Rom - Dolce Vita im Stundentakt

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La Dolce Vita - in Rom suchen Touristen die Leichtigkeit des Seins.

Vor 50 Jahren drehte Federico Fellini „La Dolce Vita“ in Rom. Der Film steht noch immer für das italienische Lebensgefühl und Vorlage für Urlauber auf der Suche nach der Leichtigkeit des Seins.

Wie man das Dolce Vita heute in der Ewigen Stadt erleben kann – eine Spurensuche von Autor Hanns-Jochen Kaffsack.

Zwei Dinge braucht der Mensch, um in Rom einen Tag stimmungsvoll zu beginnen: Einen Cappuccino, sehr heiß, sehr stark, und dazu ein Cornetto, das süß gefüllte Hörnchen. Also auf in die Cafeteria auf der Terrazza Caffarelli mit Blick über dem Palatin-Hügel. Unten auf der Piazza del Campidoglio des Michelangelo sammelt sich eine Hochzeitsgesellschaft.

In Fellinis Film "La Dolce Vita" badet Anita Ekberg im Trevi Brunnen.

Die Heerschar internationaler Touristen zieht schon heran, um die Schätze der Kapitolinischen Museen zu bewundern. Der Römer steht nicht Schlange, sondern blickt vom kleinsten römischen Hügel andächtig auf das im milden Morgendunst liegende Viertel Trastevere auf der rechten Tiber-Seite. Die Stadt ist überschaubar und bietet Kunstgenuss an allen Ecken und Enden: der Quirinalspalast, bewohnt von Präsident Giorgio Napolitano, ist nur einen kurzen Spazierweg von der Terrazza Caffarelli entfernt. In den ehemaligen Reitställen, den Scuderien, die heute ein Museum sind, stößt der kunstinteressierte Bummler auf Werke aus glanzvollen Zeiten, etwa die Hochrenaissance-Meisterwerke des Giovanni Bellini.

Pasta und ein Glas Frascati-Wein

Alltag in der Altstadt: Wie hier am Campo de' Fiori sind Kleriker im historischen Zentrum Roms sehr präsent.

Am Tiberufer wartet Kaiser Augustus auf ein „Buongiorno“. Sein Friedensaltar und das Museum Ara Pacis sind Tagesgespräch in Rom. Bürgermeister Giovanni Alemanno mag den strikt zeitgenössischen Bau ganz in Weiß nicht, den der amerikanische Stararchitekt Richard Meier zum Schutz der Anlage entwarf. Am liebsten würde Alemanno ihn abreißen lassen. Also muss man sich beeilen, das hypermoderne Stück Architektur aus Glas und Stahl zu sehen.
Zu Mittag eine Pasta und ein Glas Frascati-Wein. Spaghetti alle vongole oder doch lieber die Involtini (Rouladen) auf römische Art? Mal sehen, was Il Gusto, gleich bei Augustus um die Ecke, auf der Karte hat. Es ist ein Tag, an dem man draußen auf der Terrasse an der Piazza Augusto Imperatore Platz nehmen und sich zurücklehnen kann. Herrlich!

Il Gusto ist ein gastronomischer Magnet: Osteria und Café, Pizzeria und Weinbar, Käseladen und Geschäft für feine Küchenutensilien – all das ist hier vereint.

Dolce Vita im 21. Jahrhundert. Dann dorthin, wo die berühmteste Szene aus dem Film „La Dolce Vita“ vor 50 Jahren gedreht wurde. Leider: Fellinis Via Veneto ist heute zum sterilen Reichentreff verkümmert. Und stiege Anita Ekberg noch einmal in den Trevi-Brunnen – Gaffer und Carabinieri wären gleich schnell zur Stelle. Für Illusionen muss man heute eine Kinokarte kaufen.

Da gibt es zum einen das Metropolitan an der Via del Corso. Von außen sieht es aus wie ein klassisches Café mit Tischchen und Bar. Alternative im historischen Zentrum ist das Nuovo Olimpio in der kleinen Via in Lucina. Beliebt ist auch das versteckt in Trastevere gelegene Nuovo Sacher, ein vom Regisseur Nani Moretti eingerichteter Treffpunkt für Kinoliebhaber. Nach dem Kinobesuch lädt eine Filmbuchhandlung in der Nähe zum Schmökern und zum Brunch ein. Zeit für einen Aperitif.

