Städtereisen

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Blick auf das Palais du Rhin. Das Gebäude hat im Lauf der Geschichte verschiedensten Zwecken gedient. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
1 von 10
Blick auf das Palais du Rhin. Das Gebäude hat im Lauf der Geschichte verschiedensten Zwecken gedient. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
Auf jeden Fall einen Besuch wert: das Straßburger Münster. Foto: Christophe Hamm/OTSR/dpa-tmn
2 von 10
Auf jeden Fall einen Besuch wert: das Straßburger Münster. Foto: Christophe Hamm/OTSR/dpa-tmn
Hier macht Europa mal blau: Straßburg bietet viele hübsche Ecken, die von Touristen nicht so stark frequentiert werden. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
3 von 10
Hier macht Europa mal blau: Straßburg bietet viele hübsche Ecken, die von Touristen nicht so stark frequentiert werden. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
Wer mehr von Straßburg sehen will als die üblichen Sehenswürdigkeiten, der kann sich zum Beispiel auf die Radtour "du Port aux Deux-Rives" begeben. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn
4 von 10
Wer mehr von Straßburg sehen will als die üblichen Sehenswürdigkeiten, der kann sich zum Beispiel auf die Radtour "du Port aux Deux-Rives" begeben. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn
Museales Stadtviertel "Klein-Frankreich" - ein Touristenmagnet. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn
5 von 10
Museales Stadtviertel "Klein-Frankreich" - ein Touristenmagnet. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn
Rodolphe Cattin ist Touristenführer in Straßburg. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
6 von 10
Rodolphe Cattin ist Touristenführer in Straßburg. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
Ausflugsboot beim Quai des Bataliers: Wer wirklich etwas von Straßburg sehen will, sollte aber auch zu Fuß unterwegs sein. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
7 von 10
Ausflugsboot beim Quai des Bataliers: Wer wirklich etwas von Straßburg sehen will, sollte aber auch zu Fuß unterwegs sein. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa-tmn
Sightseeing-Halt: das Europaparlament in Straßburg. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn
8 von 10
Sightseeing-Halt: das Europaparlament in Straßburg. Foto: Philippe de Rexel/OTSR/dpa-tmn

Morgens Kanäle und Kathedrale, nachmittags Europaviertel? Wer Straßburg auf seine Hotspots reduziert, verpasst Naturoasen, lebendige Viertel und die sehenswerte Neustadt.

Straßburg (dpa/tmn) - Es hilft nichts. Auch nicht der Ausweis als staatlich geprüfter Gästeführer. Die Pförtnerin im Palais du Rhin bleibt hart: "Pas de visites", keine Besichtigungen.

Doch Stadtführer Rodolphe Cattin ist nicht weniger stur, wenn es darum geht, Besuchern die Geschichte und Kunst Straßburgs nahezubringen. "Das ist immer noch ein Gebäude der Republik, Madame", argumentiert er und darf schließlich seine Gäste zumindest bis an den Fuß der mächtigen Treppenstufen geleiten. Sie führten einst in die repräsentativen Empfangsräume und Gemächer des deutschen Kaisers.

Der Rheinpalast, wie der ehemalige Kaiserpalast in Zeiten der Republik heißt, war im Ersten Weltkrieg auch mal Lazarett, später Kommandantur der Nationalsozialisten und schließlich ihrer Befreier. So unterschiedlich der Zweck des markanten Kuppelbaus aus dem späten 19. Jahrhundert, so wechselvoll die deutsch-französische Geschichte - in der Neustadt liegt sie geradezu auf der Straße: Einerseits geradlinige Prachtavenuen und freie Plätze nach Pariser Vorbild, anderseits protzige wilhelminische Architektur.

Wenig beachtetes Unesco-Welterbe

Die neue Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen sollte zu einem Schaufenster werden, erklärt Rodolphe Cattin. "Man wollte ganz Europa zeigen, was die Preußen können." Das sorgte damals für viel Wut und Empörung. Heute lässt das "imperiale deutsche Stadtviertel" mit Welterbe-Status die meisten Touristen kalt, die sich lieber in der Altstadt mit dem Münster und den Fachwerkhäusern im ehemaligen Gerberviertel Klein-Frankreich drängen.

