Trend-ABC 2000 bis 2009: Das Lebensgefühl der "Nuller Jahre"

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Wir sind jetzt auch Papst

Am 31. Dezember endet nicht nur das Jahr 2009, sondern auch das Jahrzehnt der “Nuller Jahre“. Wer und was das Lebensgefühl der Jahre 2000 bis 2009 bestimmte in einem ABC:

 A wie “Attac“: Globalisierungskritiker - unter anderem die aus Frankreich stammende Organisation Attac - verschaffen sich in dieser Dekade oft Gehör, nicht zuletzt bei den Gipfeln der führenden Industriestaaten.

B wie “Bundeskanzlerin“ und “Benedikt XVI.“: Angela Merkel (CDU) und Joseph Ratzinger, beide seit 2005 im Amt, sind die zwei Deutschen, die weltweit für das meiste Aufsehen sorgen und zu denen sich so gut wie jeder eine Meinung bilden muss. “Angie“ und “Wir sind Papst“ werden zu geflügelten Worten.

C wie “Computerspiele“: Sie boomen. Und es gibt nicht nur Baller- Spiele, auch Sport- und Sing-Programme. Doch die Bevölkerung ist gespalten. Für die einen sind die Spiele toller Freizeitspaß, den anderen bleiben sie fremd. Umstritten bleibt, inwieweit sogenannte Killerspiele für (Schul-)Amokläufe verantwortlich sein könn(t)en.

D wie “Deutsches international erfolgreich“: Ob ein Oscar für den Film “Das Leben der Anderen“ (2007) oder die Magdeburger Popband Tokio Hotel (seit 2005): Kultur aus Deutschland läuft auch im Ausland gut. An die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover erinnert sich indes kaum noch jemand.

E wie “Easyjet-Set“: “Fliegen zum Taxi-Preis“ hieß mal ein Slogan. Mindestens Europa wird zum Dorf. Billig-Flieger wie eben “Easyjet“ oder “Ryanair“ boomen. Mal eben ein Wochenende nach London, Barcelona oder Paris. Das ist toll für das Lebensgefühl. Was es für die Umwelt bedeutet, verdrängen viele gern. Unsere Kinder und Enkel werden uns vielleicht eines Tages dafür hassen.

Wir sind jetzt auch Papst

F wie “Fremdschämen“: Casting-Shows wie “Deutschland sucht den Superstar“ (seit 2002), “Germany's Next Topmodel“ (seit 2006) oder “Das Supertalent“ (seit 2007) begeistern viele. Manchen lassen sie am Verstand der Menschheit zweifeln. Auch Fernsehformate wie “Big Brother“ (seit 2000) sind mit ihrem Vorführ-Effekt umstritten.

G wie “...gut so!“: Mit seinem Satz “Ich bin schwul - und das ist auch gut so!“ im Sommer 2001 läutet der SPD-Politiker Klaus Wowereit ein geradezu schwules beziehungsweise lesbisches Jahrzehnt ein. Zum 1. August 2001 tritt das rot-grüne Projekt “Homo-Ehe“ in Kraft. Homosexualität ist kein allzu krampfiges Thema mehr. Nicht zuletzt das Internet macht es möglich. 2009 wird mit Guido Westerwelle (FDP) ein offen Schwuler deutscher Außenminister.

H wie “Harry Potter“ und “Herr der Ringe“: Fantasy-Bücher boomen. Die Verfilmungen von “Harry Potter“ und “Herr der Ringe“ (jeweils seit 2001) gehören zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt. Eskapismus, also Wirklichkeitsflucht? Am Ende der Dekade kommt der Vampir-Kult hinzu (“Twilight“/“Bis(s)“-Reihe in Buch und Film).

I wie “iPod“ oder “iPhone“: MP3-Spieler, die den Soundtrack des Lebens dudeln, sind das Accessoire schlechthin. Viele Menschen laufen nur noch mit Stöpseln im Ohr herum. Schicke Handys (Smartphones) sind das (Erwachsenen-)Spielzeug überhaupt. Besonders begehrt: Apple- Produkte. Der Firma und ihrer Galionsfigur Steve Jobs gelingt in dieser Dekade eine sagenumwobene Wiederauferstehung.

