Studie: Große regionale Unterschiede bei Weiterbildung

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In wirtschaftsstarken Regionen nutzen mehr Menschen Angebote für berufliche Weiterbildung. Das ist das Ergebnis einer Bertelsmann-Studie. Foto: Martin Schutt

Wer im Beruf weiterkommen will, muss sich lebenslang weiterbilden. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass die Chancen dafür auch vom Wohnort abhängig sind. Das zeigt ein Blick in die Regionen in Deutschland.

Gütersloh (dpa) - Bei der beruflichen Weiterbildung gibt es in Deutschland große regionale Unterschiede. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Zwar bildet sich jeder siebte Deutsche ab 25 Jahren mindestens einmal im Jahr beruflich fort. Das sind 13,5 Prozent. Während aber im Emsland nur 6 Prozent der Menschen dieses Angebot nutzen, sind es rund um Würzburg mit 19 Prozent mehr als dreimal so viele. Regionen mit großer Wirtschaftskraft schneiden demnach in der Regel besser ab.

Eine weitere Erkenntnis: Bei Geringqualifizierten liegt die Weiterbildungsquote deutlich niedriger als bei höher qualifizierten Menschen. Personen mit Ausbildungs- oder Hochschulabschluss haben mit 22,5 Prozent eine dreimal so hohe Quote bei der Weiterbildung wie Menschen ohne Abschluss mit 6,7 Prozent. Und auch hier gibt es große regionale Unterschiede, wie die Studie mit dem Titel "Deutscher Weiterbildungsatlas" aufzeigt. Erstmals analysieren die Wissenschaftler nicht nur die Weiterbildungsquoten für die einzelnen Bundesländer, sondern auch für fast 100 Regionen in Deutschland.

Die höchsten Werte finden sich nach Würzburg rund um Ingolstadt (18,7 Prozent) und Augsburg (18,1 Prozent). Schlusslichter sind neben dem Emsland Aachen mit 6,5 Prozent und Ost-Friesland mit 7,6 Prozent. Beim Blick auf die Bundesländer sind die Sprünge nicht so groß. An der Spitze bei der Weiterbildung steht Hessen mit 16 Prozent. Dann folgen Baden-Württemberg (15,7) und Bayern (14,8 Prozent). Abgehängt sind dagegen das Saarland (11,3 Prozent), Sachsen-Anhalt (11,6 Prozent) und Sachsen (11,9 Prozent).

"Die Weiterbildungs-Chancen sind in Deutschland ungleich verteilt. Gerade die Geringqualifizierten, die am meisten profitieren könnten, haben zu geringe Weiterbildungschancen", sagt Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Basis der Studie sind Zahlen des Mikrozensus von 2007 bis 2012, bei dem pro Jahr rund 800 000 Deutsche befragt wurden.

Deutscher Weiterbildungsatlas

Bertelsmann-Stiftung

Leitfaden Weiterbildung

WeGebAU

Aufstiegsstipendium

Weiterbildungsstipendium

Bildungsgutschein

Eine längere Weiterbildung zu machen, ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Christina Engel von der Stiftung Warentest hat einen Leitfaden zum Thema geschrieben. Ein Überblick über einige wichtige bundesweite Förderungen:

Aufstiegsstipendium: Es kommt für alle infrage, die eine Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung absolviert haben und nun zum ersten Mal studieren wollen. Bewerber brauchen zwei Jahre Berufserfahrung und eine Abschlussnote mit 1,9 oder besser. Stipendiaten erhalten monatlich 670 Euro plus 80 Euro Büchergeld. Die Förderung gibt es für die Regelstudienzeit. Anträge sind bei der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung in Bonn zu stellen.

Bildungsgutschein: Der Bildungsgutschein richtet sich an Arbeitslose und Beschäftigte, denen die Kündigung droht. Sie können sich von der Arbeitsagentur eine Weiterbildung finanzieren lassen, die eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt wahrscheinlicher macht oder eine konkret drohende Arbeitslosigkeit abwendet. Bewilligen muss ihn die Arbeitsagentur vor Ort. Wer Arbeitslosengeld bekommt, erhält es während der Weiterbildung weiter.

WeGebAU: Beschäftigte ohne Berufsabschluss stehen bei Weiterbildungen ebenfalls nicht allein da. Für sie gibt es das WeGebAu-Programm. Die Bundesarbeitsagentur übernimmt die Kosten komplett, wenn jemand keinen Berufsabschluss hat und diesen im Rahmen einer Weiterbildung nachholen will. Eine andere Möglichkeit ist, sich eine Teilqualifikation finanzieren zu lassen. Das kommt für all jene infrage, die ihren erlernten Beruf seit mindestens vier Jahren nicht mehr ausüben. Außerdem können Beschäftigte kleinerer und mittlerer Unternehmen an dem Programm teilnehmen. Hier übernimmt die Arbeitsagentur die Kursgebühren für die Weiterbildung aber nur zum Teil. Wer sich für das Programm interessiert, wendet sich am besten an die Arbeitsagentur vor Ort.

Weiterbildungsstipendium: Das Stipendium richtet sich an Fachkräfte unter 25 Jahren, die eine Berufsausbildung mit der Note 1,9 und besser abgeschlossen haben. Neben Arbeitnehmern sind auch Arbeitslose und Selbstständige förderfähig. Stipendiaten erhalten bis zu 6000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Wer eine Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz gemacht hat, wendet sich an die Institution, die den Ausbildungsvertrag unterzeichnet hat. Das ist in der Regel eine Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer. Wer einen Beruf im Gesundheitswesen erlernt hat, bewirbt sich bei der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.

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