Typisch Wales!

Wales ist unaussprechlich schön: Cardydd, Dinbychi-y-pysgod, Tyddewi, alles geschichtsträchtige und gleichzeitig quicklebendige Orte...

...Leider kommen uns die Namen beim besten Willen einfach nicht über die Lippen. Bestechend simpel dagegen sind die Namen berühmter Waliser: Tom Jones, Catherine Zeta-Jones, Richard Burton oder Charles, Prince of Wales. Das geht ins Ohr. Auch auf ihrer Tour durch den südlichen Teil der britischen Halbinsel traf unsere Autorin Barbara Wimmer Waliser, die einem in Erinnerung bleiben – nicht nur, weil sie ganz einfache Namen haben.

Zara in Cardiff

Kopiert alte Meister: Zara in Cardiff

Zara blickt konzentriert auf ihre Zeichnung, sie kopiert das Landschaftsbild des walisischen Malers Richard Wilson. Die 15-Jährige macht ihr Schulpraktikum hier im National Museum of Wales. Im weiß leuchtenden Bau, eröffnet 1927, gibt es viel Kunst, aber auch Abteilungen zu Geologie oder Geschichte. In diesem Monat kommen 50 Werke von Cézanne, Manet, Monet, Pissarro, Renoir, Turner und van Gogh von einer „Tournee“ zurück. Dann ist das National Museum von Cardiff nach Renovierung wieder komplett.

Meredith in Cardiff

Verkauft Lovespoons: Meredith in Cardiff

Meredith Jones steht, den Rücken ein wenig gebückt, hinter der Theke des Castle House, einem kleinen Laden gegenüber der trutzigen Burg im Zentrum der walisischen Hauptstadt. Dort, am Rande eines Labyrinths von viktorianischen Shopping-Passagen („arcades“), verkauft der 85-jährige Meredith Lovespoons. Liebeslöffel, so die deutsche Übersetzung, sind das Wales- Souvenir Nummer eins. Meredith ist in einem 7000-Seelen-Ort im Hinterland geboren, seine Vorfahren waren Bergarbeiter. In seiner Jugend sprach Meredith nur Walisisch, damals schrieb er sich noch Meredydd. Inzwischen hat er die Sprache fast vergessen. Die Lovespoon-Legende aber bleibt. Schon vor Jahrhunderten haben die Waliser die kunstvoll geschnitzten Löffel verschenkt. Auch heute sind sie beliebte Gaben bei Hochzeiten oder Jubiläen. Walisisch können die Waliser heute auch wieder: Seit Wales im Jahre 1999 eine eigene Nationalversammlung erhielt, werden Schüler wieder in der Landessprache unterrichtet.

Julian in Caerphilly

Arbeitet in der Burg: Julian in Caerphilly

Es ist ein besonderer Tag für Julian Thomas (42) im Kassenraum des mittelalterlichen Caerphilly Castle: Ein Kamerateam des britischen Senders BBC ist in die Stadt nördlich von Cardiff gekommen, um eine Folge der Reihe „Young Merlin“ zu drehen. Der sagenhafte Zauberer Merlin soll in Wales das Licht der Welt erblickt haben. Caerphilly ist nach Windsor die zweitgrößte Burg in Großbritannien. Sie hat zwei Wassergräben und hohe Mauern, die früher Feinde abhalten sollten. Julian ist ein Sohn der Bergarbeiterstadt, die sich im Halbrund um das alte Gemäuer an einen Hang schmiegt. Nachdem Premierministerin Maggie Thatcher in den 80er Jahren Schluss mit dem Kohleabbau gemacht hatte, sei hier die Arbeitslosigkeit stark gestiegen, erzählt Julian. Er sei froh über seinen Job im Castle, einer der wichtigsten touristischen Attraktionen in Wales. Gerne stellt er sich zum Foto vor dem berühmten schiefen Turm: „Er ist schiefer als der in Pisa!“, sagt Julian stolz.

Ray in Aberdulais Falls

Serviert Tee: Ray in Aberdulais Falls

Das Rauschen des mächtigen Wasserfalls des Flusses Dulais dringt bis vor den kleinen Tea Room, in dem Ray Savage Sandwiches und Suppen, Cappuccino und Tee für seine Gäste serviert. Der 66-Jährige ist Mitglied der Friends of Aberdulais Falls, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit Geld zum Erhalt der historischen Zinn-Mühle auftreiben. Das Wasserkraftrad, dessen Vorgänger vor 400 Jahren im dichtbewaldeten Neath-Tal installiert wurde, generiert heute noch Energie.

