Winter im Glück

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„Mein Freund, der Delfin“, der Film über die wahre Geschichte des Delfins Winter, kommt am 15. Dezember in die deutschen Kinos.

Sie heißt Winter, weil sie an einem Wintertag am weißen Sandstrand von Florida gefunden wurde, schwer verletzt, die Schwanzflosse von einer Krabbenfalle abgequetscht.

Das Delfinmädchen Winter ist jetzt Titelheldin eines rührenden Hollywoodfilms, der dieser Tage in den deutschen Kinos anläuft.

Autor Boris Forstner besuchte den Star in seinem Zuhause, dem Clearwater Marine Hospital in Florida. Winters Geschichte: ein wahres Weihnachtsmärchen, das das Herz erwärmt.

Die Region St. Petersburg/Clearwater liegt auf einer Halbinsel im zentralen Westen Floridas. Die Küste ist gesäumt von kilometerlangen weißen Sandstränden, die zu den schönsten der USA gehören.

Zack – mit einem Stoß stupst der Delfin die Schaumstoffmatte vor sich her. Die Zuschauer, die hinter der Absperrung gebannt jede Bewegung in dem kleinen Becken verfolgen, lachen. Und wieder zack – der nächste Stoß. Danach lässt das Tier es ruhiger angehen, treibt langsam vorbei, legt irgendwann den Kopf auf die Matte. Fast scheint es für die Touristen zu posieren. Dieser Delfin weiß definitiv, wie er sein Publikum unterhalten kann. Und er weiß um seine Star-Qualitäten. Winter ist der einzige Delfin auf der Welt ohne Schwanzflosse.

2005 war es, als ein Fischer das damals erst drei Monate alte Delfinweibchen nahe eines Strands an der Atlantikküste Floridas gefunden hat. Die Leine einer Krabbenfalle hatte sich eng um die Schwanzflosse gewickelt. Das schwerverletzte Tier wurde von der Ost- an die Westküste gebracht, ins Clearwater Marine Hospital. Doch die Blutzufuhr zur Flosse war zu lange unterbrochen, sie starb einfach ab. Eigentlich ein Todesurteil für jeden Delfin.

Doch Winter, wie das im Dezember gefundene Tier genannt wurde, schaffte das Unmögliche: Sie lernte, ohne Schwanzflosse zu schwimmen – mit Seitwärtsbewegungen. Zur Fortbewegung nutzte sie die Brustflossen, die eigentlich vor allem zum Lenken da sind.

Weil der Körper eines Delfins dieser ungewöhnlichen Belastung aber nicht auf Dauer standhalten kann, musste eine andere Lösung her – eine Prothese. Und mit der hat Winter tatsächlich Schwimmen gelernt wie ein normaler Delfin. Eigentlich verwunderlich, dass Hollywood erst jetzt auf die Idee kam, diese unglaubliche Story zu verfilmen. Am 15. Dezember kommt „Mein Freund der Delfin“, die wahre Geschichte von Winter und seinen Rettern, in die deutschen Kinos.

Morgan Freeman spiel den Arzt, der die Prothese für den verletzten Delfin konstruiert. Damit lernte Winter wieder schwimmen.

„Morgan Freeman war sooo süß, er hat ein Lied für mich gesungen.“ Cathy Turille verdreht verzückt die Augen, wenn sie an die Dreharbeiten zurückdenkt. Hollywood-Star Freeman, neben Ashley Judd und Harry Connick jun. Hauptdarsteller, spielt den Arzt Kevin Caroll, der die Prothese konstruiert hat. Cathy, die dunkelhaarige, zierliche End-Fünfzigerin, ist ein sogenannter Volunteer im Marine Hospital von Clearwater. 700 Helfer gibt es insgesamt, die meisten sind draußen im Einsatz, um zum Beispiel frisch geschlüpfte Schildkröten ins Meer zu bringen. „Wir sind ein Marinehospital, kein Aquarium“, betont auch David Kimme, ein stämmiger Mann, der ständig unterwegs ist und per Headset Durchsagen über die Lautsprecher jagt.

Weil die Einrichtung nur durch Spenden und Eintrittsgelder finanziert wird, sah die Zukunft zuletzt wegen der Wirtschaftskrise nicht allzu rosig aus. 1953 ging es „als kleine Klitsche am Strand“ los, ehe man 1978 in die jetzigen Räume einziehen konnte. Die Verantwortlichen haben das Hospital trotz aller Finanznot toll eingerichtet.

Mit dieser Prothese soll der Delfine Winter wieder schwimmen lernen.

Hinter dem mittlerweile riesigen Tourismus-Shop (unter anderem mit schwanzlosen Stoff-Delfinen) geht es direkt zu einem flachen Becken. Hier schwimmen kleine Stachelrochen, sie dürfen gestreichelt werden. „Damit wollen wir zeigen, dass sie ungefährlich sind“, sagt Turille. Seltsam glitschig fühlen sich die Tiere an, die elegant durchs Wasser gleiten. Gleich nebenan, durch ein Fenster zu sehen, wird eine riesige Schildkröte künstlich ernährt. Andromeda, die wie viele andere Artgenossen hier von Schiffsschrauben verletzt wurde, kann ihren Mund nicht mehr öffnen. Es gibt noch Ottern und zwei aus einem privaten Aquarium ausgesetzte Haie namens Thelma & Louise. Aber die Stars sind natürlich die Delfine.

