Abschnitt im 19. Jahrhundert zugeschüttet

Letzter Teil der Wallanlagen entdeckt

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Münzen, Sandkörner – und ein Knopf (links unten).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die Wallanlagen umschließen fast die gesamte Bremer Altstadt. Ein Stück der einstigen Befestigungsanlage aber fehlt, weil es im 19. Jahrhundert zugeschüttet worden ist. Jetzt haben Archäologen dieses Stück gefunden – und können damit den genauen Verlauf des früheren Stadtgrabens rekonstruieren.

„Der schwarze Sand, das ist der Graben.“ Dr. Dieter Bischop, bei der Landesarchäologie für die Stadt zuständig, arbeitet mit seinem Team einmal mehr in der Überseestadt. Dieses Mal in der Baugrube auf dem Grundstück zwischen Korffsdeich und Eduard-Schopf-Allee, im Schatten des „Weser-Towers“ also, den das Immobilienunternehmen Siedentopf gebaut hat. Jetzt baut Siedentopf hier, direkt am Eingang zur Überseestadt, das Bürohaus „ESA 1“. Die ersten Mieter sollen im ersten Quartal 2016 einziehen können.

Das jetzt freigelegte Stück der Original-Wallanlagen wird dann wieder verschwunden sein, unter dem Neubau nämlich – allerdings von den Archäologen exakt dokumentiert, sprich: ausgemessen und fotografiert. „Man wusste bislang nicht genau, wie das aussah“, sagt Bischop.

Im 17. Jahrhundert hatte der holländische Festungsbaumeister Johan van Valckenburgh (um 1575 bis 1625) die Pläne für den Ausbau der Bremer Befestigungsanlagen ausgearbeitet. Ein zackenförmiger Wassergraben (mit Bastionen) sollte Bremen vor Angreifern schützen – und feindliche Kanonen „auf Distanz halten“, so Bischop.

Im zweiten bremisch-schwedischen Krieg wurde Bremen 1666 tatsächlich belagert. Und die Bremer schossen zurück. Einen Zündstein und Bleikugeln haben die Archäologen jetzt auf der Baustelle in der Überseestadt gefunden – Zeugnisse dieser Auseinandersetzungen, bei denen es um Bremens Status als freie Reichsstadt ging.

Bald aber waren die Tage der bremischen Befestigungsanlagen gezählt. Die Zeit der Belagerungen war vorüber. Die Bremer wandelten Valckenburghs zackenförmigen Graben ab 1802 in einen Landschaftsgarten um – so entstanden die Wallanlagen, wie wir sie heute noch kennen.

Im Zuge der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus wurde ein Abschnitt der Anlagen zugeschüttet – eben jener, den die Archäologen nun entdeckt haben. Die Bremer brauchten den Platz, um in der Mitte des 19. Jahrhunderts für den aufkommenden Güterverkehr den Weserbahnhof zu bauen.

Der wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört (und später in veränderter Form neu errichtet). Bischop und seine Kollegen haben im Erdreich allerlei Trümmerteile gefunden.

Aber auch Älteres. Münzen etwa – unter ihnen eine bremische Münze von 1726 und auch eine Münze aus Gotha. Zu den besonderen Fundstücken zählt auch ein Salbgefäß, das wohl aus dem 17. Jahrhundert stammt – und noch Salbe enthält. Die allerdings inzwischen sehr hart geworden ist.

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