Im Sattel zu den Sennern

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Ein Almritt ist der Höhepunkt beim Reiterurlaub in der Wildschönau

Einmal pro Woche quartieren sich Reiter samt Rössern in der Wildschönau beim Senner auf der Neuhögenalm ein und übernachten dort im Stadel überm Kuhstall.

Der Ritt zählt zu den aufrengendsten und romantischsten Abenteuern, die das Hochtal in den Kitzbüheler Alpen zu bieten hat. Autorin Andrea Hammerl konnte mit der Tour ihre beiden Kinder Charlotte (12) und Oliver (15) noch einmal mühelos für einen Familienurlaub gewinnen.

Wann ist Oliver zuletzt so früh aufgestanden, ganz ohne Murren? Das muss gefühlte zehn Jahre her sein. Doch kaum ist Michael Fills Ruf „alle aufstehen“, verklungen, ist er tatsächlich auf, um 4.45 Uhr! Wie es überhaupt gelungen ist, einen 15-Jährigen zum gemeinsamen Familienurlaub nach Österreich zu motivieren? Wir wollten in den Bergen wandern, Charlotte (12) wollte reiten. Den Ausschlag für Oliver gab die Chance auf einen Abenteuerritt, hinauf auf die Alm mit Übernachtung im Heu. Im idyllischen Hochtal Wildschönau haben wir alle Wünsche unter einen Hut gebracht.

Duft der frisch gemähten Almwiesen

Papa ist noch nie geritten und so darf er am Hotelpool relaxen. Mama, die in ihrer Jugend regelmäßig per Pferd im Gelände unterwegs gewesen ist, hat die Auffrischungsreitstunde bei Reitlehrer Michael Fill auf Anhieb bestanden. Schließlich muss, wer auf die Alm will, erst einmal zeigen, dass er sein Pferd beherrscht. Michael hat seine Argusaugen überall. Die Reiter gewöhnen sich schnell daran, mit den Namen der Pferde angesprochen zu werden. Das hat den Vorteil, dass auch die Vierbeiner auf sein Kommando hören – manchmal schneller, als der Zweibeiner im Sattel reagieren kann.

Am Spätnachmittag sind wir in Mühltal aufgebrochen auf die knapp 900 Meter höhergelegene Neuhögenalm, wo uns 56 Kühe, 20 Ziegen und das Sennerpaar Josef und Maria Hörbiger erwarten – mit einer Grilljause vor der Hütte. Erste Hürde ist die Wildschönauer Ache. Ein Weg in dem steinigen Bachbett ist nicht erkennbar, das schnellfließende Wasser ist 20 bis 30 Zentimeter tief. Michael traut uns das zu und ermutigt, vorauszureiten, während er die insgesamt neunköpfige Gruppe sammelt.

Abenteuer im Sattel

Ob Fritz den Weg kennt? „Fritz kennt den Weg“, bestätigt Michael grinsend. Der 13-jährige Haflingerwallach aber schaltet auf stur und lässt seine Reiterin um jeden einzelnen Schritt kämpfen. Richtung Auffach geht es in munterem Trab. Im Dorf winken uns Einheimische wie Gäste fröhlich zu und eine Frau ruft vom Balkon herab:„Schaut doch, einer schöner als der andere“. Ob sie uns oder die Pferde meint? „Das kannst dir aussuchen“, lacht Michael.

Nach dem Ritt: Am Brunnen vor der Alm waschen Charlotte und Oliver das Zaumzeug. Die Pferde stehen zur Nachtruhe schon im Stall.

Drei Stunden brauchen wir nach Neuhögen, der Weg wechselt von Asphaltstraße über Schotterweg bis hin zum schmalen Gebirgspfad ab der Thaleralm. Noch einmal genießen wir den malerischen Blick ins Tal hinunter, dann müssen wir aufpassen. Den Pfad haben wir inzwischen verlassen, reiten der Pferdenase nach bergauf, lassen die erfahrenen, trittsicheren Tiere sich ihren Weg zwischen Gesteinsbrocken und Schlammlöchern selber suchen – sie wissen es definitiv besser als wir, die wir kurz darauf mit Wackelpudding in den Beinen aus dem Sattel rutschen. Den Pferden reicht es auch. Immer wieder hat es unterwegs kleinere Drohgebärden gegeben.

„Raktan mag keine Haflinger“, hat Michael uns aufgeklärt, der daher Haflinger und Großpferde im Kuhstall, wo sie die Nacht verbringen werden, so weit wie möglich voneinander trennt. Was Jungstier Toni wohl über die seltsame Einquartierung denken mag? Er drängt sich in seine Ecke und glotzt. Im Stall nebenan bewacht die verletzte Kuh Lizzy unsere Sättel, und eine Etage höher bereiten wir unser Nachtlager aus Heu und Schlafsack.

Das Rauschen des Baches, fernes Kuhglockengeläut und die Tritte der Pferde unter uns begleiten unseren Dämmerschlaf. Die Nacht ist kurz, weil die Kühe zum Melken in den Stall müssen, sodass wir nach kurzem Stehkaffee in der Almhütte wieder aufbrechen. Zunächst heißt es laufen, um wachzuwerden und die Tiere zu entlasten. Kurz bevor die Sonne über dem gegenüberliegenden Höhenzug mit Roßkopf und Markbachjoch aufgeht, steigen wir wieder in die Sättel, und genießen den Duft der frisch gemähten Almwiesen und den traumhaften Blick auf das weichgezeichnete Bergpanorama im sanften Morgenlicht. Und sogar Oliver ist sich ziemlich sicher, dass sich für sowas das frühe Aufstehen doch einmal wirklich lohnt.

REISE-INFOS ZUM REITERURLAUB IN DER WILDSCHÖNAU

REISEZIEL Das 24 Kilometer lange Hochtal Wildschönau mit den vier Kirchdörfern Niederau, Oberau, Thierbach und Auffach erstreckt sich auf 800 bis 1.200 Meter in den Kitzbühler Alpen, eine Autobahnabfahrt hinter Kufstein.

WANDERN 300 Kilometer markierte Wanderwege ermöglichen sowohl entspannte Almspaziergänge als auch anspruchsvolle Bergtouren.

BERGBAHNEN Die beiden Bergbahnen sind von Mai bzw. Juni bis Anfang Oktober in Betrieb. Die Wildschönau-Card (Familienangebot für sechs Tage 80,50 Euro für Eltern mit Kindern bis 15 Jahre) ermöglicht kostenlose Nutzung der Bergbahnen sowie Eintritt in Schwimmbad, Bergbauernmuseum, Erlebnisbergwerk Thierbach, Tennisspielen und vieles mehr.

REITERFERIEN Im Paket bietet die Wildschönau von Mai bis Oktober in verschiedenen Hotels und Pensionen ab 271 Euro pro Person für sieben Tage an. Preisbeispiele Haflingerhof: Halbpension, Kutschfahrt, drei Reitstunden (Halle oder Ausritt), Sauna, Schwimmbad ab 273 Euro. Ein Almritt ist für 90 Euro dazu buchbar. Hotel Haflingerhof, Familie Berger, Mühltal 172, Tel. 0043/5339-8810.

WEITERE INFOS Zur Wildschönau beim Tourismusverband in Oberau, Tel. 0043/5339- 8255-0, im Internet: www. wildschoenau.com.

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