Grandiose architektonische Trümpfe

Während der Römer normalerweise einen weiten Bogen um den Touristenmagneten Piazza Navona macht, ist das in einer verschwiegenen Nebengasse versteckte Caffé della Pace seit ewigen Zeiten ein Anziehungspunkt der Intellektuellen und derer, die sich gern dafür halten. Oder man entscheidet sich für die Canapés im Salotto 42, dem ebenso schicken wie gemütlichen Treffpunkt an der charmanten Piazza di Pietra gegenüber der Handelskammer.

Rom

Noch ein Sprung ins Museum vor dem Abendessen – oder eher danach? Der Palazzo delle Esposizioni lädt am Freitag und Samstag zum spätabendlichen Besuch ein. Der Prachtbau an der Via Nazionale zieht allein schon wegen seiner grandiosen architektonischen Trümpfe die Kunstinteressierten an, und am Abend herrscht nicht nur eine besondere Atmosphäre, man tritt sich auch nicht auf die Füße. Und dann zu Perilli in das Viertel Testaccio, das Roms Szenepublikum seit einiger Zeit für sich entdeckt hat.

Unscheinbar an der breiten Via Marmorata gelegen, gehört Perilli zu jenen Osterien, die an die gute alte Zeit erinnern. An die Zeit eben, als Federico Fellini in Rom „La Dolce Vita“ drehte.

REISE-INFOS ZU ROM

REISEZIEL Rom liegt in der Region Latium am Ufer des Tiber und ist mit rund drei Millionen Einwohnern die größte Stadt Italiens. Rom war in der Antike Hauptstadt des Römischen Reichs (daher die Bezeichnung „Ewige Stadt“) und ist seit 1871 Hauptstadt des wiedervereinigten Italiens.

ANREISE Die Lufthansa fliegt zum Spartarif von 100 Euro inlusive Steuern und Gebühren von München nach Rom und zurück. Im Reisebüro oder online unter www.lufthansa.de.

RUMKOMMEN Roms Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden – mit dem Auto kommt man dagegen nur schlecht voran.

SIEBEN HÜGEL Der Überlieferung zufolge wurde Rom im Jahr 753 v.Chr. auf einem der sieben Hügel gegründet. Ein guter Ausgangspunkt für die Besichtigung des historischen Zentrums ist der Palatin, der Residenzhügel der Kaiser. Im Tal zwischen dem Palatin und dem Kapitol befand sich das Forum Romanum, das Zentrum des städtischen Lebens im antiken Rom.

PAUSCHALREISE Einwöchige Busreisen nach Rom sind über das Münchner Unternehmen Geldhauser ab 326 Euro zu buchen, der Taxiservice zum Bus, Vier-Sterne-Hotel mit Frühstück und Reiseleitung inklusive. Katalog und Infos unter Tel. 089/220861, im Internet: www.geldhauser.de oder im Büro im Rathaus am Marienplatz. Ein Erlebnispaket „Rom auf den ersten Blick“ mit drei Übernachtungen im Vier-Sterne-Hotel, Stadtrundfahrt, Flughafen-Transfers und Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel gibt’s bei Dertour ab 303 Euro.

DREHORTE Die Via Vittorio Veneto war Hauptschauplatz von Fellinis Film „La Dolce Vita“. Weltberühmt wurde die Badeszene mit Anita Ekberg im Trevi-Brunnen. Das „Süße Leben“ auf der Via Veneto war eigentlich eine Erfindung Fellinis. Erst durch den Erfolg des Films wurde die Straßenmeile in der 60er-Jahren zum Ziel der Stars und Sternchen.

WEITERE INFOS Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT in München, Tel. 089/53 13 17, Internet: www.enit.de.

50 Jahre Dolce Vita

Anita Ekberg im Trevi-Brunnen: Im Museo Nazionale del Cinema in Turin ist bis zum 21. März eine Ausstellung mit Bildern rund um Fellinis Film „La Dolce Vita“ zu sehen. Infos unter www.museocinema.it.

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