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Pauschalurlaub wegen Coronavirus abgesagt: Müssen Reisende einen Gutschein akzeptieren?

An Ostern herrschte gähnende Leere in den Urlaubregionen. Wird sich das bald ändern?
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An Ostern herrschte gähnende Leere in den Urlaubregionen. Wird sich das bald ändern?

Die Corona-Krise hat viele Urlaubspläne ins Wanken gebracht. Veranstalter versuchen Kunden mit Gutscheinen zu entschädigen - aber müssen Urlauber das akzeptieren?

  • Die Corona-Krise hat die Reisebranche* stark ins Wanken gebracht.
  • Die Veranstalter versuchen sich mit Gutscheinen als Erstattung über Wasser zu halten.
  • Welche Rechte Urlauber haben und wann Reisen voraussichtlich wieder möglich sein wird, erfahren Sie hier.

Bis Pfingsten ist es nicht mehr lang und in wenigen Wochen beginnen in den ersten Bundesländern die Sommerferien. Für viele Menschen sollte das ursprünglich auch den Start in den Urlaub bedeuten. Stattdessen wurden von zahlreichen Veranstaltern die geplanten Reisen abgesagt. Bald könnte es aber eine Wende geben: Trotz der bis zum 14. Juni verlängerten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes werden Reisen ins europäische Ausland und innerhalb Deutschlands teilweise möglich sein, denn einige europäische Länder wollen ihre Grenzen für Sommerurlauber öffnen. Doch was passiert mit den Pauschalreisen, die dennoch nicht stattfinden können? Wir erklären, welche Rechte Pauschalurlauber in Zeiten von Corona haben.

Pauschalurlaub wegen Corona abgesagt? Das sind Ihre Rechte

Die Rechte der Urlauber regelt die EU-Pauschalreise-Richtlinie. Demnach müssen Urlauber ihr Geld zurückbekommen, wenn die Pauschalreise vom Veranstalter abgesagt wurde. Die Absagegründe spielen für den Erstattungsanspruch generell keine Rolle. Der Veranstalter ist verpflichtet, den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen nach Bekanntgabe der Absage in voller Höhe zu erstatten. Aktuell wenden sich extrem viele Urlauber an die Reiseveranstalter, was zu längeren Bearbeitungszeiten führt.

Die Corona-Krise kommt den Veranstaltern teuer: Laut ersten Schätzungen des Deutschen Reiseverbands verzeichnet die Reisewirtschaft aufgrund der Reisebeschränkungen Umsatzeinbußen in Höhe von circa 10,8 Milliarden Euro.

Müssen Reisende einen Gutschein als Erstattung akzeptieren?

Von sich aus bieten die meisten Veranstalter momentan fast ausschließlich Gutscheine an. Reisende können, müssen diese aber nicht annehmen und haben das Recht auf eine Rückzahlung der Reisekosten. Einen Vorstoß der Bundesregierung zur Gutscheinpflicht für ausgefallene Pauschalreisen hat die EU-Kommission im Sinne der Verbraucher abgelehnt. "Zwar sollten Pauschalreisen grundsätzlich vor Insolvenz der Reiseveranstalter geschützt sein, aber durch eine mangelhafte Umsetzung ins deutsche Recht besteht eine realistische Ausfallchance. Schon bei der Thomas Cook-Pleite konnte man sehen, dass der garantierte Insolvenzschutz nicht ausreichte. Urlauber sollten deshalb genau überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen möchten", sagt Oskar de Felice, Rechtsexperte bei Flightright.

Was können Urlauber tun, wenn der Veranstalter nicht zahlen will?

"Für sehr viele Reisende kommen Gutscheine überhaupt nicht infrage, weil sie in diesem Jahr keinen weiteren Urlaub planen, das Geld dringend anderweitig benötigen oder wegen gesundheitlicher Bedenken in absehbarer Zeit nicht verreisen möchten. Daher ist es extrem wichtig, dass sich die Veranstalter an geltendes Recht halten, den Kunden die Wahlfreiheit lassen und am Ende auch erstatten", so de Felice weiter. Reagiert der Veranstalter nicht auf die Erstattungsforderung oder verweigert sie, können sich Reisende anwaltliche Unterstützung suchen. Das bedeutet jedoch zeitlichen Aufwand und Kosten. Spezialisierte Internetportale können die bequemere Variante sein. Reisende können sich auf diesem Weg die Kosten für ihren ausgefallenen Urlaub meist unkompliziert zurückholen und kommen meist günstiger weg. 

Corona-Krise: Kann ich für diesen Sommer eine Reise buchen?

