Salzburg: Pferde sollen Windeln tragen

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Für viele Touristen gehört eine Fiakerfahrt zu Salzburg wie der Dom oder das Festspielhaus.

Es stinkt zum Himmel, klagen Kaufleute und Hoteliers in der Salzburger Altstadt. Die Pferdeäpfel der Fiaker vermiesen die Luft in der Mozartstadt. Jetzt sollen die Kutschpferde Windel tragen.

Gemütlich, romantisch, urig: Für viele Touristen gehört eine Fiakerfahrt zu Salzburg wie der Dom oder das Festspielhaus. Eine andere Seite der Kutschenfahrt bleibt ihnen jedoch meist verborgen: Wenn auch CO²-frei, so hinterlassen die Pferde doch das ein oder andere Abfallprodukt auf ihrem Weg durch die Mozartstadt. Das stört die Nasen der Gäste und der Geschäftsleute. Zudem klagt die Verwaltung über massive Straßenschäden durch die Hufeisen. Pferdewindeln und Gummihufe sollen das Problem nun lösen.

Seit Jahren klagen Altstadtkaufleute und Hoteliers über den Gestank, den die Rösser vor allem an heißen Sommertagen mit sich bringen. “Es ist ja in der ganzen Altstadt ein Geruchsproblem. Fiaker in der Altstadt ja, aber ohne die Verschmutzung und die Geruchsbelästigung“, sagte Andreas Gfrerer, Chef des Hotels “Blaue Gans“, kürzlich in einem ORF-Interview. Bisher half man sich mit Reinigungskräften. An neuralgischen Punkten, wo sich die Pferde während roter Ampelphasen erleichtern, wurde einfach mit Schaufel und Wasserschlauch saubergemacht.

Die Aufnahme zeigt das Hinterteil eines Wiener Fiaker-Pferdes, dem ein faltbares "Pooh-Bag" verpasst wurde.

Nun will sich die Stadt mit sogenannten “Pooh Bags“ helfen, Pferdewindeln, oder “Exkrementtaschen“, wie sie die zuständige Baustadträtin Claudia Schmidt von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) nennt. Diese sollten auffangen, was die Pferde auf das Weltkulturerbe fallen und laufen lassen. Doch laut Fiaker-Obmann Franz Winter tun sie das allenfalls zur Hälfte. “Das Problem mit den Pooh-Bags war, dass sie den Urin nicht immer halten können. So wurde die Geruchsbelästigung, die eigentlich nur bestimmte Stellen auf den Routen betrifft, durch die Altstadt verteilt“, zieht Winter nach der sommerlichen Testphase Bilanz.

Auch die Pferde selbst halten wahrscheinlich wenig von der Neuerung. Sie haben sich teilweise an den Windeln wund gescheuert und Wochen gebraucht, um sich überhaupt daran zu gewöhnen. Und auch ein Schweif, der durch eine volle Windel wischt, ist weder für Pferde angenehm noch für die Gäste schön anzusehen.

Baustadträtin Schmidt sieht zumindest in der Bereitschaft der Fiakerfahrer zur Zusammenarbeit einen Erfolg. Diese hatten sich jahrelang gegen derartige Maßnahmen gesträubt. Weitere Tests bis Oktober sollen nun die “Auffangquote“ erhöhen. “Ich bin keiner, der gleich zu allem Nein sagt und aufgibt“, meint Winter, der sich aber auch vorstellen kann, einfach noch zusätzliche Reinigungskräfte einzustellen. 

Kooperationsbereit zeigen sich die Fiaker auch beim zweiten heißen Eisen, den Hufen. Auf 100 000 Euro jährlich beziffert die Stadträtin die durch die Hufe verursachten Schäden. Deswegen gab es bereits Versuche mit glatteren Hufeisen. “Dadurch konnte der Verschleiß der Pflaster- und Straßenbeläge bereits enorm eingedämmt werden“, erläutert sie.

Eine neue Generation von Gummihufen soll nun ab Januar 2011 endlich Frieden zwischen Huf und Asphalt herstellen. Bisherige Versuche scheiterten allerdings: Gummihufe führten zu Gelenkentzündungen bei den Tieren, auch sogenannte Hufschuhe erwiesen sich als nutzlos. Die “Turnschuhe für Pferde“ waren nach zwei Stunden abgenutzt.

Matthias Petry, dpa

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