Rodolphe Cattin ist Lokalpatriot. Schon als Student hat er Touristen geführt, dann über 30 Jahre lang angehende Reiseleiter unterrichtet. Im Pensionsalter zeigt er sich immer noch begeistert, wenn die Gäste mitdenken und mitentdecken: das Konterfei Wilhelm des Ersten im schmiedeeisernen Palastzaun etwa oder einen Balkon im Jugendstil. All das bleibt den Touristen verborgen, die gerade auf einer Bootsrundtour vorbeischippern - die Ill fließt weit unterhalb der Neustadt. "Die Leute sehen gar nichts", bedauert Cattin.

Sehenswürdigkeiten abhaken im Selfie-Modus

Zumindest haben viele Gäste in erster Linie ihr Handy im Blick: Schnell noch ein Selfie vor den Portalstatuen, dem Engelspfeiler oder der Astronomischen Uhr - und schon ist das Münster, Straßburgs Wahrzeichen, abgehakt.

Weiter zu den Fachwerkhäusern rund um die Kanäle und kurz das Maison de Tanneurs, das ehemalige Gerberhaus, digitalisieren, bevor drinnen eines der verschiedenen Sauerkrautgerichte bestellt wird: Gastronomie und Tourismus haben aus dem einst berüchtigten Viertel, das noch im 19. Jahrhundert streng nach faulem Wasser roch, ein beliebtes Postkartenmotiv gemacht.

Das besondere Flair von Krutenau

Journalistin Emeline Burckel ist angehende Journalistin und stammt aus Straßburg. Ihr Lieblingsviertel heißt Krutenau, zwischen Altstadt und Universität, und als ehemaliges Sumpfgebiet wie "La Petite France" vom Wasser geprägt: "Das ist ein sehr junges Viertel und gehört doch zum alten Straßburg", sagt Burckel.

Die Studentin lobt die vielen Ausgehmöglichkeiten, die internationale Mischung aus Studierenden, Alteingesessenen und nicht ganz so vielen Touristen sowie die Umwandlung der vielbefahrenen Uferstraße am Quai des Bateliers in eine Fußgängerzone. "Das ist ein schöner Treffpunkt geworden mit vielen Außenterrassen für die Lokale."

Oder man läuft noch einen guten Kilometer weiter zum nächsten Wasserarm der Ill auf die Halbinsel André Malraux, wo vor 100 Jahren ein großes Industriegebiet mit Silos, Kränen und Lagergebäuden entstand, inzwischen aber Mediathek, Informationstechnik und Freizeitangebote dominieren. "Da trifft man garantiert keine Touristen", verspricht Burckel.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-635884/3

Straßburg

Anreise: Mit dem TGV ab Karlsruhe, Baden-Baden oder Mannheim.

Fahrradverleih: Vélhop hat fünf 5 Läden und 20 Stationen, eine Stunde kostet einen Euro, ein Tag kostet 10 Euro.

Informationen: Atout France - Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt (Tel.: 069/74 55 56

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

Mülltrennung ist nicht jedermanns Sache - da glaubt man, alles richtig zu machen und plötzlich ist doch alles falsch. Wir zeigen Ihnen, welche Fehler …
Diese Dinge entsorgt fast jeder falsch - gehören Sie auch dazu?

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Flip-Flops, Shorts und T-Shirt - ist das im Büro angemessen? Unsere Fotostrecke zeigt die zehn größten No-Gos beim Business-Outfit.
Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Entweder sind wir zu faul oder hängen zu sehr an unseren alten Sachen - doch in der Fotostrecke sehen Sie, welche Dinge Sie im Wohnzimmer …
Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Ein positiver oder negativer erster Eindruck wird nicht zuletzt über Körperhaltung sowie Gestik und Mimik vermittelt. All das macht auch im …
Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Meistgelesene Artikel

Neue Reisewarnung: Bulgariens „Ballermann" ist jetzt auch Corona-Risikogebiet

Neue Reisewarnung: Bulgariens „Ballermann" ist jetzt auch Corona-Risikogebiet

Urlaub trotz Corona in Griechenland: Regeln auf Inseln und in Städten verschärft

Urlaub trotz Corona in Griechenland: Regeln auf Inseln und in Städten verschärft

Urlaub in Holland: Maskenpflicht und Corona-Hotspots - was jetzt wichtig ist

Urlaub in Holland: Maskenpflicht und Corona-Hotspots - was jetzt wichtig ist

Corona in Bulgarien: Urlaub gefährdet? Goldstrand ist Risikogebiet

Corona in Bulgarien: Urlaub gefährdet? Goldstrand ist Risikogebiet

Kommentare