J wie “Jobhopper“: Das traurige Phänomen “Generation Praktikum“ sorgt für Schlagzeilen und führt die ungerechte Situation am Arbeitsmarkt vor Augen. Für viele 20- bis 35-Jährige ist dort nämlich nicht viel zu holen - oder aber Ausbeutung. Zum Sprachrohr des Lebensgefühls der Betroffenen wird die Zeitschrift “Neon“ (seit 2003).

K wie “Klimawandel“: Spätestens seit dem Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) im Jahr 2007 ist der Klimawandel, wenn nicht gar die Klimakatastrophe, gedankliches Allgemeingut. 2007 erhalten der IPCC und der US-Politiker Al Gore den Friedensnobelpreis. Doch so wirklich los geht es mit der Rettung des Planeten nicht. Prominentes Opfer des neuen Zeitgeists wird die Glühbirne. Sie gilt als Energieschleuder.

L wie “Latte Macchiato“: Es ist das Heißgetränk des Jahrzehnts, spätestens seit die US-Kaffeehaus-Kette “Starbucks“ 2002 nach Deutschland kam. Die “gefleckte Milch“ hat viele Fans. Sie wird in Cafés, im Büro oder zu Hause getrunken. Milchschaumschläger(innen) allerorten. Apropos Schaum: der boomt auch in der Edel-Gastronomie - Stichwort: Molekularküche. Aber das führt hier zu weit. Als Kaltgetränk des Jahrzehnts vor allem in der Szene-Gastonomie kann man indes wohl “Bionade“ bezeichnen.

M wie “Master-Studiengänge“: Der sogenannte “PISA-Schock“ (2001) führt vor Augen, dass die Schulen der Bildungsrepublik Deutschland nicht die besten sind. Der “Bologna-Prozess“ will derweil Europas Hochschulen vereinheitlichen und krempelt die Unis um: Die Titel und Studiengänge “Bachelor“ und “Master“ bleiben lange umstritten.

Spätestens seit dem Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) im Jahr 2007 ist der Klimawandel, wenn nicht gar die Klimakatastrophe, gedankliches Allgemeingut.

N wie “New York“: Die Stadt am Hudson ist die Metropole des Jahrzehnts. Am 11. September 2001 fliegen hier zwei Flugzeuge - von Terroristen gesteuert - in die weltberühmten Zwillingstürme des World Trade Center. Jeder weiß noch, wo er war, als er davon erfuhr. 2008 stürzt hier mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers mehr oder weniger der Kapitalismus zusammen.

O wie “Obama“: US-Präsident Barack Obama (2008 gewählt, seit 2009 im Amt) ist der Anti-Bush. Sein äußerst umstrittener Vorgänger George W. Bush prägte eigentlich das Jahrzehnt - mit seinem Irak-Krieg oder Sündenfällen wie dem Gefangenenlager Guantánamo. Doch für viele ist Bush die “Hassfigur des Jahrzehnts“, Obama dagegen, der Friedensnobelpreisträger 2009, der “Mann des Jahrzehnts“.

P wie “Prekariat“: Das sogenannte Arbeitslosengeld II (“Hartz IV“) ab 2005 - eine Neuregelung bei Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe - löst viele Debatten aus. Scheinbar erst jetzt wird vielen bewusst, dass in Deutschland eine ganze Menge Menschen leben, die vom Reichtum abgehängt sind. Von Unterschicht ist die Rede. Gleichzeitig wächst eine Wut auf die sogenannte Elite, in der mancher sich nicht zu scheuen scheint, trotz Millionen-Einkommen Steuern zu hinterziehen.

Q wie “Quelle“: Auch große Konzerne und Marken können untergehen. Die Karstadt- und Quelle-Krise macht es deutlich. Die Institution Kaufhaus erlebt schwere Zeiten. Die Fußgängerzonen in Deutschland sehen sich mit ihren Filialen großer Ketten immer ähnlicher. Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich im Internet-Zeitalter und in Zeiten abnehmender Geldbeutel verändert.

R wie “Rauchverbot“: Es wird auch “Nichtraucherschutz“ genannt. Die Bevölkerung ist natürlicherweise gespalten, wenn es ums Rauchen in öffentlichen Räumen, Bars und anderen Lokalen geht. Und die Republik sowieso, weil die Gesetze (ab 2007) in jedem Bundesland anders formuliert sind. Was sich ausbreitet in Zeiten des Rauchverbots, sind Heizpilze. Eines der Wörter des Jahrzehnts.

