Perfektes Trio: Vicenza, Verona und Gardasee

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Am Ostufer des Gardasees finden Urlauber hübsche Städtchen wie Lazise.

Zum Gardasee fahren Urlauber zum Surfen, zum Mountainbiken, zum Wandern. Alles schön und gut. Doch es gibt auch Vicenza und Verona.

Nur noch ein paar Haarnadelkurven müssen genommen werden, an den sanften Hügeln der Weingegend vorbei. Noch versperren stolze Zypressen, schnurgerade aufgereiht, den Blick auf den See, den die deutschen Urlauber so sehr lieben. Dann liegt er endlich vor Augen, Lago di Garda, abwechslungsreiches, langgezogenes Schmuckstück der Natur.

Die Gegend ist von letzten Ausläufern der Südalpen geprägt, sie hat nicht nur den Massen der Wassersportler im Sommer eine Menge zu bieten. Wir sind hier in einer kulinarischen Ecke - wo denn nicht in Bella Italia? Und im Osten glänzen die Kulturperlen Verona und Vicenza.

Palladios Meisterwerk, der Stadtpalast "La Rotonda", liegt etwas außerhalb von Vicenza.

Ob im Weinort Bardolino, in Garda oder in Torri del Benaco - in vielen Orten am Ostufer können Reisende in dem klaren Wasser aus den Bergen baden. Auf dem Weg nordwärts wird der zunächst bauchige Gardasee enger, die schroffen Berge rücken näher ans Ufer. Im Sommer toben sich Anhänger aller modernen Wassersportarten hier aus, nun liegt der See nonchalant da - solange es keine Unwetter gibt. Die Bergkulisse steigert sich dramatisch, bis hin zum 2200 Meter hohen Monte Baldo, der auch noch in Malcésine über allem wacht.

Herbst und Frühjahr sind die beste Zeit, um auch Ziele nahe des Gardasees kennenzulernen. Da ist zum Beispiel das reiche Verona, von der Etsch sanft zwischen zwei Schlaufen eingezwängt. Der Stadtkern wurde von der Unesco vor einem Jahrzehnt zum Weltkulturerbe erklärt, die Balkone der schmucken Bürgerhäuser und Palazzi sind blumengeschmückt. Apropos Balkon: Natürlich ist der berühmte Vorbau in einem kleinen Hof der Via Cappello ein Star. Es ist der Balkon aus Shakespeares Liebesdrama “Romeo und Julia“, auf dem sich heute Touristinnen ablichten lassen.

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Auch wenn er ein Stück gotischer Architektur im römischen Ambiente ist, ist der Balkon nicht zu den ganz großen Sehenswürdigkeiten Veronas zu zählen. Zu ihnen gehört die römische Arena, noch heute Ort farbenprächtigster Schauspiele. Die bekannten Opernfestspiele wurden in den Sommer gelegt. Herausragend neben der Arena ist vor allem die etwas abseits im Nordwesten des historischen Kerns gelegene Basilika Zeno Maggiore, ein Meisterwerk romanischer Baukunst in Italien.

Der Wein und eine gute norditalienische Kost gehören zu den angenehmen Klammern einer Reise zu Kultur und Natur. Am Gardasee bereits auf den roten Bardolino gestoßen, führt der Weg nach Verona durchs weitläufige Gebiet der Valpolicella-Weine. Diese Tropfen sind den Deutschen bekannt, weniger jedoch die Tatsache, dass hier mit dem Bianco di Custoza auch ein ansprechender Weißer produziert wird. In Venetien gibt es nicht weniger als 25 ausgewiesene Weinproduktionszonen. Wer das mag, kommt bei einer Portion Bigoli - dicke Hartweizen-Spaghetti - überall auf seine Kosten. So auf dem Weg nach Vicenza, der zweiten Kulturperle, über die “Soave-Weinstraße“. 

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In Vicenza, eine Autostunde östlich von Verona, strahlt alles durch die Kunst eines einzigen, einzigartigen Baumeisters: Andrea Palladio, dessen 500. Geburtstag vor wenigen Jahren gefeiert wurde. Sicher, man kann auch in Vicenza prima flanieren und einkaufen gehen, samtiges Olivenöl oder Balsamico-Essig aus dem nicht weit entfernten Modena erwerben - aber bitte erst nach dem Besuch der vielen Höhepunkte seiner Baukunst. Das ist in der Stadt selbst vor allem das beeindruckende “Teatro Olympico“ und etwas außerhalb das Meisterwerk “La Rotonda“, ein Stadtpalast auf dem Land mit streng ausgerichteten Seiten und einer übermächtigen Kuppel.

Der Stadtkern Veronas wurde von der Unesco vor einem Jahrzehnt zum Weltkulturerbe erklärt.

Genug der Kultur, der See ruft noch einmal zum Baden oder zu einer Wanderung. Dafür bietet sich die “klassische Seite“ des Lago di Garda an, der im Westen nicht mehr zu Venetien gehört, sondern zur Lombardei. Klassisch deshalb, weil man, von Süden kommend, am ebenso hübschen wie geschichtsträchtigen Städtchen Salò vorbei zu den prunkvollen alten Hotels der “Gründerzeit“ des Gardasee-Tourismus gelangt. Über Gargnano, Tignale und Limone verläuft die Seestraße auf einem Hochbalkon über dem Wasser mit etlichen Tunneln zur Nordspitze Riva di Garda. Das ist dramatisch und bizarr, so ganz anders als die überlaufene Sirmione-Halbinsel im Süden. Wenn man auf der Nordtour bei Tremosine plötzlich hoch über dem See ankommt, geht die Abfahrt durch steilste Schluchten und uralte Tunnel halsbrecherisch wieder in die Tiefe. Auch das Wetter überrascht am Gardasee oft: Gerade eben schwirrten noch Dutzende Paraglider wie ein Mückenschwarm über dem gletscherblauen Wasser, jetzt vertreibt sie ein Gewitter mit Blitzen und Sturzregen. Dann heißt es, noch einmal die Kamera zu zücken, um festzuhalten, welche Schattierungen das launische Wetter aufs Wasser wirft. Der See nimmt es gelassen. So wie er die Millionen an seinem Gestade erträgt.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

REISE-INFOS ZUM GARDASEE

ANREISE: Der beste Weg zum Gardasee und nach Verona ist die Brennerautobahn A22, die nahezu schurgerade von Südtirol gen Süden führt. Mehrere Low-Cost-Fluggesellschaften bieten Flüge von deutschen Städten nach Verona, Brescia und Bergamo an.

MEHR INFOS: Italienisches Fremdenverkehrsamt unter www.enit.de.  

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