Zwei Jahre und neun Monate Gefängnis

Motorradfahrer in Bremen zu Haftstrafe verurteilt

+
Der 24-Jährige Motorradfahrer wurde am Dienstag verurteilt.

Bremen - Von Steffen Koller. Kein Mord, kein Totschlag: Das Landgericht Bremen hat am Dienstag einen 24-jährigen Motorradfahrer wegen fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Damit blieb die Kammer deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die mehr als sieben Jahre wegen Totschlags gefordert hatte. Zudem darf der Student nicht vor Ablauf von vier Jahren einen neuen Führerschein machen.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Seifert sah es als erwiesen an, dass der junge Mann im Juni 2016 mit zu hoher Geschwindigkeit einen 75-Jährigen an einer Ampelkreuzung in Walle mit seinem Motorrad erfasst und durch die Luft geschleudert hatte. Während „Alpi“, so der Name des 24-Jährigen auf seinem Youtube-Kanal, mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kam, konnten die Ärzte nur noch den Tod des Rentners feststellen

Ein 75 Jahre alter Fußgänger war im Juni 2016 in Bremen tödlich verletzt worden.

„Völlig unklare Angaben“

Lautete die Anklage ursprünglich auf Mord, wurde im Prozessverlauf schnell deutlich, dass sich dieser Vorwurf nur schwer aufrechterhalten ließ. Staatsanwalt Björn Krebs plädierte auf Totschlag und forderte sieben Jahre und zwei Monate Haft sowie eine Sperrfrist zur Wiedererlangung des Führerscheins von fünf Jahren. Anfangs war die Anklagevertretung davon ausgegangen, dass „Alpi“ kurz vor dem tödlichen Unfall ein anderes Auto touchiert hatte und geflohen war. Aus juristischer Sicht hätte der Student so eine Verdeckungstat begangen – ein Mordmerkmal.

Das Gericht folgte dieser Ansicht nicht. Der zentrale Zeuge in dieser Frage habe „völlig unklare Angaben“ gemacht. Wahrscheinlicher sei, dass der Zeuge seine Versicherung habe betrügen wollen. Auch das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe – der Suche nach dem Kick beim Rasen – habe sich in der Beweisaufnahme nicht feststellen lassen, ergänzte Seifert. Ein psychologischer Gutachter bescheinigte dem 24-Jährigen vielmehr „ein unterdurchschnittliches Bedürfnis nach Stimulation“.

Was hingegen für die Kammer außer Frage stand, war die zu hohe Geschwindigkeit des Mannes, der laut Sachverständigen mit bis zu 68 km/h auf sein Opfer prallte. Dennoch sei „zu schnelles Fahren nicht grundsätzlich Ausdruck von Gewaltbereitschaft gegenüber anderen“ begründete Seifert und sah so auch keinen bedingten Tötungsvorsatz, also das billigende Inkaufnehmen des Tods eines anderen – Voraussetzung für eine Verurteilung wegen Totschlags.

 Außerdem habe das Opfer eine Mitschuld getragen – der Mann war bei „Rot“ über die Straße gelaufen und hatte mehr als ein Promille Alkohol im Blut. Im Prozess habe der Angeklagte, der „die Verantwortung für den Tod eines Menschen nie loswerden wird“, auch „tiefe Reue“ gezeigt. Vor allem die auf Youtube hochgeladenen Filme des 24-Jährigen, der für seine 200-PS-Kawasaki keinen Führerschein besaß, waren im Verfahren von großer Bedeutung. Laut Verteidiger Armin von Döllen hätten die „zu Recht für Empörung gesorgt“, seien aber nicht repräsentativ. Aus den Videos einen Vorsatz abzuleiten, sei „nahezu bösartig“. „Er ist kein empathieloses Monster“, sagte von Döllen, der eine Bewährungsstrafe beantragte.

Kurz vor der Urteilsverkündung wandte sich der 24-Jährige an die Angehörigen des Opfers: „Ich habe Herrn S. nur eine Sekunde gesehen, dennoch ist er kein gesichtsloser Mensch für mich. Ich werde ihn nie vergessen.“

Der Haftbefehl gegen den jungen Mann wurde noch im Gerichtssaal außer Vollzug gesetzt. Bis zum Haftantritt bleibt er auf freiem Fuß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob sie Revision einlegen, ließen die Verfahrensbeteiligten offen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die Trends bei der Weihnachtsdekoration

Die Trends bei der Weihnachtsdekoration

Wie werde ich Fahrzeugbaumechaniker/in?

Wie werde ich Fahrzeugbaumechaniker/in?

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Meistgelesene Artikel

Ein Abend voll großer Musik: „A-ha“ spielt vor 10.000 Zuschauern in der Stadthalle

Ein Abend voll großer Musik: „A-ha“ spielt vor 10.000 Zuschauern in der Stadthalle

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Bund will „Seute Deern“ retten - Sanierung dauert wohl sieben Jahre

Bund will „Seute Deern“ retten - Sanierung dauert wohl sieben Jahre

Prozess um Bremer Pfleger: Ex-Kollege berichtet und zeigt sich „schockiert“

Prozess um Bremer Pfleger: Ex-Kollege berichtet und zeigt sich „schockiert“

Kommentare