50-Jähriger wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt / Mutter erstickt

Anmaßende Tat

Der Angeklagte und sein Verteidiger erwarten die Urteilsverkündung.
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Der Angeklagte und sein Verteidiger erwarten die Urteilsverkündung.

Bremen - Von Nina Seegers. Zu sieben Jahren Gefängnis haben gestern die Richter der Strafkammer 22  einen 50-jährigen Mann verurteilt, der im Februar seine 82 Jahre alte Mutter in ihrem Bett gewürgt und dann erstickt hat. Die Kammer verurteilte den Täter aber nicht, wie angeklagt, wegen Mordes, sondern wegen Totschlags.

Seit Ende Juli musste sich der Mann vor dem Landgericht verantworten und hatte gleich am ersten Verhandlungstag ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Dabei hatte er betont, sich weder als „Mörder“ noch als „Krimineller“ zu sehen, vielmehr habe er dem „Leiden“ seiner pflegebedürftigen Mutter ein Ende gesetzt und sie „erlöst“. Die Kammer sieht das aber – wie der Vorsitzende Richter, Helmut Kellermann, in seiner Urteilsbegründung gestern deutlich zum Ausdruck brachte – ganz anders. „Sie lügen sich echt was in die Tasche!“, wandte sich der Vorsitzende an den Angeklagten. Er habe seine Tat „rationalisiert“, weil er laut einem psychologischen Gutachten an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung leide.

Was am Tattag, am Morgen des 12. Februar gegen 6.30 Uhr geschehen sei, habe „nichts Erlösendes“ gehabt, so Kellermann weiter. Als „anmaßend“ bezeichnete er den Gedankengang des Angeklagten, zu glauben, „Herr über Leben und Tod“ zu sein – zumal die 82-jährige Mutter nie den Wunsch zu sterben geäußert habe. Seine Mutter sei zwar pflegebedürftig gewesen, habe am Rollator laufen müssen und unter einer starken Sehbehinderung gelitten, aber „für ihre 82 Jahre ging es ihr relativ gut“, betonte Kellermann.

Nicht nur die schizoide Persönlichkeitsstörung führte nach Auffassung der Kammer zu der Tat. So habe der Angeklagte eine „symbiotische Beziehung“ zur Mutter gehabt und deshalb geglaubt, er kenne sie so gut, dass er für sie entscheiden könne. Darüber hinaus sei er über sein eigenes Leben gefrustet und mit der Pflege der Mutter überfordert gewesen. Hinzu käme, dass er vor der Tat 30 Stunden nicht geschlafen habe und stark alkoholisiert gewesen sei, als er seine Mutter, kurz nachdem sie aufgewacht war, in ihrem Bett erstickte. Laut einer späteren Messung muss der 50-Jährige zum Tatzeitpunkt einen Alkoholgehalt zwischen 2,6 und 3,1 Promille gehabt haben, sagte Kellermann in der Urteilsbegründung. Er betonte wiederholt, dass es mehrere Varianten gegeben hätte und widersprach damit dem Angeklagten, der in seiner Aussage zuvor gesagt hatte, er habe keine andere Lösung gesehen als seine Mutter zu töten.

Der Staatsanwalt war im Laufe des vierwöchigen Verfahrens von dem Mordvorwurf in der Anklage abgerückt und hatte zu Anfang der Woche in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen Totschlags beantragt. Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf eine zweijährige Haftstrafe plädiert, ausgesetzt zur Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Mit der Last, Ihre Mutter getötet zu haben, werden Sie leben müssen“, sagte der Vorsitzende.

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