Julie in Tenby

Organisiert den Inselshuttle: Julie in Tenby

Schon als Teenager jobbte Julie Thomas (38) bei ihrem Dad Alan, der während der Touristensaison mit dem Boot zwischen dem Seebadeort Tenby und der knapp vier Kilometer entfernten Caldey Island pendelt. Seit der Keltenzeit im 6. Jahrhundert produzieren die Mönche dort Aromen und Düfte aus den üppig wachsenden Pflanzen und Blumen. Sehenswert ist auf der Insel die alte Abtei, erfrischend eine Wanderung zum Leuchtturm. Nach der Rückfahrt landet das Boot an einem der drei ausgedehnten Sandstrände Tenbys – den Hafen unterhalb der Burgruine hat nämlich inzwischen die Ebbe leergeleckt. Zeit für einen Spaziergang im typischen Seaside-Städtchen mit seinen bunten Häusern aus vielen Epochen und den kleinen Läden mit Kunsthandwerk.

Marta & Laura in Manorbier

Surfen eiskalt: Marta und Laura in Manorbier

Im strömenden Regen zerren Marta (32) und Laura (24) die Surfbretter aus ihrem Mini Cooper. Der mächtigen normannischen Burg Manorbier schenken sie keinen Blick – ab aufs Brett und so schnell wie möglich ins eiskalte Wasser der Swanlake Bay! An den rauen Küsten von Wales gibt es viele solcher Wellenreiter-Reviere, das nächste, ein paar Kilometer nördlich, heißt Freshwater Bay. Irgendwie ein ziemlich bezeichnender Name bei diesen Wassertemperaturen.

Joey in St. Davids

Empfiehlt den Wein: Joey in St. Davids

Formvollendet lässt Joey Griffiths den Primitivo ins Glas fließen. Der 21-jährige ist Weinkellner im feinen Restaurant des Waterpool Court Hotels in St.Davids. „Endlich wieder daheim“, seufzt der junge Mann, den es vor einigen Jahren mit seinen Eltern nach Neuseeland verschlagen hat. Unterhalb des Hotelgartens und der angrenzenden Kuhweide verläuft der Pembrokeshire Coast Path. In etwa zwei Wochen kann man die 186 Kilometer des Küstenwegs auf- und abwandern und dabei jeden Tag den spektakulären Blick aufs Meer genießen. Mindestens 70 Badestrände liegen am Wegesrand. Und eben St. Davids, die kleinste „City“ im ganzen Königreich. Der Heilige David, Schutzpatron von Wales, gründete dieses kirchliche Zentrum vor eineinhalb Jahrtausenden. Zwei Pilgerreisen hierher, so befand Papst Calixtus II. im Jahr 1120, ersparen eine nach Rom. Im Tal unterhalb des Künstlerstädtchens liegen die imposante Kathedrale und die ausgedehnten Ruinen des Bischofspalastes aus dem 14. Jahrhundert – so situiert, damit man sie vom Meer aus nicht sehen kann.

Matt in St. Justinians

Fängt die Hummer: Matt in St. Justinians

Matt Devonald hat das Beiboot vollgeladen. Mit Hummern, Spidercrabs und anderem Meeresgetier, das sich noch bewegt, landet er am Pier von St. Justinians. „Ein Superfang“, freut sich der 27-Jährige. Die Köstlichkeiten werden am selben Abend nicht etwa in einem feinen walisischen Restaurant auf den Tisch kommen. Matt erklärt: „Die reisen jetzt nach Spanien!“

Dave vor Ramsey Island

Das Naturschutzgebiet auf der Ramsey Insel darf auch Dave Hill nur mit Genehmigung betreten, aber das tut er oft. Es gibt sicher wenige,die das markante Eiland so gutkennen wie der 37-Jährige. Bis zu zehnmal am Tag brettert er mit einem Schnellboot von St. Justinians hinüber zum Vogel- und Pflanzenparadies und erklärt Touristen den enormen, acht Meter hohen Gezeitenunterschied, die geologischen Besonderheiten der Insel, und die Eigenheiten der seltenen grauen Robben. „Nicht mit dem Finger auf sie zeigen, da verschwinden sie!“, warnt er. An und für sich ist die Bemerkung überflüssig, denn seine Passagiere kommen ohnehin nicht in Versuchung. Angesichts des Wellengangs brauchen sie alle Hände, um sich am Boot festzuhalten.

Eifion in Melin Tregwynt

Webt Wales-Stoffe: Eifion in Melin Tregwynt

Endlich ein richtiger walisischer Name! Der 55-jährige Eifion Griffiths spricht sogar die zweite offizielle Amtssprache seines Landes, aber das ist vom Besitzer und Betreiber einer walisischen Mühle und Weberei in dritter Generation auch zu erwarten. Bis ins 18. Jahrhundert reichen Teile des Fabrikationsgebäudes in einem Wäldchen nahe der Küste zurück. Die modernisierten traditonellen Muster von Tregwynt Mill erinnern an die Sixties, ein Design, das teurere Londoner oder auch japanische Möbelhäuser gerne im Sortiment haben und Damen gern auf ihrem Mantel tragen. Etwa 20 Menschen aus der Gegend finden Arbeit in der Mühle, in der noch immer das Wasserrad läuft.

