Bist du schön, Kleiner!

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Ein kleiner Schokoaffe: Maximilian darf zwischendurch das Ergebnis der Wellness-Behandlung im Spiegel begutachten.

Was die Großen können, können die Kleinen auch. Warum sollen nur Erwachsene in den Genuss von Wellness kommen? Der achtjährige Maximilian...

...hat sich bereit erklärt, eine Behandlung mitzumachen. Anfangs musste er aber noch mit der Aussicht auf eine Tafel Schokolade gelockt werden.

In seinem knallblauen Bademantel kommt er hereinmarschiert. Ein wenig unsicher, denn Wellness hat Maximilian noch nie gemacht. Es ist für ihn ungefähr gleichgesetzt mit dreiminütigem Zähneputzen oder dem Schneiden der Fingernägel. Tendenziell also eher lästig, aber wenn es halt sein muss, macht er mit. Nun soll der Achtjährige den Schokotraum erleben, eine Gesichtsmassage. Letztlich überzeugt hat ihn, dass es am Schluss eine Tafel Schokolade gibt. Dafür kann man die 20-minütige Prozedur mal ertragen.

„Das sieht ja aus wie ein Krankenstuhl“, entfährt es ihm beim Blick auf den Behandlungsstuhl. Claudia Elsner, die im Alpenhotel Oberjoch die Wellnessabteilung leitet, lächelt freundlich. „Da darfst du dich reinsetzen“, sagt sie. Noch recht reserviert und ein wenig steif nimmt der kleine Proband Platz und lässt den ersten Teil der Behandlung, das Abreiben des Gesichts mit einem warmen Tuch, über sich ergehen. Erst als Claudia Elsner ihm die Flasche mit dem Massageöl zeigt und erklärt, was sie jetzt machen wird, überwiegt die Neugier auf das Kommende die Zurückhaltung.

Sanft und vorsichtig werden Stirn, Nasenwurzel, die Wangen und die Schläfe, danach Kinn, Kiefer, Hals und die Schultern massiert. „Ist es so angenehm für dich?“ fragt sie Maximilian, der mit einem zustimmenden „mhm“ antwortet. Das geht einige Minuten so, dann kommt die Schokolade. Aber es sind nicht aufgelöste Zartbitter-Tafeln oder gar flüssige Vollmilch-Kuvertüre, mit der Claudia Elsner loslegt, sondern Schokoladenmassagecreme aus einer schmucklosen Plastikflasche, die sie sich auf die Hand tropfen lässt und ihrem kleinen Kunden zeigt.

Sie beginnt am Kinn, verteilt die Creme dann nach und nach im Gesicht und auf der Schulter und massiert den kleinen Buben. Der liegt auf einmal ganz entspannt da, vom anfänglichen Unbehagen ist keine Spur mehr zu sehen. Und als Claudia Elsner ihm einen Spiegel vors Gesicht hält, ruft er grinsend: „Ich seh’ aus wie ein Schokoaffe!“ Nach knapp 20 Minuten ist der Schokotraum vorbei. Die dunkelbraune Creme ist aus dem Gesicht gewischt und die versprochene Tafel Schokolade verschwindet in der Tasche des knallblauen Bademantels. Jetzt wartet der Swimmingpool und Maximilian zwitschert ab.

Seit etwa fünf Jahren wird im Alpenhotel Oberjoch Wellness für Kinder angeboten. „Für Kinder ist das eher etwas Spielerisches“, sagt Claudia Elsner beim anschließenden Gespräch. Oft hätten sie so etwas schon bei ihren Eltern gesehen und wollten das selbst auch mal ausprobieren. „Bei älteren Kindern machen auch oft Mutter und Tochter gemeinsam eine Wellnessbehandlung“.

