Die letzten Wagen

Unterwegs mit Madagaskars "Lémurie Express"

Reisen in der 1. Klasse: Die Sitze erinnern an breite Korbsessel. Foto: Bernd Kubisch
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Reisen in der 1. Klasse: Die Sitze erinnern an breite Korbsessel. Foto: Bernd Kubisch
Geschäftiges Treiben herrscht in Moramanga vor der Abfahrt des Zuges. Foto: Bernd Kubisch
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Geschäftiges Treiben herrscht in Moramanga vor der Abfahrt des Zuges. Foto: Bernd Kubisch
Import aus Europa: In einem Lokschuppen in Moramanga steht eine gebrauchte Diesellok aus Portugal. Foto: Bernd Kubisch
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Import aus Europa: In einem Lokschuppen in Moramanga steht eine gebrauchte Diesellok aus Portugal. Foto: Bernd Kubisch
Viel Platz für Kühe: Der Bahnverkehr in Andasibe ist vorübergehend stillgelegt. Foto: Bernd Kubisch
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Viel Platz für Kühe: Der Bahnverkehr in Andasibe ist vorübergehend stillgelegt. Foto: Bernd Kubisch
Reisfelder und kleine Dörfer prägen das Bild an der Bahnstrecke von Moramanga nach Ambatondrazaka. Foto: Bernd Kubisch
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Reisfelder und kleine Dörfer prägen das Bild an der Bahnstrecke von Moramanga nach Ambatondrazaka. Foto: Bernd Kubisch
Lebhafter Handel am Bahnsteig: Wenn der Zug kommt, ist auf Madagaskar das halbe Dorf auf den Beinen. Foto: Bernd Kubisch
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Lebhafter Handel am Bahnsteig: Wenn der Zug kommt, ist auf Madagaskar das halbe Dorf auf den Beinen. Foto: Bernd Kubisch
Dreirad statt Zug: In Tamatave fahren derzeit keine Bahnen. Foto: Bernd Kubisch
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Dreirad statt Zug: In Tamatave fahren derzeit keine Bahnen. Foto: Bernd Kubisch
Wenn es mit dem Zug nicht mehr weitergeht, steigen viele Passagiere auf ein Taxi brousse um. Foto: Bernd Kubisch
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Wenn es mit dem Zug nicht mehr weitergeht, steigen viele Passagiere auf ein Taxi brousse um. Foto: Bernd Kubisch

Betuchte Eisenbahnfans reisen mit Butler und Champagner durch Afrika, andere wie die Einheimischen. Die Billig-Bummelbahn in Madagaskar verwöhnt in der 1. Klasse mit Baguette und Brause. Die 170-Kilometer-Fahrt kann 8 Stunden dauern oder auch 16.

Moramanga (dpa/tmn) – Wer Madagaskar auf der Schiene erkunden will, muss sich sputen. Etliche Strecken sind stillgelegt. Am historischen Bahnhof in der Hauptstadt Antananarivo sind die Türen zum Bahnsteig verschlossen.

Immerhin: Ein Güterwaggon dient im schicken "Café de la Gare" als Klohäuschen. Doch im 120 Kilometer entfernten Moramanga wartet das Bahnabenteuer auf den Spuren der Lemuren. Diese Feuchtnasenaffen mit Kulleraugen und putzigem Gesicht sind die tierischen Stars der afrikanischen Insel im Indischen Ozean.

Es ist 10.00 Uhr. Die Sonne brennt. Eine rote Diesellok rollt aus dem Schuppen in Moramanga. Der Lokführer hat die Maschine inspiziert. Er nickt zufrieden - noch. Dutzende Insulaner laufen über die Gleise, wuchten Säcke, Kisten und Körbe in die braunen Güterwaggons. Sieben Fracht- und vier Personenwagen hat der Zug. Der weiß-blaue Wagen der 1. Klasse wirbt mit der Aufschrift "Le trans lemurie express".

Der Zug setzt sich ruckelnd in Bewegung. Großfamilien palavern. Kinder spielen. Die Korbsessel-Sitze in der 1. Klasse sind bequem. Viele der Schienen stammen aus Deutschland. Nach dem Ersten Weltkrieg brachte die damalige Kolonialmacht Frankreich das Material aus Reparationszahlungen auf die Insel.

Zweimal in der Woche bummelt ein Zug von Moramanga im Fahrradtempo die 170 Kilometer Richtung Norden nach Ambatondrazaka, die Reiskammer der Insel. Der "Express" stoppt in vielen Dörfern mit Kokospalmen, gackernden Hühnern und Häuschen aus Holz, Fasern oder Stein. Frauen und Kinder drängen um den Zug, verkaufen Bananen, Erdnüsse, Mangos und Getränke.

Ein Rentner aus Berlin geht nach vier Stunden Fahrt an den Bartresen. Lunch für 3300 Ariary, knapp ein Euro: Weißbrot, Ölsardinen und eine warme Limo. Die in einer Eisbox gekühlten Getränke sind längst ausverkauft.

Gerodete Flächen und Baumstümpfe hinter Moramanga sind wie vielerorts traurige Realität. Bald wird es grüner. Reisfelder bis zum Horizont, Teiche und kleine Flüsse, grüne Hügel. Endstation nach 8 Stunden und 45 Minuten. Nicht schlecht. "Ambatondrazaka hat außer Reis auch viel Obstanbau", erzählt Lea Arilala Razana, die Tourismuschefin der Stadt. Auf den Märkten gibt es fast alle exotischen Früchte dieser Welt: Litschi, Passionsfrucht, Guave und Jackfruit.

Eisenbahnfans verbringen hier oft nur eine Nacht. Denn der Weg, genauer die Fahrt, ist das Ziel. Abfahrt laut Fahrplan ist um 7.00 Uhr. Doch heute hat die Lok Probleme und startet am frühen Nachmittag. Die Alternative: das Taxi brousse. Der Kleinbus fährt immer los, wenn er voll ist. Auf dem Dach schnattern Enten in einem großen Korb. Auf halber Strecke der Holper- und Sandpiste hat dieses Vehikel Probleme mit Keilriemen und Kühlung, kommt abends aber noch lange vor dem Zug in Moramanga an.

Tourismus in Madagaskar

Info zur Bahn

Madagaskar

Anreise: Die schnellste Flugverbindung von Deutschland über Paris ist ab 720 Euro zu haben. Inlandsflüge sind teuer und oft verspätet. Von der Hauptstadt zur Bahnstation in Moramanga fahren Kleinbusse in vier Stunden für umgerechnet vier Euro.

Formalitäten: Der Pass muss bei Einreise mindestens sechs Monate gültig sein. Bei Ankunft wird ein 30-Tage-Visum für 25 Euro eingestempelt.

Reisezeit: Gute Reisezeit ist Mai bis Dezember. An der Küste ist es ganzjährig 25 bis 33 Grad warm. Von Januar bis April drohen mancherorts tropische Wirbelstürme und heftige Regenfälle.

Gesundheit: Dringend empfohlen ist eine weltweit gültige Krankenversicherung. Malariaprophylaxe ist angeraten.

Bahn: Die Infos im Internet zur Bahn sind meist veraltet, auch die von Madarail. Die Fahrzeiten wechseln häufig. Wer von der Hauptstadt nach Tamatave will, sollte in Moramanga stoppen und direkt am Bahnhof fragen. Auch Mitarbeiter der Restaurants der Bahnhöfe in Antananarivo und Tamatave sind hilfsbereit.

Informationen: Botschaft Madagaskar, Seepromenade 92, 14612 Falkensee (bei Berlin), Tel.: 03322/231 40, E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de.

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