Sanierung des Pumpwerks Horn kostet neun Millionen Euro / Auffangbecken für Starkregen

2 500 Liter Wasser pro Sekunde

Die Schwallspülung reinigt die Überlaufbecken: 40 Kubikmeter Wasser rauschen aus einem von drei Spülkippsystemen auf den Betonboden. Foto: KOWALEWSKI

Bremen - Von Martin Kowalewski. Sie sind kurz abgeschaltet, damit es nicht so laut ist. Ingenieur Andreas Bräutigam (56) vom Bremer Abwasserbetrieb Hansewasser ist von vier Pumpen umgeben, jeweils 200 Kilowatt stark. 50 und 70 Zentimeter dicke Metallrohre ragen in die Höhe. Nach zwei Jahren sind umfangreiche Sanierungsarbeiten am und um das Pumpwerk Horn abgeschlossen.

Das Abwasser aus Horn, Horn-Lehe, der Vahr sowie Teilen von Sebaldsbrück wird hier von zwei Pumpen einige Meter emporgehoben und fließt dann, angetrieben durch den gewonnenen Höhenunterschied, einige Kilometer weiter bis zum Pumpwerk Findorff und schließlich zur Kläranlage in Seehausen. Die Kanäle bräuchten ein Gefälle von mindestens drei Promille, sagt Raimund Meyer (64), Leiter des Bereichs Stadtentwässerung beim Umweltbetrieb Bremen. Die maximale Förderleistung liegt bei 2 500 Litern pro Sekunde.

Die Rohre an zwei weiteren Pumpen führen zu zwei großen Überlaufbecken. Bis zu acht Millionen Liter Wasser können hier bei Starkregenereignissen zwischengespeichert und mechanisch vorgeklärt werden. Ein erster Satz Pumpen wurde hier in den 50ern installiert, ein zweiter 1978. Nun ist eine neue, weitaus modernere Generation von Pumpen für die enormen Wassermassen zuständig.

Auch die beiden Becken wurden erneuert. Die Vorgängerbecken von 1969 wiesen noch Höcker zur Reinigung des Wassers auf. Das ist heute nicht mehr angebracht. „Es sind zu viele Feuchttücher im Abwasser“, sagt Bräutigam. Die würden sich festsetzen. Der Boden der neuen Becken ist glatt. Wenn die Becken leergelaufen sind, schaltet die Steuerung der Anlage auf Reinigung durch einen kräftigen Wasserstoß von 40 Kubikmetern, genannt Schwallspülung. Jedes der beiden Becken hat drei Spülkippsysteme, deren Funktion einer ganz normalen Toilette ähnelt. Wasser aus der Anlage wird in Behälter geleitet. „Wenn die voll sind, kippen sie nach hinten weg“, sagt Bräutigam. Das Wasser saust hinab ins Becken. Bräutigam geht davon aus, dass die erneuerten Überlaufbecken 80 Jahre halten. Die Kosten für die Sanierungsarbeiten an Pumpwerk und Becken beliefen sich laut Hansewasser auf fünf Millionen Euro.

Weitere vier Millionen Euro wurden in die Sanierung des Zulaufs zum Pumpwerk sowie der davon wegführenden Druckrohrleitungen gesteckt. Der 480 Meter lange Zulauf wurde 2018 für ein halbes Jahr trockengelegt und die Wassermassen durch oberirdische Rohre umgeleitet. Nach Ausbesserungsarbeiten wurde ein sogenannter Inliner innen als neue Kanalverkleidung angebracht. „Das ist ein harzgetränkter Schlauch, der mit heißem Wasser ausgehärtet wird“, sagt Projektleiter Frank Blanke (55).

Anders war das Vorgehen bei den vom Pumpwerk wegführenden Druckleitungen. Die wurden von Baugruben aus erneuert. „Man schiebt eine Stange in die Leitungen rein und zieht sie durch“, sagt Ingenieur Klaus Budzin (52), der die Bauaufsicht innehatte. Am Ende der Leitung werde ein Aufweitungskopf an der Stange befestigt und die Stange zurückgezogen. „Die alte Leitung aus Asbest-Zement wurde aufgebrochen und die neue Leitung am Aufweitungskopf eingezogen.“ Auch für die umliegende Natur wurde einiges gemacht. „Wir haben uns Mühe gegeben, eine passende Umwelt für Bienen und Insekten zu schaffen“, sagt Jörg Broll-Bickhardt (61), Geschäftsführer bei Hansewasser.

Für den Stadtteil hatten die Arbeiten außerhalb des Pumpwerkgeländes einen angenehmen Nebeneffekt. Eine Baustraße neben der Achterstraße wurde gebraucht. Diese ist jetzt ein Fuß- und Radweg. Ein solcher Weg war vor Ort schon lange geplant. „Für den Stadtteil wurde es so billiger“, sagt Ortsamtsleiterin Inga Köstner.

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