Unser Leben im Denkmal

Rodemüller-Hof: Traditionshof von 1837

+
Stolze Eigentümer des ehemaligen Rodemüller-Hofes in Rodemühlen: Gaby Pfeiffer-Burk und Ehemann Dieter Burk leben seit 21 Jahren auf dem Anwesen.

Rodemühlen - von Simone Brauns-Bömermann. Menschen und Gebäude verbanden schon immer Schicksale. Nicht immer im negativen Sinn, sondern häufig als Symbiose, Zweckgemeinschaft, aus Funktionalität und Lebenspool.

In Rodemühlen, einem Ortsteil von Hemsloh bei Rehden im Landkreis Diepholz, bestimmen Sandböden, Kiefernwälder, leichte Hügel und vor allem Ruhe das Bild. Es sind die Höfe, meist noch traditionell mit hell-grau gestrichenem Fachwerk und rot getünchtem Klinker ausgefacht, die auffallen.

Der Rodemüller-Hof von 1837 ist einer der vier ehemals großen Höfe in Rodemühlen und gab dem Ortsteil seinen Namen. Er ist mit der größte Hof in der Gegend und hatte Mahlrecht. Das Zweiständer-Hallenhaus mit dem imposanten Giebel verrät ein wenig vom Alter und der Geschichte des Tradit­ionshofes. „Das Gebälk im Inneren des Hauses ist aber sicher noch viel älter“, schätzen Gaby Pfeiffer-Burk und Dieter Burk, die das Areal heute bewohnen.

Das Ehepaar ließ sich vor 21 Jahren auf das Abenteuer „Altbau(ten) und Denkmal“ ein. Und das umfasst bei dem großen Hof Haupthaus mit Stallungen, Remise, Nebengebäude, Wassermühle mit Scheune und Kornspeicher. „Damals gehörten vier Heuerlingshäuser zum Hof“, weiß Gaby Pfeiffer-Burk aus den Erzählungen ihrer Mutter. Davon existieren heute noch zwei in der unmittelbaren Nähe.

Schwengelpumpe und Sandsteinwaschbottich sind Relikte längst vergangener Zeit der täglichen Hygiene und des Tränkens.

Mit ihrem „Ja“, wir möchten aus Süddeutschland in den Norden ziehen, dort leben, arbeiten und alt werden, wuchsen wieder Kinder auf dem Hof auf. Drei insgesamt. 1993, nach einem 14-tägigen Orientierungsurlaub in der Region, entschloss sich das Paar, das Erbe und die Überlassung mit Nutzung des Hofes zu übernehmen – damit natürlich auch den Aus- und Umbau. Großonkel Fritz und Großtante Magdalene hatten zuvor auf dem riesigen Anwesen gelebt, unverheiratet und kinderlos. Sie vererbten das Areal an die Mutter von Gaby Pfeiffer-Burk. Zwei Personen auf unendlichen Quadratmetern und umgeben von einem Vielfachen an Kubikmetern. „Wir wollten immer in einem alten Haus leben“, bestätigt das Paar auch nach 21 Jahren ständiger Bautätigkeit mit Pausen.

Natürlich stellt der Hof eine riesige idealistische Aufgabe dar. Es gilt, die Gebäude und das Gesamtensemble zu retten, zu sanieren und attraktiv für die Nachfahren zu machen. „Es ist aber auch eine Lebensaufgabe, eine interessante never ending story“, betont das Paar glücklich über das Geschaffene.

Der von den Eltern und der Familie restaurierte Speicher wartet auf die Mutter und Verwandte aus Süddeutschland, im Haupthaus kann die Familie mit neuen Fenstern, Fußbodenheizung und Bädern der Jetztzeit wohnen. Attribute, die eng mit dem Denkmal verbunden sind: Idealismus, Ausdauer, Fleiß, Spannung, Geschichten, Freunde, Freude, Rückschläge, Zufriedenheit. „Mä hänn net uffgebbe“, im Pfälzisch der Hausherrin.

Strenge Vorgaben

Der massive Kornspeicher in Klinkerbauweise mutet nach dem Umbau majestätisch wie eine kleine Kathedrale an.