S wie “Sommermärchen“: Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist der emotionale Höhepunkt vieler Deutscher in dieser Dekade. Bei bestem Wetter ist vom 9. Juni bis 9. Juli “die Welt zu Gast bei Freunden“. Neben den Toren der Nationalelf brennen sich Bilder davon ins Gedächtnis, wie Millionen Menschen Schwarz-Rot-Gold- Schminke im Gesicht haben und an tausenden Autos die Flagge flattert.

T wie “Teuro“: Zum 1. Januar 2002 kommt der Euro. Mit der europäischen Einheitswährung geht ein Traum in Erfüllung: Reisen in fremde Länder ohne Währungsumtausch. Schade nur, dass vieles bei der Umrechnung (1 Euro = 1,95583 DM) irgendwie unverhältnismäßig viel teurer wird. Oder alles nur Einbildung? “Teuro“ ist jedenfalls “Wort des Jahres“ 2002 und einer der Beweise dafür, dass die Deutschen sehr kreativ mit ihrer Muttersprache sein können und eine neue Lust an ihr (Stichwort: Bestseller “Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod (2006) gefunden zu haben scheinen.

Bei der Tsunami-Katastrophe kommen mehr als 230 000 Menschen ums Leben.

U wie “Unsinn“: Comedy und Blödeleien sind sehr erfolgreich. Mario Barth füllt 2008 sogar das Olympiastadion in Berlin. Aber auch Hape Kerkeling hat zum Beispiel mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer die Lacher auf seiner Seite. Darüber hinaus auch die Buchkäufer. Sein Werk “Ich bin dann mal weg“ (2006) ist allerdings eher der Beweis für eine neue Ernsthaftigkeit in Deutschland. Schließlich geht es um Selbstfindung auf dem Jakobsweg.

V wie “Volksparteien“: In den Wahlen ist vielerorts in Deutschland eine Abkehr von ihnen zu beobachten. Vor allem die SPD leidet unter Mitglieder- und Wählerschwund. Gleichzeitig befinden sich die sogenannten kleinen Parteien wie FDP und Grüne im Aufwind. Und nicht zu vergessen natürlich: Die neue Partei Die Linke (offiziell ab 2007). In einigen Teilen beruht sie noch auf der früheren PDS, die mal die SED war.

W wie “Wikipedia“: Das Wissen wird nicht mehr von Professoren und Verlagen verwaltet - so der Ansatz. Mit dem Online-Lexikon Wikipedia entwickelt sich eine neue Art der Wissensfindung und der Detail- Informiertheit. Zur Inspiration ein wahrer Fundus. Und das Schlimmste für Journalisten zum Beispiel: Fast alles stimmt auch noch.

X wie “Xing und andere soziale Netzwerke“: Spätestens 2009 sind sie zum Massenphänomen geworden. Millionen Menschen tummeln sich in den sozialen Netzwerken, haben plötzlich mehr Freunde im “digitalen Leben“ als im “analogen Alltag“. Je nach Geschmack und Milieu melden sich Leute bei Facebook, MeinVZ, Wer-kennt-wen und was es sonst noch so alles gibt an.

Y wie “YouTube“: Die Internet-Plattform ist für viele Jugendliche ein bisschen so etwas wie das Fernsehen des 21. Jahrhunderts. Hier kann man sich stundenlang vergnügen. Doch wer hätte gedacht, dass sich im 21. Jahrhundert die Menschen einerseits nur noch mit großem Heimkino auf einem schicken Flachbildschirmfernseher zufriedengeben, andererseits aber auch mit kleinen Web-Filmchen?

Z wie “Zerstörungswelle“: Bei der furchtbaren Tsunami-Katastrophe kommen am zweiten Weihnachtstag 2004 mehr als 230 000 Menschen ums Leben. Gewaltige Flutwellen verwüsten innerhalb weniger Stunden die Küsten des Indischen Ozeans. Auslöser ist ein schweres Erdbeben der Stärke 9,1 vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra. Mindestens 1,5 Millionen Menschen werden obdachlos.

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