Den Anfang macht die kleine Hope, der man unter und über Wasser zuschauen kann. Sie war auch noch ein Baby, als sie, verlassen von der Mutter, am Strand angespült worden ist. Neugierig schwimmt sie zur Scheibe, und es stellt sich fast die Frage, wer hier wen beobachtet. Auch der neunjährige Nicholas wurde als Baby aufgenommen, und weil er nicht genug von der Mutter gelernt hat, kann er nicht wieder ausgesetzt werden – denn das ist eigentlich das Ziel hier im Clearwater Marine Hospital.

Auch Winter, der absolute Star, wäre im Meer natürlich dem Tode geweiht. Hier teilt sie sich ein Becken mit Panama, ihrer mittlerweile 40 Jahre alten tauben Zieh-Mutter. „Die Tiere haben Spaß, aber wir müssen natürlich aufpassen, dass wir sie nicht überanstrengen“, sagt Kimme. Doch selbst wer nicht die 249 Dollar übrig hat, um mit den Delfinen im Becken zu schwimmen, kommt bei Winter auf seine Kosten. Sie kann, wenn möglich, von Kindern gestreichelt werden. Zweimal täglich wird dem Delfin auch seine Prothese angezogen, quasi ein Silikon-Strumpf. Länger als insgesamt eine Stunde kann Winter damit aber nicht herumschwimmen, weil das Material trotz ständiger Verbesserung die Haut zu sehr aufreibt.

Die Zeiten in dem doch eher engen Becken sind aber schon bald Vergangenheit. Dank der Popularität von Winter kann das Marine Hospital für umgerechnet zwölf Millionen Euro aufwendig renoviert und ausgebaut werden, die Delfine bekommen schon in einigen Wochen dreimal so viel Platz wie bisher. Neue Touren, die hinter die Kulissen führen, werden erarbeitet, und das ist auch nötig, um der ständig steigenden Besucherschar Herr zu werden.

So schnell gehen die Veränderungen, dass sogar manch erfahrene Tourismusführerin nicht mehr mitkommt: Zwei Wochen nach ihrem bisher letzten Besuch stand Cathy Turille staunend davor – und suchte verzweifelt den Eingang. Der war mittlerweile kurzerhand einfach mal verlegt worden.

DIE REISE-INFOS ZU FLORIDA

REISEZIEL Die Region St. Petersburg/Clearwater liegt auf einer Halbinsel im zentralen Westen Floridas. Die Küste ist gesäumt von kilometerlangen weißen Sandstränden, die zu den schönsten der USA gehören. Mit über zwölf Millionen Besuchern pro Jahr ist die Region das beliebteste Reiseziel an der Westküste Floridas.

ANREISE Die Lufthansa fliegt täglich von München via Frankfurt oder New York nach Orlando. Ab ca. 560 Euro. Im Reisebüro oder unter www.lufthansa.de.

EINREISE Besucher müssen über einen gültigen Reisepass und eine vorliegende elektronische Einreiseerlaubnis (ESTA) verfügen. Diese kann man unter https://esta.cbp.dhs.gov. (auch auf Deutsch) beantragen, der Antrag kostet 14 US-Dollar (rund 10 Euro, Zahlung per Kreditkarte).

REISEZEIT/KLIMA Heiß ist es in Florida das ganze Jahr über – die Durchschnittstemperatur beträgt in St. Petersburg/Clearwater 23 Grad, das Wasser ist im Schnitt 24 Grad warm. Ab September ist Nebensaison, absolute Hochsaison ist von Januar bis März.

MARINE AQUARIUM Das Clearwater Marine Aquarium, in dem der Film-Delfin Winter lebt, liegt in der 249 Windward Passage. Schwimmen mit den Delfinen kostet 249 Dollar (rund 186 Euro), als Delfintrainer für einen Tag ist man für 200 Dollar (rund 150 Euro) unterwegs, Infos im Internet unter www.seewinter.com.

DER FILM „Mein Freund, der Delfin“, der Film über die wahre Geschichte des Delfins Winter, kommt am 15. Dezember in die deutschen Kinos.

STRÄNDE Florida ist in der berühmten Top-Ten-Liste des Strandbewerters Dr. Beach mit drei Stränden vertreten: Siesta Beach in Sarasota südlich von St. Peter, St. George Island State Park im Florida Panhandle und Cape Florida State Park in Key Biskayne. Die gesamte Liste unter www.drbeach.org.

WEITERE INFOS St. Petersburg Tourism, Repräsentanz in Deutschland, Tel. 061 72/38 80 94 80, www.floridasbeach.com,

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