Für die Sommermonate gibt sich die Reisebranche vorsichtig optimistisch*. Einige Länder haben angekündigt, ihre Reisebeschränkungen aufzuheben. So soll es ab dem 1. Juli wieder möglich sein, nach Griechenland zu reisen und auch in den Niederlanden sollen dann Camping-Urlaube wieder erlaubt sein. Österreich plant ebenso, seine Grenzen für Sommerurlauber zu öffnen. Auch innerhalb Deutschlands, z.B. nach Mecklenburg-Vorpommern, sollen Urlaubsreisen ab Pfingsten wieder möglich sein.

Passend dazu: Campingplätze öffnen: Urlaub trotz Corona endlich wieder möglich - geht es ab Pfingsten aufwärts?

Erhalten Reisende ihr Geld zurück, wenn sie selbst stornieren?

Unter normalen Umständen gilt: Stornieren Urlauber ihre Pauschalreise selbst, fallen Stornogebühren an. Unter den jetzigen Bedingungen gibt es hierzu jedoch Ausnahmen. Aufgrund der bis Mitte Juni geltenden Reisewarnung von offizieller Seite liegt ein sogenannter "unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand" vor. Wenn ein solcher vorliegt, können Urlauber ihr Geld in voller Höhe zurückbekommen, wenn sie in diesem Zeitraum wegen Corona nicht reisen möchten und selbst von der Reise zurücktreten. Eventuell noch ausstehende Restzahlungen müssen Urlauber dann nicht mehr leisten.

Reisende sollten sich aber gut überlegen, ob sie jetzt schon von sich aus Reisen absagen, die in den Zeitraum nach der Reisewarnung fallen. Hierfür könnten dann wieder Stornogebühren fällig werden. Besser ist es, die Entwicklungen der nächsten Wochen und die Entscheidung des Veranstalters abzuwarten.

Lesen Sie auch: Ryanair kündigt an: Toilettengang in Flugzeug nur unter einer Bedingung erlaubt.

Diese Fehler bei der Reiserücktrittsversicherung sollten Sie dringend vermeiden

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
1. Tod oder unerwartete, schwere Erkrankung der versicherten Person oder einer Risikoperson (z.B. Angehörige oder Mitreisende). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
2. Unerwartete Impfunverträglichkeit. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
3. Schwangerschaft der versicherten Person oder einer Risikoperson. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
4. Erheblicher Schaden am Eigentum durch Feuer, ein Elementarereignis oder die Straftat eines Dritten (z.B. Einbruch). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
5. Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
6. Konjunkturbedingte Kurzarbeit über einen bestimmten Zeitraum mit Reduzierung des Bruttoeinkommens (mindestens 35 Prozent). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
7. Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses, falls die Person bei Reisebuchung arbeitslos war und das Arbeitsamt der Reise zugestimmt hatte. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
8. Arbeitsplatzwechsel, vorausgesetzt die Reise wurde vor Kenntnis des Wechsels gebucht und die Probezeit fällt in den Reisezeitraum. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
9. Wiederholung von nicht bestandenen Prüfungen an einer Schule oder Universität. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
10. Nichtversetzung eines Schülers (z.T. mit der Einschränkung: falls es sich um eine Schul- oder Klassenfahrt handelt). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
11. Bruch von Prothesen oder unerwartete Lockerung von Implantaten. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
12. Trennung (Nachweis der Ummelde-Bescheinigung) oder Einreichung der Scheidungsklage. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
13. Unerwartete gerichtliche Ladung, sofern das Gericht einer Verscheibung des Termins nicht zustimmt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
14. Unerwartete schwere Erkrankung, schwerer Unfall oder Impfunverträglichkeit eines zur Reise angemeldeten Hundes. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
15. Einladung als Trauzeuge zu einer Hochzeit, wenn der Termin in der Zeit des lange vorausgeplanten Urlaubs liegt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
16. Ausfall der Urlaubsvertretung eines Selbständigen, z.B. wegen Krankheit. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
17. Überraschende Qualifikation einer Sportmannschaft für das Bundesfinale, bei der die Teilnahme der Person (des Kindes) unverzichtbar ist. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
18. Unerwartete Verlegung eines Fußballderbys auf den Urlaubsbeginn des Dauerkartenbesitzers. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
19. Notwendiger Beistand einer schwer erkrankten Freundin bei einer unvorhersehbaren Verschlechterung der Krankheit. Hier ist eine Nennung von Zeugen notwendig, die das innige Freundschaftsverhältnis bestätigen. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
20. Unerwarteter Termin zur Spende von Organen oder Geweben (z.B. Knochenmark). © dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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