um die Ohren, die Professorin. Sie hat jetzt noch eine weitere Aufgabe übernommen: als Chefredakteurin des „Journal of Mathematical Psychology“. Frauen sind in ihrem Fachgebiet rar gesät, die Chance, als Wissenschaftlerin ein renommiertes Fachmagazin zu steuern, wollte sie nicht an sich vorübergehen lassen.

An der Jacobs-Uni lehrt und forscht Diederich seit inzwischen 16 Jahren. Von der Northwestern University in den USA kam sie damals nach Bremen. „Die Idee, eine Universität mit aufzubauen, die deutsche und amerikanische Elemente miteinander verbindet, hat mich begeistert“, erzählt sie. Die Nähe zu internationalen Studenten, die kurzen Wege und die fächerübergreifende Zusammenarbeit schätzt sie besonders. „Ich bin ja Psychologin und Mathematikerin. Die Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg ist mir wichtig. Hier kennt man sich und kommt schnell ins Gespräch“, betont sie. 

jp/gn

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