Strass-Urnen für Vierbeiner - Individuelle Tierbestattungen

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Im Kleintierkrematorium werden Haustiere eingeäschert. Die Urnen darf der Halter mit nach Hause nehmen. Immer mehr Tierbesitzer entscheiden sich für eine Einäscherung ihres Lieblings, anstatt eines Begräbnis im eigenen Garten oder auf dem Tierfriedhof.

Wenn Waldi oder Miezi sterben, haben Tierbesitzer mehrere Möglichkeiten: Tierkörperentsorgung, Erdbestattung oder Einäscherung. Eine Option zeichnet sich dabei klar als Trend ab.

Der helle, abgerundete Raum liegt still da. An den Wänden hängen Rosenbilder, links steht eine Vase mit Blumen. Zwei große und viele kleine Kerzen spenden Licht.

Alles könnte so gemütlich sein - stünde in der Mitte des Raumes nicht ein Trauerwagen mit einem toten Tier und wäre das Zimmer selbst nicht ein Ort zum Lebewohlsagen. Der Trauerraum des Kleintierkrematoriums im Rosengarten in Neuhausen auf den Fildern (Kreis Esslingen) ist einer von zahlreichen ähnlichen Orten in Deutschland, an denen Tierbesitzer Abschied nehmen. Das sind vor allem Hunde und Katzen, aber auch Ratten, Frettchen und Papageien.

Emmanuel Holle vom Kleintierkrematorium bemerkt seit einiger Zeit, dass sich der Stellenwert der Tiere in der Gesellschaft verändert. "Ein Hund ist heute nicht einfach nur mehr ein Arbeitstier, das eins zu eins ausgetauscht werden kann. Man sieht das Tier mehr als Partner." Und den wollen viele auch noch nach dessen Tod bei sich haben. Denn: "Mit einer Urne sind Tierbesitzer einfach flexibler", sagt Holle. Sie können sie - anders als Urnen mit den Überresten von Menschen - etwa nach Hause nehmen und auf den Kaminsims stellen.

Deswegen werden immer mehr Tiere pro Jahr bundesweit in den etwa 20 Tierkrematorien verbrannt, zuletzt etwa 80 000 Tiere. Die andere Hälfte der jährlich rund 1,5 Millionen gestorbenen Hunde und Katzen wird auf Privatgrundstücken bestattet, etwa 10 000 Tiere auf Tierfriedhöfen. Dass die Zahl der Haustiereinäscherungen zunimmt, bemerkt auch Gabriele Metz vom Bundesverband der Tierbestatter. "Der Trend geht wie bei den Humanbestattungen zur Kremierung." Die Entwicklung lasse sich seit circa zehn Jahren beobachten, in den vergangenen fünf Jahren sei die Nachfrage noch einmal massiv angestiegen. Dies gelte besonders für Hunde und Katzen. "Die Zahl der Singlehaushalte steigt, und somit bekommt das Tier immer mehr den Status eines Sozialpartners", so Metz.

Die Preise für eine Einäscherung richten sich nach der Art der Feuerbestattung, dem Gewicht des Tieres und sind von Einrichtung zu Einrichtung verschieden. Kleintiere mit einem Gewicht bis ein Kilogramm kosten in der Regel knapp 100 Euro, große Hunde mit bis zu 100 Kilogramm um die 300 Euro. Nach Angaben des Bundesverbandes beläuft sich der Umsatz rund um die Tierbestattung auf 16 bis 20 Millionen Euro jährlich.

Auch Tierfriedhof-Betreiber Rolf Bohler aus Stuttgart nimmt eine Veränderung in der Gesellschaft wahr. "Zur Zeit habe ich etwa zehn Bestattungen im Monat", meint er. Zu Zeiten seines Vorgängers, von dem er den Friedhof vor drei Jahren übernommen hat, seien es mehr gewesen. Die Friedhofsbestattung gebe es nur noch "relativ selten".

Für die Kunden von Karin Kowalski, die in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) nach eigenen Angaben Deutschlands ersten Naturfriedhof für Haustiere betreibt, war die Einäscherung schon immer die beliebteste Option. "Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass man mit der Asche am meisten machen kann. Bei einem Umzug kann man die mitnehmen, ein Grab schon weniger." Zudem seien die Urnen von heute ansprechend gestaltet. "Da sieht man gar nicht, dass es eine Urne ist."

Wenn es dann Abschiednehmen heißt, helfen Menschen wie Ingeborg Kuhl Tierbesitzern. Sie ist Kundenbetreuerin im Tierkrematorium am Rosengarten in Badbergen (Kreis Osnabrück). Seit elf Jahren erlebt sie dabei immer wieder emotionale Momente. Besonders an einen kann sie sich noch gut erinnern. "Der gestorbene Hund hatte einem kleinen Kind der Familie das Leben gerettet. Der hat gebellt, weil es so komisch geatmet hat, und damit die ganze Familie geweckt." Kein Wunder, dass die Beziehung zwischen Tier und Mensch in solchen Fällen besonders innig ist. Kuhl: "Der Abschied ist wie von einem Menschen."

Die letzte Ruhestätte ihrer Lieblinge können Tierbesitzer aus einem großen Angebot wählen: vom schlichten schwarzen Stein mit Pfotenabdrücken über die Kunstharzurne in Form eines indivduell bemalten Schäferhundes bis zum altrosa Modell mit Strasssteinen. Sogar Urnen, die als Bilderrahmen getarnt sind, gibt es. "Da ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei", weiß Sprecherin Metz vom Tierbestatter-Verband. Die Preisspanne für eine Urne ist dabei groß: von 20 Euro bis 2000 Euro. Wer etwas Besonderes möchte, kann die Erinnerung an sein Haustier auch als Anhänger mit Asche oder als geflochtenes Tierhaar-Armband tragen.

Bundesverband Tierbestatter

Der eigene Garten: Tiere dürfen auf dem eigenen Grundstück begraben werden, wenn es nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt. Nach Angaben des Ministeriums für Ländlichen Raum darf das tote Tier nicht in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Wegen oder Plätzen begraben werden und muss von einer 50 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt sein.

Einäscherung: Tierhalter können ihr Tier in einem der bundesweit 22 Tierkrematorien einäschern lassen. Der Preis richtet sich dabei nach Größe und Gewicht des Tieres. Viele Tierbesitzer stellen sich die Urne danach ins Regal oder auf den Kaminsims. Nach Angaben des Umweltministeriums kann die Asche auch im Garten verstreut werden.

Tierfriedhof: Bundesweit gibt es etwa 120 Tierfriedhöfe. Hier können Tierbesitzer Plätze für Urnen oder Gräber auf bestimmte Zeit pachten. Auch anonyme oder Sammelbestattungen sind möglich. Eine Sonderform ist der Naturfriedhof, auf dem die Asche innerhalb eines ausgewiesenen Geländes verstreut wird.

Tierkörperbeseitigung: Besonders große Tiere wie Pferde werden oft direkt vom Tierarzt abgeholt. Die Tierkörperbeseitigung sammelt diese ein und verarbeitet sie weiter. Nach Angaben des Ministeriums für Ländlichen Raum werden die Körper dafür zunächst sterilisiert und getrocknet. Das daraus entstandene Fleischknochenmehl sowie das Tierfett kommen dann beispielsweise als Brennstoff bei der Energiegewinnung zum Einsatz.

Tierpräparation: Tierhalter können ihren verstorbenen Liebling auch ausstopfen lassen. Laut dem Ministerium für Ländlichen Raum sind in Baden-Württemberg zur Zeit fünf Tierpräparatoren registriert.

dpa

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