Briten lieben Elch Rudolf

Die Bremer Schaustellerin Marlis Löwenthal mit ihrem Weihnachtscontainer für Birmingham.

Bremen - Von Dieter Sell(epd) · Der Zungenschlag ist charmant und bescheiden zugleich, dazu mit leicht britischem Akzent: „Hallö-ö“, tönt es vom Giebel der weihnachtlichen Holzhütte auf Birminghams Victoria Square. „Ich möcht' mich kurz vorstellen: Ich bin Rudolf, der Weihnachts-Elch.“

Besonders mittags, abends und am Wochenende schieben sich die Briten unter dem deutsch sprechenden Elch durch die Gassen des „Frankfurt German Christmas Market“ in Englands zweitgrößter Metropole. Deutsche Weihnachtsmärkte wie der in Birmingham haben sich zu einem echten Exportschlager entwickelt.

In diesem Jahr sind es mehr als 100 Stände, die Marktleiterin Marlis Löwenthal bis zum 23. Dezember in Birmingham betreut. Sie kommt aus einer alten Bremer Schausteller-Dynastie und ist mit 80 Beschäftigten unterwegs, um den englischen Gaumen zu kitzeln – mit Spezialitäten, german of course: Stollen, Frankfurter Würstchen, Knödel, Kartoffelsalat, Berliner und natürlich Schwarzwälder-Kirsch-Torte dürfen da nicht fehlen.

„Hier geht es besinnlich zu – wie eben auf den deutschen Weihnachtsmärkten“, sagt Löwenthal. Statt bunt-blinkender Lichter also eine festlich-warme Beleuchtung und zur Eröffnung Vicky Leandros. Überall stehen Nussknacker, Engelchen, Räuchermännchen und Weihnachts-Pyramiden aus dem Erzgebirge. Es duftet nach gebrannten Mandeln, und in den Gläsern schwappt das für den britischen Geschmack eher bittere deutsche Bier.

Neben Birmingham gibt es „Frankfurt German Christmas Markets“ mittlerweile auch in Manchester, Leeds und Edinburgh. London feiert direkt an der Themse mit Thüringer Würstchen, Marzipankugeln, Grünkohl und – natürlich – Glühwein (mulled wine) einen „Cologne Christmas Market“. Die Gäste können sich fast wie in einer idyllischen deutschen Kleinstadt fühlen, während am anderen Ufer majestätisch Big Ben läutet und über den Köpfen das Riesenrad „London Eye“ seine Kreise zieht.

Nur in Bristol floppte vor einigen Jahren der Versuch, einen deutschen Weihnachtsmarkt zu installieren: Die Buden waren direkt vor der Ruine einer Kirche aufgebaut, die deutschen Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.

Ausgangspunkt der „German Christmas Markets“ ist die Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Birmingham. „Wir haben 1997 in Zusammenarbeit mit Marlis Löwenthal erstmals einen Markt mit elf Ständen organisiert“, erinnert sich Kurt Stroscher, Veranstaltungsmanager der Tourismus und Congress GmbH Frankfurt. „Das sollte eigentlich eine einmalige städtepartnerschaftliche Aktion sein und war dann doch der Start einer Erfolgsgeschichte.“

Vergangenes Jahr sahen rund 3,5 Millionen Einheimische und Touristen den Birminghamer Markt. Damit gehört er zu den größten „deutschen“ Weihnachtsmärkten überhaupt. Was die Besucherzahlen angeht, kann er durchaus mithalten mit den populären Vorbildern am Kölner Dom, auf dem Frankfurter Römerberg oder dem Münchner Marienplatz. Dabei haben die Briten am Anfang durchaus gefremdelt: „Sie mussten sich mit Bier und Glühwein erst anfreunden“, sagt Marlis Löwenthal. Eine Ausnahmeregelung musste zudem für den Ausschank von Alkoholika her. Mittlerweile lieben viele Briten offenbar den Glühwein unterm Sternenhimmel und verbinden die typisch-deutsche Atmosphäre mit ihrer Lust an der Christmas-Fete. So sind in Löwenthals „Elchstand“ täglich mehrfach Weihnachtsfeiern gebucht. Freie Termine? Fehlanzeige.

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