„Der erste Kontakt mit dem Denkmalamt, nachdem wir in das hintere Wohndrittel des Hallenhauses einzogen, war 1994 in Hannover.“ Die Fachleute kamen raus und stellten die Einzelgebäude und das Ensemble unter Denkmalschutz. Die Behörde war schon streng mit der Auslegung des Denkmalgrundgedankens „so wenig wie nötig an Veränderung, so nah wie möglich am Original“. „Aber wir haben begonnen, Fenster für Fenster, Raum für Raum, Ständer für Ständer, Balken für Balken und Gefach für Gefach in Absprache und Diskussion zu restaurieren“, erklärt Gaby Pfeiffer-Burk, die im Kindergarten Wagenfeld arbeitet.

Ein Glücksfall war das erst in den 50er-Jahren sanierte Pfannendach mit seinen 800 Quadratmetern. Doch da dieses nun schon fertig war, war es kein leichtes Unterfangen, die weiteren Sanierungs-Arbeiten unterhalb dieses Daches durchzuführen. „Dazu gehörte auch das Auswechseln von Fundamenthölzern und die Erstellung von neuen Fundamenten“, erinnert sich die Hausherrin. Teils hing das gesamte Gebälk mit Dach auf Stützen in der Luft – kein leichtes Unterfangen.

Die Familie holte sich Anregungen und Wissen von der Interessengemeinschaft Bauernhaus, besuchte die Tage des offenen Denkmals und lernte durch Abgucken. Heute sind sie quasi „Fachleute“. „Wir haben aber auch 21 Jahre im Baudenkmal umgebaut, gelebt, manchmal gelitten“, erklärt Pfeiffer-Burk.

Handwerker aus der Region

Solch alte Gebäude binden sogar ganze Handwerkerfamilien an sich. Ein Beispiel ist hier der Zimmerei-Betrieb Dietzmann aus Wagenfeld. Der Opa sanierte das Dach in den 50ern. Der Enkel übernahm ab 1994 alle Zimmermannsarbeiten auf dem Hof.

„Wir machten durchweg gute Erfahrungen mit den Handwerkern vor Ort und aus der Region“, betont das Paar. „Unsere drei Kinder haben viel gelernt in den Bauphasen, menschlich, handwerklich, gelernt fürs Leben.“ Noch heute trifft sich die Familie am Wochenende zu Arbeitseinsätzen in der Natur. Zum Hof gehören immer noch Weiden, Felder und Wald sowie die Grünflächen ums Gebäude. „Dort helfen uns die Schafe, Gänse, Laufenten und Hühner.“

Seit geraumer Zeit betreut Heiner Hickmann vom Fachdienst Bauwesen und Denkmalschutz der Denkmalschutzbehörde im Landkreis Diepholz das Hofensemble. „Wir haben einen super Draht. Neulich haben wir von unseren nächsten Projekten berichtet, dann weiß er gleich, welche Anträge auf ihn zukommen.“

Und bei den Bauvolumina geht es im Konsens von Behörde und Bauherrn sowie bei der Finanzierung immer um gute, konstruktive und Erfolg versprechende Absprachen. Nie ums Prinzip, sondern um eine angemessene Abwägung dessen, was möglich und nötig ist.

Der Rodemüller-Hof hatte Glück: Er fand, ihn fanden seine Liebhaber und Bewahrer. Obwohl seine Existenz als land- und forstwirtschaftlich genutzter Hof und Mühle durch viele Strukturwandel im ländlichen Raum bereits verschwunden war.

Wandel im Denkmalschutz

Und auch im Denkmalschutz vollziehen sich dekadische Wandel. „So war eine Solaranlage auf einem der Gebäude vor 15 Jahren undenkbar“, erinnert sich Dieter Burk, „heute kann man darüber sprechen“. Und so baut Familie Burk auf die Inschrift des hinteren, langen Giebelbalkens, wo geschrieben steht: „(...) Wer Gott vertrauet, fest auf ihn bauet, den wird er nie verlassen.“

Mehr zum Thema:

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Räikkönen düpiert Vettel mit Fahrt auf die Pole

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Sommerwetter in Deutschland: Ansturm auf Freibäder und Seen

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem sicheren Tod retten

Meistgelesene Artikel

In Italien können Sie Burgherr werden - unter dieser Bedingung

In Italien können Sie Burgherr werden - unter dieser Bedingung

Mit diesem einfachen Trick werden Sie Wespen los

Mit diesem einfachen Trick werden Sie Wespen los

Mit diesen Tipps vermeiden Sie Müll-Gestank in der Küche

Mit diesen Tipps vermeiden Sie Müll-Gestank in der Küche

Diese Rechte haben Sie als Mieter beim Auszug

Diese Rechte haben Sie als Mieter beim Auszug

Kommentare