75.000 Hausbesuche, 797 Beschwerden

Gasumstellung in Bremen: Wesernetz zieht Zwischenbilanz

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Johannes Himmel, Projektleiter für die Umstellung

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es ist ein Mammutprojekt – und Bremen ist die erste Großstadt, die sich an dieses Projekt wagt. Gemeint ist die Gasumstellung, das größte Projekt in der Geschichte der bremischen Energieversorgung. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird es 70 Millionen Euro kosten, sagt Friedhelm Behrens, Sprecher des Projekts. Bei Wesernetz, Tochter des Versorgers SWB (früher: Stadtwerke) ist am Donnerstag nach einem Jahr Gasumstellung eine erste Zwischenbilanz gezogen worden.

Friedhelm Behrens, Sprecher des Projekts

Danach hat es seit August vorigen Jahres 75.000 Hausbesuche gegeben. Gut 450.000 Haushalte werden es am Ende insgesamt sein. „Die Kunden machen in der überwiegenden Zahl sehr gut mit“, so Behrens. 797 Beschwerden hat Wesernetz bislang bekommen. Zudem wurden 3260 Gasverbrauchsgeräte mit Mängeln entdeckt.

Gucken, ob die Heizung umgerüstet werden kann, umrüsten, umstellen – das ist (im Groben) der Ablauf. Bisher kochten und heizten alle Erdgaskunden im Versorgungsgebiet von Wesernetz mit L-Gas (Low-Caloric-Gas) aus den Niederlanden sowie Nordwestdeutschland. Holland beklagt bereits Einbrüche im Untergrund. So hat die Politik beschlossen, die Erdgasförderung stark zu drosseln und den Verkauf ins Ausland zu stoppen. In Deutschland wird deshalb auf das energiereichere H-Gas (High-Caloric-Gas) aus Norwegen und Russland umgestellt. Es hat einen höheren Brennwert, weshalb die Gasverbrauchsgeräte umgerüstet werden müssen.

In Mahndorf ging es los – inzwischen haben sich die Erfassungs-Teams bis Findorff, in die Neustadt und nach Obervieland vorgearbeitet. Die ersten Geräte sind im Juni umgerüstet worden – 9200 sind es bislang insgesamt. Und die Kollegen aus anderen Städten schauen den Wesernetz-Leuten genau zu. Sie wollen von den Erfahrungen der Bremer Umstellungs-Pioniere profitieren. Und da gibt es etliche. So waren die Fachleute anfangs von 16.500 verschiedenen Gasverbrauchsgerätetypen ausgegangen. Inzwischen weiß man, dass es 20.000 sind.

Bei den bisher geprüften Geräten zeigte sich, dass 1073 Heizungen nicht anpassbar sind – ein Anteil von 1,7 Prozent. Die in der Regel um die 30 Jahre alten Geräte müssen ausgetauscht werden. Zu Beschwerden ist es – wie erwartet – verstärkt gekommen, seit Geräte tatsächlich umgerüstet werden. 60 Monteure sind im Einsatz. Trotzdem kommt es zu Terminproblemen und fehlerhaften Messungen. Zudem hätten Hersteller Probleme bei Teilelieferungen gehabt, sagt Projektleiter Johannes Himmel. Inzwischen habe man in allen Bereichen nachgebessert, Abläufe verändert, Abstimmungsprozesse verbessert. Hotline- und Backoffice-Teams wurden aufgestockt. „Es waren Beschwerden dabei, wo wir wirklich sagen müssen, das ist nicht gut gelaufen.“

Es gibt auch Extremfälle. Einmal sei mit einer Waffe gedroht worden, die Polizei musste kommen, berichtet Behrens. Monteure weigerten sich auch schon mal, in Messie-Wohnungen zu gehen. Die Wesernetz-Leute rechnen zudem mit weiteren Schwierigkeiten. „Die Problemstadtteile kommen noch“, sagt Behrens und verweist auf Sprachbarrieren. Und: „In der Grohner Düne wissen wir gar nicht, was uns erwartet. Bei den Monteuren heißt es, das ist was für die ganz harten Jungs.“

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