19-Jähriger stirbt nach Messerstichen beim Public Viewing / Randale in Vegesack

Tod mitten im Jubel

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Ermittler am Einsatzort: Beim Public Viewing im Cinemaxx ist in der Nacht ein 19-Jähriger erstochen worden.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Ganz Deutschland feiert erst das wunderbare Tor von Super-Mario (Götze) und dann den vierten Fußballweltmeister-Titel für Deutschland. Während auch Bremen in Schwarz-Rot-Gold jubelt, stirbt beim Public Viewing im Cinemaxx ein 19-Jähriger. Die Polizei nimmt einen 22-jährigen Verdächtigen fest. Die Mordkommission ermittelt. Und in Vegsack wird eine friedliche WM-Feier durch „aggressiven Mob“, so die Polizei, gestört.

Es ist 23.30 Uhr, also etwa die Zeit, als Götze Deutschland in Rio den vierten Stern beschert. Kurz zuvor ist in einem Saal des Kinos aufgrund eines technischen Defektes die Fußballübertragung ausgefallen. Zuschauer geraten in Streit. Ein 22-Jähriger, so schildert es eine Polizeisprecherin, zieht ein Messer und sticht auf den 19-Jährigen ein. Der junge Mann erleidet lebensgefährliche Verletzungen und stirbt im Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter wird gefasst. Er ist, so die Sprecherin, schwer verletzt. Warum nur nimmt jemand zum Fußballgucken ein Messer mit? Das wird später nur der 22-Jährige beantworten können, der ebenso wie das Opfer Migrationshintergrund hat. Das Messer wird beschlagnahmt. Zurück bleiben geschockte Zuschauer.

Für die Polizei, die den Angaben nach alles andere als einen netten Fußballabend erlebte, sondern rund um die Uhr alle Hände voll zu tun hatte, begann noch in der Nacht die Ermittlungsarbeit. Zahlreiche Zeugen müssen gehört werden, um die Hintergründe aufklären zu können.

Auch in Vegesack wurde die ausgelassene und friedliche WM-Feier jäh gestört. Die Rede ist von 30 bis 40 gewalttätigen Randalierern mit Migrationshintergrund. Zwei Personen wurden verletzt, zwei Streifenwagen und eine Gaststätte beschädigt. „Es bildeten sich Autokorsos. Die Stimmung war friedlich und ausgelassen, hielt sich aber in geregelten Bahnen“, sagte eine weitere Polizeisprecherin. Plötzlich lief eine größere Gruppe junger Männer auf einen Streifenwagen zu. Die Beifahrertür wurde aufgerissen, die Randalierer traten und schlugen gegen den Wagen. Die Heckscheibe ging zu Bruch. Der Besatzung gelang es, weiteren Angriffen der wütenden Gruppe zu entkommen, so die Sprecherin. Ein weiterer Streifenwagen wurde ebenfalls von einer großen Gruppe umringt. Offenbar, so die Sprecherin, sollte das Fahrzeug – mitsamt der Beamten – umgekippt werden.

Die Polizisten konnten im demolierten Auto entkommen. Außerdem soll der Mob arglose Passanten mit Tritten und Faustschlägen zum Teil massiv attackiert haben. Viele der Angegriffenen flüchteten den Angaben zufolge in ein Lokal, verbarrikadierten die Tür. Die Gaststätte wurde mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen und erheblich beschädigt. Erst mit Unterstützung von Kräften aus der Innenstadt (die selbst jede Menge zu tun hatten) konnte die Polizei die Lage klären, heißt es. Sowohl für die Messerstiche im Kino als auch die Randale in Vegesack sucht die Polizei weitere Zeugen unter 0421/362-3888.

Im Vergleich dazu waren die Scharmützel in der Vahr, wo um die 6000 Menschen am Rudelgucken auf der Rennbahn teilnahmen, klein. Einige Busse wurden beschädigt, für den Unternehmer allerdings sehr ärgerlich.

Und ja, es gab auch Menschen, die einfach nur fröhlich feierten – und das, obwohl Tausende bei dem Starkregen klatschnass geworden waren. „Die Maximalwerte der Regenschreiber zeigten im Stadtgebiet bis zu 15 Liter pro Quadratmeter an – in 15 Minuten. Das entspricht einem Viertel der Regenmenge eines durchschnittlichen Monats“, sagte ein Sprecher von Hansewasser. Die Feuerwehr musste 50-mal ausrücken, vor allem wegen vollgelaufener Keller.

Das störte die Fans wenig. Rund ums Viertel und um die Discomeile feierten die Menschen in Schwarz-Rot-Gold auf abgesperrten Straßen ausgelassen den Sieg von Jogis „Jungs“. Die Autokorsos wurden zum Teil aus dem Bereich herausgehalten. Junge Männer mit nacktem Oberkörper hielten große Deutschland-Fahnen aus Autofenstern. Auch vier junge verschleierte Frauen, offenbar Muslime, ließen sich jubelnd und winkend in Schwarz-Rot-Gold durch die Stadt kutschieren. Die Fans sangen, tanzten, feierten.

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