Christian Wulff prominenter Gast bei der Schaffermahlzeit

Bremen (lni). Wenn Christian Wulff an diesem Freitag in seinen Frack schlüpft, reiht er sich kurze Zeit später in eine lange Liste prominenter Gäste ein. Bundespräsidenten, Regierungschefs, Ministern und Managern wurde bereits die selbe Ehre zuteil wie dem niedersächsischen Landesvater. Als dritter Ministerpräsident nach Ernst Albrecht und Sigmar Gabriel ist der CDU-Politiker aus Hannover Ehrengast im historischen Rathaus in Bremen bei der 466. traditionellen Schaffermahlzeit.

Bei dem fünfstündigen Festmahl von 300 Männern mit sechs Gängen muss sich Wulff elf Reden anhören und eine selber halten, nach strengem Protokoll minutiös durchgeplant und seit Jahrhunderten fast unumstößlich. „Das ist eine ganz große Ehre, bei diesem traditionsreichsten Aushängeschild unseres Nachbarn Bremen als Redner in Nachfolge zu Bundespräsident Horst Köhler eingeladen zu sein“, sagt Wulff. Ob er sich einen Frack leihen muss, will er nicht verraten. „Der Gentleman schweigt, aber Niedersachsen werden mit unterschiedlichsten Herausforderungen auf ihre Art fertig.“

Auf das opulente Mal mit ungewöhnlicher Zusammensetzung freut sich der Spitzenpolitiker. „Ich esse gern und probiere gern Neues aus. Ich trinke ohnehin in Maßen und bin ein fröhlicher Mensch. Das sind beste Voraussetzungen, zu genießen.“

Rückblick: Die Schaffermahlzeit und ihre Gäste

Die Schaffermahlzeit wird traditionell in der prunkvollen oberen Rathaushalle eingenommen. © dpa
1957: Bremens Senatspräsident Wilhelm Kaisen (links), der baden-württembergische Ministerpräsident Gebhard Müller (Mitte) und Bundesaußenminister Heinrich von Brentano beim Kanasterrauchen aus langen Tonpfeifen. © dpa
1999: Zu Beginn der Schaffermahlzeit stellen sich der Ehrengast der Veranstaltung, Bundespräsident Roman Herzog (links), der verwaltende Vorsteher des Hauses Seefahrt, Christel Vinnen (Mitte), und Bremens Regierungschef Henning Scherf (SPD) vor. © dpa
2002 begrüßt Bremens Regierungschef Henning Scherf (rechts) den niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel. © dpa
2003: Blick auf die Tischer, die in Form von Neptuns Dreizack aufgestellt sind. © dpa
2003: Bislang durften nur zwei Frauen an der Schaffermahlzeit teilnehmen. Ganz ausgeschlossen sind die Gattinnen der Gäste jedoch nicht: Sie verfolgen das Mahl vom Balkon der oberen Rathaushalle aus. © dpa
Kapitän Barbara Massing ist 2004 die erste Frau, die an der Schaffermahlzeit teilnehmen darf. © dpa
2004 ist Bundespräsident Johannes Rau (links) Ehrengast. Gast ist auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (Mitte). Bremens Regierungschef Henning Scherf (rechts) begrüßt beide. © dpa
2005: Bremens Regierungschef Henning Scherf (links) stellt den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt als Ehrengast der 461. Schaffermahlzeit vor. © dpa
2006: Ein Kellner serviert den Gästen in der oberen Rathaushalle. © dpa
2006: Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (Mitte) mit dem geladenen Ehrengast, EU-Kommissar Günter Verheugen (links) und dem verwaltenden Vorsteher des Hauses Seefahrt, Michael Bömer. © dpa
2007: Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt sich zwischen den breiden Bremer Bürgermeistern Jens Böhrnsen (links) und Thomas Röwekamp ins Goldene Buch der Stadt ein. © dpa
2007: Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (rechts) begrüßt Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass. © dpa
2007 war Angela Merkel Ehrengast. © dpa
2009: Blick in die obere Rathaushalle. © dpa

Der smarte Landesvater tritt mit seinem Auftritt in der historischen oberen Rathaushalle in große Fußstapfen. Köhler wie auch sein Vorgänger Theodor Heuss waren zweimal bei dem gesellschaftlichen Großereignis für einen guten Zweck in Bremen - eine Ausnahme gegen das Reglement, denn jeder Gast darf eigentlich nur einmal kommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war 2007 der zweite weibliche Gast. Frauen sind von der Männerrunde normalerweise ausgeschlossen.

An der festlichen Tafel in Form des Dreizacks des römischen Meeresgottes Neptun werden edle Weine oder das eigens gebraute Schafferbier, das nach flüssigem Malzbonbon schmeckt, serviert. Braunkohl und Pinkel, Stockfisch, Hühnersuppe, Butt oder Sardellen werden den in Frack oder Uniform erscheinenden 100 Kapitänen, 100 Kaufleuten und ihren 100 Gästen in der prunkvollen Halle gereicht.

In diesem Jahr wird wieder keine Frau auf Kosten der drei gewählten Schaffer mit an der Tafel Platz nehmen. Neben Merkel war es bislang nur Barbara Messing als Kapitän 2004 gelungen, das Tabu der Männergesellschaft zu brechen. „Es wurden keine Damenvorschläge eingereicht“, sagt der Verwaltende Vorsteher der Stiftung „Haus Seefahrt“, Michael Schroiff, über die Gästeauswahl für dieses Jahr.

„Der Zeitgeist aller Teilnehmer ist einhellig“. Revolutionen würden in der seit dem 16. Jahrhundert ausgerichteten Schaffermahlzeit dann doch eher langsam von statten gehen. Ein erster Schritt wird dieses Jahr bereits in der so strengen Speisefolge gemacht. Erstmals kommt neben Rahm- und Chesterkäse auch Gouda aufs Tablett.

Zahlen müssen das gesellschaftliche Ereignis die drei Schaffer aus eigener Tasche. „Es ist eine Ehre, die Schaffermahlzeit ausrichten zu dürfen“, sagt der Zweite Schaffer Stephan Ilsemann. Ganz ohne ihre Geldbörse kommen aber auch die Gäste nicht aus. Neben den möglicherweise fälligen Leihgebühren für einen von der Etikette vorgeschrieben Frack für alle, die keine Uniform haben, sollen sie Geld für die Stiftung spenden. Über die Summen wird seit jeher Stillschweigen bewahrt. Das Haus Seefahrt richtet das Festmahl zugunsten bedürftiger Kapitäne im Ruhestand und Kapitänswitwen aus.

Homepage der Schaffermahlzeit

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