John in Whitland

Baut Wein an: John in Whitland

Wein aus Wales? Gibt es im südlichen Landesteil bereits, aber John und seine Familie sind die ersten, die den Anbau in dieser Gegend wagen. John und seine Familie wollen den guten Tropfen aus eigener Produktion auch bald in ihrem Wein-Restaurant Jabajak im gleichnamigen Ort ausschenken. „In einem guten Jahr hoffen wir auf 10000 Flaschen“, so der 48-Jährige. Es gibt noch einen guten Grund, einmal in der Gegend von Jabajak vorbeizuschauen: Etwa 30 Kilometer entfernt, in den Preseli Hills, steht umrahmt von Schafweiden in fast alpin anmutendem Gelände das Pentre Ifan. Der Deckstein des Portalgrabes ist 15 Meter lang und wiegt schätzungsweise mehr als 16 Tonnen!

Pat im National Botanic Garden of Wales

Pflegt die Botanik: Pat in Carmarthen

Pat Causton (66) nimmt einmal in der Woche eine 40-Meilen-Autofahrt von Aberystwyth in Kauf, um im Botanischen Garten bei Carmarthen zu arbeiten. Ehrenamtlich. Über ihr wölbt sich ein riesiges Glasdach, entworfen von Stararchitekt Sir Norman Foster. 2010 feiert der Botanische Garten sein zehnjähriges Bestehen, im Freien gedeiht die üppige einheimische Pflanzenpracht, unterm riesigen Glasdach die Flora von Ländern mit mediterranem Klima.

DIE REISE-INFOS ZU WALES

REISEZIEL Wales ist, wie England, Schottland und Nordirland, ein Land im Vereinigten Königreich von Großbritannien – mit einer Fläche von 20 761 Quadratkilometern das Kleinste. Wie eine ausgefranste Klappe hängt es westlich zwischen den englischen Städten Bristol im Süden und Liverpool im Norden. Zwei Drittel der insgesamt 2,9 Millionen Einwohner leben im Süden und Südwesten um die Hauptstadt Cardiff. Im Südwesten findet man mächtige Burganlagen, bezaubernde Strände, atemberaubende Wasserfälle, riesige Wälder.

ANREISE Mit dem Flieger: z.B. mit KLM über Amsterdam, (ca. 300 Euro), ab 31. Oktober mit bmibaby direkt von München nach Cardiff für 90 Euro (www. bmibaby.com). Mit dem Auto: via Fähre nach england: Calais – Dover (www.poferries. de oder www.seafrance. com).

MIETWAGEN Kleinwagen von Hertz ca. 206 Euro pro Woche. Die Entfernungen in Wales sind nie sonderlich groß, schließlich beträgt die Luftlinie von Norden nach Süden nur etwa 290 Kilometer. Achtung: In Wales herrscht Linksverkehr!

REISEZEIT/KLIMA Die meisten Besucher kommen in der relativ trockenen Sommerzeit von Juni bis August. Schön, vor allem für Wanderungen, sind auch Mai und September. Immer gilt: Regenkluft mitnehmen.

REISETYP Ein Urlaubsland für Menschen, die nicht auf tägliche Sonnengarantie pochen, sondern dem Anblick üppiger Natur, atemberaubender Küsten und Jahrtausende alter Steine auch bei Regen etwas abgewinnen können.

SPRACHE Die Sprache der keltischen Ahnen hat sich in diesem westlichen Winkel der britischen Insel (Cymru) hartnäckig erhalten. 750 000 der drei Millionen Waliser sind ihrer mächtig, Tendenz steigend. Es gibt Dörfer, deren Name ausschließlich aus Konsonanten besteht, zwei „F“ oder „L“ am Wortbeginn sind keine Seltenheit.

KULINARISCH Empfehlenswert: Walisisches Rind- oder Lammfleisch sowie Meeresfrüchte. Nicht schlecht: bara lawr, das walisische Algenbrot. Außerdem gibt es regionale Käsesorten (z. B. Caerphilly Cheese, gehört zur Familie der Cheddarkäse) und Weine aus Wales. Das bekannteste Bier: Brains aus Cardiff.

WOHNEN Bed & Breakfast oder Schloss: Hotels für eine Rundreise in Wales kann man zum Beispiel über den Reiseveranstalter Dertour vorausbuchen.

WEITERE INFOS www. visitwales.com, eine sehr informative Seite des Touristenamts.

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