29-Jähriger muss in die Psychiatrie

Urteil im Prozess um Messerstiche im Rhododendronpark

Der 29-jährige Angeklagte war im Oktober 2016 wahllos auf Passanten losgegangen, verletzte dabei eine Frau lebensgefährlich. Am Freitag hast das Landgericht seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Links neben ihm seine Verteidigerin Barbara Kopp. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Freitag für einen 29-Jährigen die unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Der Mann, bei dem die Kammer eine „erheblich verminderte Schuldfähigkeit“ feststellte, war angeklagt, Ende Oktober vergangenen Jahres im Rhododendronpark in Horn mehrere Menschen unter anderem mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Eine Frau schwebte nach der Attacke in Lebensgefahr.

Mit dem Urteil schloss sich die Strafkammer 21 unter Vorsitz von Richterin Barbara Lätzel den Anträgen sowohl der Staatsanwaltschaft, der Nebenklagevertretern als auch der Verteidigung des Mannes an, die ebenfalls auf eine Unterbringung plädiert hatten.

Wahlloses Wüten im Oktober 2016

Der heute 29-Jährige hatte am 25. Oktober 2016 mit einem Garniermesser bewaffnet auf mehrere Menschen eingestochen, andere – darunter einen zweijährigen Jungen – trat und schlug der Mann, der während der Beweisaufnahme alle Taten einräumte. Da der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts an einer „ausgeprägten paranoiden Schizophrenie“ leide und „keine Einsicht für die Tat und seine Schuld“ vorhanden gewesen sei, wurde die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet.

Einer Frau rammte der Mann das zuvor gestohlene Garniermesser in den Rücken, einer anderen Frau fügte er eine lange Schnittwunde im Gesicht zu. Scheinbar wahllos ging der 29-Jährige auf insgesamt sieben Passanten los, verletzte sie an Händen und Armen, als diese sich gegen die Angriffe zur Wehr setzten.

Vor neun Jahren erstmals Anzeichen einer psychischen Erkrankung gezeigt

Die Attacke löste einen Großeinsatz der Bremer Polizei aus, Beamte des Mobilen und des Sondereinsatzkommandos (MEK und SEK) nahmen den Mann schließlich fest. Er sei nun froh, dass er behandelt werde, sagte er am Freitag.

Beim Angeklagten zeigten sich laut Richterin Lätzel bereits seit seinem 20. Lebensjahr erste Anzeichen für eine psychische Erkrankung. 2013 hatte der Mann schon einmal eine Frau angegriffen. Da es sich dabei aber „nur“ um eine „einfache Körperverletzung“ gehandelt hätte, so Lätzel, sei „keine Einflussnahme von staatlicher Seite“ – sprich die Einweisung in eine forensische Klinik – möglich gewesen. Als Auslöser für die Attacken komme die Nichteinnahme seiner Medikamente infrage, so das Gericht.

Da die Wahrscheinlichkeit für weitere Straftaten laut psychiatrischem Gutachten „sehr hoch“ einzustufen sei, wurde die Unterbringung auf unbestimmte Zeit festgelegt, begründete die Richterin, die zum Angeklagten abschließend sagte: „Sie sind aktuell auf einem guten Weg. Nun ist es entscheidend, wie Sie mitarbeiten.“

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