Unschlagbar in Sachen Klimaschutz

Europas höchstes Strohballenhaus entsteht in Verden

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Damit das Wetter Europas größtem mehrstöckigen Bau aus Stroh keinen Schaden zufügen kann, ist es mit einer Schutzplane verhüllt. Das wird so lange so bleiben, bis alle Fassaden ihre letzte Kalkputzschicht haben.

Wiebke Bruns - „Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein“, heißt es in einem alten Kinderlied. Es ließe sich leicht umschreiben in „Stroh auf Stroh“, denn damit lässt sich ebenso solide wie groß bauen.

Das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB) demonstriert dies auf beeidruckende Weise in Verden, wo laut Bauherrn Europas größtes mehrstöckiges mit Stroh gedämmtes Holzhaus entsteht. Im Sommer soll es fertiggestellt werden.

Fünf Etagen umfasst der immer noch verhüllte Neubau, der als Leuchtturmprojekt für den Strohballenbau gilt. Die Messlatte wurde bewusst hoch gelegt, um zu zeigen, was möglich ist. Denn nicht nur bei solchen Großprojekten schrecken viele Bauherrn zurück, auch der normale Häuslebauer, der ein Heim für seine Familie schaffen will, scheut vielfach noch das ökologische Bauen. „30 Prozent aller Bauherren wollen nachhaltig bauen, aber nur drei Prozent tun es“, weiß Christian Silberhorn, Geschäftsführer des NZNB.

Wie das Dämmen mit Stroh funktioniert, erfahren Interessierte in der Ausstellung im Zentrum für Nachhaltiges Bauen.

Dem will man entgegensteuern und liefert ein Paradebeispiel, das auch schon in der Fachpresse im europäischen Ausland Beachtung gefunden hat, wie Silberhorn mit berechtigtem Stolz berichtet. Im Erdgeschoss des Neubaus soll eine Dauerausstellung zum Thema nachhaltiges Bauen dazu beitragen, Hemmschwellen zu überwinden. Schon jetzt kann man in dem Zentrum erlernen, wie man mit Stroh richtig dämmt.

Die Wandelemente des Gebäudes wurden aus Holz gefertigt, optisch vergleichbar mit einer Schublade, die zu einer Seite offen ist. Strohballen wurden reingepresst und die offene Seite mit einer ersten Schicht Kalkputz verschlossen. Weitere folgten nach dem Errichten der Wände, insgesamt ist der Putz rund sechs Zentimeter dick. Von Innen werden Gipsfaserplatten und Lehmputz aufgebracht. Diese Kombination dient zum ­einen dem Wohnklima, aber auch der Einhaltung des geforderten Feuerwiderstandswertes von K2-60.

Weizen und Roggen sind laut Silberhorn als Material gut geeignet: „Das Stroh muss trocken geerntet, trocken gelagert und trocken eingebaut werden.“ 380 Kubikmeter sollen in dem fünfgeschossigen Gebäude verbaut worden sein.

Beim Richtfest 2013 informierte sich Wirtschaftsminister Olaf Lies (rechts) bei Architekt Thomas Isselhard (links) und dem Geschäftsführer des NZNB Christian Silberhorn.

„Stroh hat in der Wachstums­phase als Getreide CO2 gebunden. Es steht als Nebenprodukt der Nahrungsmittelgewinnung mit dieser nicht in Konkurrenz und es wird keine weitere Energie zur Herstellung des Baustoffs benötigt“, sagt Silberhorn. Außerdem werde es vor Ort gewonnen, verursacht nur geringe Transportkosten und wird schadstofffrei verarbeitet. Hinzu kommen 500 Kubikmeter Holz, die diese Bilanz noch weiter aufbessern. Alles in allem soll der spätere Energieverbrauch des fünfgeschossigen Gebäudes etwa dem eines Einfamilienhauses aus den 1980er-Jahren entsprechen. Im Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen wird seit 2008 „das Fachwissen rund um ressourcenschonende und effiziente Bauweisen gebündelt“. Dort wird geforscht, entwickelt, geschult und informiert. Aufgebaut wird auf eine mehr als 15-jährige Erfahrung des Ökologischen Zentrums Verden im Bereich des ökologischen Bauens.

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