Landgericht verurteilt Seniorin wegen Totschlags 

80-Jährige muss für acht Jahre ins Gefängnis

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Die 80-jährige Angeklagte begrüßt kurz vor dem Urteil Zuschauer im Gerichtssaal. Wenige Minuten später wird sie wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Rechts: Ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Marc Waisbuch, der Freispruch beantragt hatte. 

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Freitag eine 80-Jährige des Totschlags an ihrer Nachbarin (63) schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Die Seniorin hat im August 2016, so die Überzeugung der Kammer, ihre Nachbarin während eines Trinkgelages erst mit einer Vase geschlagen und anschließend mit mindestens vier Messerstichen getötet.

Der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann wartet einige Sekunden, dann richtet er deutliche Worte an die Angeklagte: „Sie sind verantwortlich für den Tod von Frau W. Das war Totschlag.“ Es bleibt einer der wenigen Aspekte, bei dem sich die Kammer sicher zu sein scheint. 

Alles andere, so habe es die Beweisaufnahme ergeben, liege bis heute im Dunkeln. Weder Motiv noch genauer Tatablauf am Abend des 27. August 2016 hätten im Detail rekonstruiert werden können. Der Abend, an dem die 80-Jährige zusammen mit ihrer 63 Jahre alten Nachbarin und einem Mann in ihrer Wohnung Wodka trank und scherzte. „Zwei Flaschen mindestens“, sagt Richter Kellermann.

Streit eskalierte 

Sicher ist für das Gericht hingegen, dass es im Laufe des Abends zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen der 80-Jährigen und dem späteren Opfer gekommen ist. Kurz darauf habe die Seniorin „mindestens sechs Mal mit einer Vase auf den Kopf der Geschädigten geschlagen“. Dann folgten vier Stiche, einer davon traf die Zunge, um 19.28 Uhr stellten Ärzte den Tod der Frau fest. Verteidiger Marc Waisbuch, der einen Freispruch für seine Mandantin beantragt hatte, geht von Notwehr aus. Die Kammer verneint das: „Das ganze Tatbild spricht dafür, dass die Angeklagte die Hauptaggressorin waren.“

Die Angeklagte hat sich nicht zum Geschehen geäußert. Dennoch ist das Gericht der Überzeugung, sie wisse, was passiert sei. Die Angeklagte zeigt während der Urteilverkündung keine sichtliche Regung. 

Wenige Minuten vorher hat sie lächelnd den Saal 218 des Landgerichts betreten und Zuschauer mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßt. Nun starrt sie an die Decke, mal schweift ihr Blick zum Staatsanwalt, der für die Frau achteinhalb Jahre gefordert hatte. Nur wenn ihr Name fällt, schaut sie kurz zum Vorsitzenden.

Angeklagte zeigt sich kühl 

Es passt ins Bild, dass das Gericht im Laufe des seit Februar andauernden Prozesses von der Frau gewinnen konnte – und was von Aussagen eines psychiatrischen Gutachters bestätigt wurde. „Abgehärtet von ihrer gesamten Lebensgeschichte“ sei die Angeklagte gewesen, so Kellermann. Am Tattag soll sie zu einem Polizisten gesagt haben: „Was soll das Ganze hier? Bringt die Frau doch einfach unter die Erde.“

Am Mittwoch sagt die Frau bei ihrem „Letzten Wort“: „Ich will, dass das hier aufhört.“ Für die Angehörigen des Opfers ist der Fall hingegen immer noch „ein dunkler Kasten des Unwissens“, sagt Kellermann.

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