Die weibliche Kundschaft sei zahlenmäßig weit umfangreicher, sagt Claudia Elsner, „zwei Drittel sind Mädchen, die sind diesem Thema gegenüber viel aufgeschlossener“. Vor allem, wenn sie Glitzer-Nagellack mit ein paar Steinchen darauf bekämen. „Dann sind sie den Rest des Urlaubs glücklich.“

Auch wenn manche Eltern ihren Kindern eine Wellnessbehandlung als Belohnung geben oder die Kleinen sich von Großeltern einen Gutschein schenken lassen, sei doch der Wille des Kindes letztlich entscheidend, betont Claudia Elsner: „Kinder müssen das von sich aus wollen, bei Zwang verkrampfen sie oder haben sogar Angst vor den Berührungen.“ Grundsätzlich hat sie nichts dagegen, wenn die Eltern bei der Behandlung dabei sind, „viele machen da auch Fotos“, aber sie hat es am liebsten, wenn sie mit dem Kind alleine ist. „Im Gespräch entspannen sie sich dann ganz schnell.“

DAS SAGT DER KRITIKER

Christian Werner hat 2300 Wellnesshotels in Österreich und Deutschland unter die Lube genommen.

Das Thema Kinder-Wellness ist nicht unumstritten. Wir haben dazu Christian Werner (Foto) befragt, der Herausgeber des unabhängigen Relax Guide ist, in dem in der nunmehr elften Auflage über 2.300 Wellnesshotels in Österreich und Deutschland kritisch unter die Lupe genommen werden.
Zum Thema Wellness für Kinder sagt er kurz und bündig: „Das ist Geschäftemacherei!“Kinder sollten seiner Meinung nach im Urlaub lieber draußen spielen, die Natur entdecken und sich austoben, statt sich Schokolade ins Gesicht schmieren zu lassen. „Das ist eine zivilisatorische Verrücktheit“, sagt der Vater zweier Söhne. Als Eltern sollte man sich doch besser überlegen, ob man die Urlaubszeit für Kinder nicht sinnvoller gestalten könne. Therapeutisch sei der Wert einer Wellnessbehandlung bei Kindern sowieso eher fragwürdig, der Preis sei meist nicht gerechtfertigt: „Diese Tafel Schokolade ist ziemlich teuer.“

DIE REISE-INFOS ZU BAD HINDELANG

REISEZIEL Der heilklimatische Kurort Bad Hindelang liegt im Oberallgäu und besteht aus sechs Ortsteilen mit insgesamt knapp 5.000 Einwohnern. www.bad-hindelang-urlaub.de

ANREISE Mit dem Auto von München über die A 96 und B 12 bis Kempten, von dort auf der B 19 weiter bis Bad Hindelang. Entfernung von München rund 160 Kilometer. Mit der Bahn: Von München gibt es mehrmals täglich direkte Verbindungen nach Sonthofen mit dem Alex, von dort mit dem Bus weiter bis Hindelang. Fahrzeit: rund zweieinhalb Stunden, Preis: ab 21 Euro (einfache Fahrt).

WOHNEN Im Familotel Alpenhotel in Oberjoch gibt’s für Kinder ein Hallenbad mit Panoramablick, einen Kids-Club mit sieben unterschiedlichen Spielzimmern (Betreuung an allen Wochentagen) und einen ein Hektar großen Spielpark mit Trampolin, Abenteuer-Kletterwald mit 15 Stationen, Streichelzoo und Wildbach.
Preise: Angebot Miniurlaub (2 Ü/HP, Bad Hindelang Plus Card) ab 165 Euro (pro Person im DZ), Angebot Familienspaß (7 Ü/ HP, Rucksack plus Lunchpaket, Bad Hindelang Plus Card) ab 532 Euro (pro Person im DZ). Weitere Informationen und Buchung: Tel. 083 24/70 90, www.alpenhoteloberjoch. de.

WELLNESS für Kinder im Alter bis 14 Jahren gibt es im Alpenhotel in Oberjoch das Wellness- Angebot Murmel’s Traumland mit acht Behandlungen. Der Schokotraum (Schokoladen- Gesichtsmassage, Schokopackung, Tafel Schokolade) dauert rund 20 Minuten und kostet 19 Euro. Die rund 50-minütige Behandlung Murmel’s Traumwelt besteht aus Gesichtsbehandlung, Schoko-Gesichtsmassage, Fußsprudelbad, Fußmassage und Nagellack sowie Schoko-Handmassage und eine Tafel Schokolade und kostet 49 Euro.

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