Junge Frau sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Komplott oder Vergewaltigung?

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Dem Angeklagten werden im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. Rechts sein Verteidiger Philip Martel.

Bremen - Von Steffen Koller. Hat Severin I. (22) im August 2014 eine heute 18-jährige Frau vergewaltigt oder ist er Opfer eines Komplotts geworden? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit gestern das Landgericht Bremen. Der Angeklagte spricht von einem gewöhnlichen Date ohne sexuelle Handlungen.

Es sollte alles so schön werden. Severin I. lernt über einen Chat die heute 18-Jährige kennen, drei Wochen hätten sie sich gegenseitig Nachrichten geschickt, dann zu einem Treffen verabredet, sagt er gestern vor Gericht. Er holt sie von der Arbeit ab, sie reden, er kocht für sie. Dann besuchen sie gemeinsam Nachbarn im Untergeschoss seiner Wohnung in Bremen-Nord – „ein bisschen mit den Jungs schnacken und einen kiffen“, so der 22-Jährige.

Das Mädchen sei müde gewesen, er bringt es in seine Wohnung und verlässt diese wieder, geht in den Keller, kifft weiter, erzählte er. Spät am Abend habe er die Jugendliche schlafend auf der Couch angetroffen, er sei in sein Bett. Am nächsten Morgen macht er Frühstück, es folgt eine Umarmung und sie verlässt die Wohnung. So schilderte I. das Geschehen. Die Staatsanwaltschaft spricht von Vergewaltigung. I. habe der jungen Frau am Abend des 12. August 2014 zunächst an die Brust gefasst. Als sie sich daraufhin wehrt, zieht er an ihren Haaren. Sie versucht zu entkommen, dann zieht er sie aus und vergewaltigt sie, heißt es in der Anklage. „Das klingt schon ein bisschen komisch“, kommentierte die Vorsitzende Richterin Stefanie Wulff die unterschiedlichen Aussagen. I. sagte dazu: „Es war eigentlich alles in Ordnung.“

Doch woher diese große Diskrepanz zwischen Anklageschrift und der Aussage des Angeklagten? I. vermutet ein Komplott, wie er vor Gericht zu Protokoll gibt. Er könne sich gut vorstellen, dass seine Ex-Freundin dahinterstecke. „Unsere Beziehung war nicht ganz reibungslos“, sagte er und deutete an, dass das mutmaßliche Opfer und seine damalige Freundin „unter einer Decke“ stecken könnten. Beweisen kann er dies nicht, doch Richterin Wulff wollte es genauer wissen. „Ich war kontrollwahnerisch“, gab sich der Angeklagte kryptisch. Mehr sagte er dazu nicht. Komisch sei ihm vor allem vorgekommen, dass die 18-Jährige eine Stunde nach der Verabschiedung am Morgen „böse Nachrichten“ an ihn geschickt habe. „Sie beleidigte mich. Sie sagte, ich sei ein Arschloch und dass sie mich nie wieder sehen wolle.“ Warum, wenn doch alles in Ordnung gewesen sei, wollte die Vorsitzende wissen? I. hatte dafür keine Erklärung, es sei ja ein „netter Abend“ gewesen. Außerdem hätte er sich mit der 18-Jährigen „durchaus eine ernsthafte und längere Beziehung vorstellen können“.

Die Aussage des mutmaßlichen Opfers erfolgte gestern zum Schutz der Frau unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung mindestens ein Jahr Haft. Der Prozess wird Mitte November fortgesetzt, ein Urteil wird für Mitte Dezember erwartet.

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