Wegen schweren Raubs vor Gericht

Schwerer Raub: Angeklagter mit Erinnerungslücken

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Der 36-Jährige (links) räumte zwei von insgesamt fünf ihm zur Last gelegten Taten vor Gericht ein. Beim Raub des Transporters habe er unter dem Einfluss von Kokain gestanden, bei einem Wohnungseibruch sei er „besoffen“ gewesen, hieß es in einer Erklärung, die sein Anwalt Thomas Domanski verlas.

Bremen - Von Steffen Koller. Schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Wohnungseinbruchdiebstahl, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis: Die Liste der Anklagepunkte ist lang, deretwegen sich seit Donnerstag ein 36-jähriger vor dem Landgericht verantworten muss. Neben zwei Wohnungseinbrüchen legt die Staatsanwaltschaft dem Türken zur Last, einen Zigarettentransporter gestohlen und dabei eine filmreife Flucht hingelegt zu haben. Nur mit viel Glück kam der Fahrer des Wagens glimpflich davon.

Dreimal klopft der 67-Jährige auf den Zeugentisch, als könne er gut ein halbes Jahr nach der Tat sein Glück kaum fassen. „Es hätte viel schlimmer ausgehen können“, sagt er und schnauft dann kräftig durch. Und tatsächlich: Es grenzt an ein kleines Wunder, dass der Zeuge und damalige Fahrer eines Zigarettentransporters heute noch lebt und keine bleibenden Schäden davon getragen hat.

Es war der 31. Juli vergangenen Jahres, als der Mann seinen Arbeitstag begann. In Höhe des Doventorsteinwegs war der 67-Jährige gerade dabei, einen Zigarettenautomaten zu befüllen, als wenige Augenblicke später der Angeklagte in den Wagen gestiegen sein soll, den Motor startete und das Auto stahl. Im Glauben, den Täter bei seinem Vorhaben stoppen zu können, klammerte sich der 67-Jährige an die Motorhaube, schrie auf den Täter ein, er solle endlich anhalten. Doch ohne Erfolg. Statt zu stoppen, beschleunigte der Angeklagte den Transporter auf 50 Kilometer pro Stunde, die Füße des Mannes wurden über den Boden geschleift, dann versagten ihm die Kräfte. Er wurde über den Asphalt geschleudert, zog sich eine Platzwunde am Kopf und mehrere Prellungen an Schulter und Knien zu.

Der Angeklagte, der die Tat zu Prozessauftakt einräumt, kurvte mit Tabak und Bargeld in Höhe von rund 44.000 Euro bis zum Unisee. Dort stoppten ihn Polizisten. In einer Erklärung, die vor Gericht verlesen wird, sagt der Angeklagte, er könne sich nicht an die Tat erinnern.

Im Überseecontainer gelebt

Sechs Tage später sei er dann aus dem Gefängnis gekommen, habe Arbeitslosengeld erhalten, dann Kokain gekauft und den Rest an Spielautomaten verspielt, erzählt der Angeklagte.

Zum Tatzeitpunkt habe er in einem verlassenen Überseecontainer gelebt. Er habe kein Geld gehabt, mit seiner Frau habe es „eine kleine Auseinandersetzung“ gegeben, weshalb er dort nicht schlafen durfte. Kurz vor dem Überfall auf den Transporter sei er zudem durch die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) gefallen, nachdem er 2008 seinen Führerschein wegen Betäubungsmittelmissbrauchs abgeben musste. Er brauche „unbedingt Hilfe“, sagt er, und fügt hinzu, wenn man in einem Container lebe, habe man keine Perspektive.

Dem 36-Jährigen werden auch zwei Einbrüche in Wohnhäuser, der Diebstahl eines Autos und eines Zigarettenautomaten zur Last gelegt. Einen Wohnungseinbruch gesteht der Mann. Zu allen anderen Vorwürfen wolle sich sein Mandant nicht äußern, sagt Anwalt Thomas Domanski.

Drei weitere Verhandlungstage sind bis Anfang Februar angesetzt. Dann soll auch das Urteil verkündet werden.

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