Die deutsche Gemütlichkeit ist zurück

Heimelig und individuell soll das Zuhause sein

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Blau ist eine der Modefarben für Möbel – hier an dem Sofa „Palü“ von Bretz.

dpa · Simone Andrea Mayer - Jedes Jahr ruft die Möbelbranche neue Trends aus: Die Sofas sind nun blau, die Regale haben einzelne bunte Schubladen und vieles mehr.

Was die Branche aber seit längerem wirklich umtreibt, sind drei große Bewegungen – die das Zuhause immer mehr verändern. Gemütlichkeit ist für Ursula Geismann etwas typisch Deutsches. „Ich glaube, das Wort kann man gar nicht richtig ins Englische übersetzen“, sagt die Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Gemütlichkeit hat heutzutage eine andere Qualität

Aber die Deutschen lieben das: nach Hause kommen, durchatmen, einfach man selbst sein. Und genau das ist nun der große Wohntrend der Einrichtungsbranche für 2014. Was ist daran so neu? Im Grunde nichts. Aber es wird nun anders und deutlicher bemühter umgesetzt. „Das war schon einmal da – aber heute hat Gemütlichkeit eine andere Qualität“, erläutert Geismann. „Es ist nicht mehr eine verzierte Gondel auf dem Regal, die kitschig leuchtet.“ Vielmehr gehe es um eine Grundstimmung: Der Raum ist dank Lampen nicht einfach nur hell, er ist gut ausgeleuchtet. Es geht ums perfekt inszenierte Zuhause – ums Wohlfühlen. „Und ich denke, dass dieser Anspruch an das Wohnen auch noch zunimmt“, sagt Geismann. „Die Menschen sind sensibler geworden, was das Wohnen angeht. Sie haben kapiert, dass sie an 340 Tagen im Jahr zu Hause sind, und sie wollen sich das schön machen.“

Markus Majerus, Sprecher der Messe IMM Cologne, sieht das genauso: „Die Work-Life-Balance verschiebt sich. Es ist den Menschen zwar weiterhin wichtig, dass sie einen guten Job haben und gut verdienen. Aber immer wichtiger wird nun die Freizeit.“

Das sieht man der Gewichtung der Möbel im Raum auch an: Es wird mehr Wert auf Eyecatcher gelegt – also auf ausgefallene Stücke, die dem Besucher auffallen sollen. Hier hilft Farbe, sagt Gabriela Kaiser, Trendanalystin für die IMM Cologne. „Aber farbig ist maximal ein Teil, also ein Regal der Regalwand, und der Rest ist zurückhaltend.“ Oder nur die Couch ist bunt. „Es sind nur hier und da Farbkleckse, die aber ins Auge fallen.“

Bei all den Bestrebungen um das perfekte Zuhause sieht dieses heute nie gleich aus. Individualität ist der zweite große Wohn-Trend. „Es gibt keine große, strenge Bewegung mehr, der alle folgen müssen. Sondern jeder sucht sich aus vielen Strömungen seinen eigenen Stil zusammen“, sagt Majerus. So gibt es Sofatische, deren Alu-Streben per Zufallsgenerator verteilt werden. Oder man sucht sich selbst seine eigene Mischung Stühle zusammen. Damit einher geht Trend Nummer drei: „Ich finde ja ganz spannend, dass es nichts mehr gibt, was nichts Zusätzliches drauf hat“, sagt Majerus. Viele Möbel oder Accessoires haben Extras: Das Sofa kann auch Bett oder mit einem extra Tischchen sogar Arbeitsplatz sein, in einer Kommode kann es eine fest installierte Ladestation fürs Handy geben.

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