Behörde warnt

Ostsee-Urlaub 2021: Bedrohung im Meer? Behörde warnt

Ist der Ostsee-Urlaub 2021 in Gefahr? Behörden warnen aktuell vor bedenklichen Bakterien im Meer. Wer jetzt beim Baden besonders aufpassen sollte.

Dortmund – Urlaub in Deutschland ist in diesem Jahr aufgrund der zwar abflauenden, aber immer noch anhaltenden Corona-Krise beliebter denn je. Ganz oben auf der Liste der Top-Ziele stehen Regionen an der Ost- und Nordsee*. Eine aktuelle Warnung könnte nun der Urlaubsfreude einen Dämpfer versetzen. Denn in der Ostsee tummeln sich Bakterien, die auch für den Menschen nicht ganz ungefährlich sind, berichtet RUHR24*.

BakterienVibrionen
ArtenU.a. Vibrio vulnificus, Vibrio cholerae
VorkommenSüß- und leicht salzhaltige Gewässer
Folgen für den MenschenMagen-Darm-Infektion, Fieber, Schüttelfrost, tiefgreifende Wundinfektionen bis hin zur Nekrose

Ostsee-Urlaub 2021: Warmes Wasser bietet optimale Bedingungen für Bakterien

Genauer gesagt geht es um Vibrionen – Bakterien, die natürlicher Bestandteil des Ostseeplanktons sind. Steigen jedoch die Temperaturen, vermehren sich die Keime der Art Vibrio vulnificus sprunghaft und werden so zunehmend zu einem Gesundheitsrisiko für den Menschen.

Zwar macht der Sommer gerade gefühlt eine Pause, doch die erste Hitzewelle des Jahres im Juni* hatte dafür gesorgt, dass sich auch das Wasser der Ostsee ordentlich aufwärmen konnte – gepaart mit ohnehin schon, durch den Klimawandel bedingt steigenden Wassertemperaturen, finden die „fleischfressenden Bakterien“ dadurch optimale Bedingungen, um sich zu vermehren.

Urlaub an der Ostsee 2021: Behörden warnen vor Vibrionen-Gefahr

Angesichts von Wassertemperaturen um die 20 Grad in der Ostsee, haben nun gleich mehrere Behörden Alarm geschlagen und vor einer erhöhten Konzentration mit Vibrionen gewarnt. So haben das niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA), das Land Schleswig-Holstein und das Landesamt für Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS) ihre Informationen aktualisiert und darauf hingewiesen, dass aktuell die Gefahr einer Vibrionen-Infektion steigt.

Doch wie kann man sich überhaupt mit den Bakterien infizieren und welche Symptome dann treten auf? Muss ich deshalb meinen Ostsee-Urlaub 2021* absagen? Das NLGA gab zwar an, dass Erkrankungen durch Vibrionen in Deutschland relativ selten seien, sie sich jedoch durch einen ernsthaften Verlauf in Form von schweren Wundinfektionen und Blutvergiftungen auszeichnen können.

Bevor man also ins „kalte“ Nass springt, sollte man einen Blick auf die aktuelle Wasserqualität in der Ost- und auch Nordsee werfen. So veröffentlicht Mecklenburg-Vorpommern in einem Wochenbericht über gegebenenfalls auftretende Vibrionen-Infektionen. Eine Karte des ECDC-Geoportals zeigt ebenfalls an, in welchen Gewässern die Bakterien am häufigsten vorkommen. Sie wird täglich aktualisiert und zeigt die Konzentration in alle Meeren, Seen und Binnengewässer weltweit.

Vibrionen-Gefahr im Ostsee-Urlaub: So infiziert man sich mit den Bakterien

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, sich mit Vibrionen zu infizieren. Die größte Gefahr lauert dabei beim Baden. Wer eine Wunde hat und dennoch in der Ostsee schwimmen gehen möchte, sollte aufpassen. Denn die Übertragung der Bakterien erfolgt in der Regel durch eine Wundinfektionen.

Die Vibrionen dringen über die vorhandene Wunde in den Körper ein und können sich dort vermehren. Dabei ist es egal, ob es nur eine kleine, oberflächliche Verletzung oder auch eine tiefe Wunde ist. Weil sich auch die Erkrankung durch eine Wundinfektion äußert, werden Vibrionen auch „fleischfressende Bakterien“ genannt.

Beim Baden in der Ostsee ist Vorsicht angesagt. Bei steigenden Temperaturen nimmt auch die Konzentration mit den gefährlichen Vibrionen zu.

Eine weitere Möglichkeit, mit den Keimen in Berührung zu kommen, ist laut dem Robert Koch-Institut (RKI) der Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fisch, Muscheln und anderen Meerestieren. Heiko Will, Direktor des LAGuS in Mecklenburg-Vorpommern, gibt jedoch an, dass das in Deutschland selten der Fall sei. Eine Vibrionen-Infektion über die Nahrung trete, wenn überhaupt, eher im Mittelmeerraum auf.

Nach dem Baden in der Ostsee: Symptome einer Vibrionen-Infektion

Ist jedoch der Worst-Case eingetreten und man hat sich mit den fleischfressenden Bakterien infiziert, können folgende Symptome auftreten:

  • Nimmt man Vibrionen über das Essen auf, kommt es zu einer Infektion des Magen-Darm-Trakts. Bauchkrämpfe, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit sind dann typische Symptome. Laut dem RKI ist der Verlauf in der Regel jedoch relativ mild.
  • Infiziert man sich über eine Wunde mit den Keimen, kann das zur Folge haben, dass die bereits vorhandene Verletzung sich weiter entzündet und sich durch extremen Schmerz an der betroffenen Stelle auszeichnet.
  • Zudem können Fieber, Schüttelfrost und eine Sepsis (Blutvergiftung) auftreten. 
  • Das RKI warnt außerdem davor, dass oberflächliche Wundinfektionen sich schnell ausbreiten und zu tiefgreifenden Nekrosen führen können, wenn sie nicht adäquat behandelt werden. Eine solche Wundinfektion kann lebensbedrohlich werden und in wenigen, besonders ernsten Fällen auch tödlich enden.

Ostsee-Urlaub: Wer besonders bei einer Vibrionen-Infektion gefährdet ist

Die Behörden weisen darauf hin, dass besonders für ältere Menschen und Badegäste mit einer Immunschwäche eine Vibrionen-Infektion problematisch werden kann. Personen, die zu diesen Risikogruppen gehören, sollten daher das Baden vermeiden – insbesondere dann, wenn sie eine Hautverletzung haben.

Aber auch alle anderen sollten an warmen Sommertagen beim Sprung ins Meerwasser die Erreger im Hinterkopf behalten. Treten Symptome auf und es besteht der Verdacht, sich mit Vibrionen infiziert zu haben, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühestmögliche Behandlung – zum Beispiel mit Antibiotika – kann einen schweren Krankheitsverlauf abwenden.

Vibrionen in der Ostsee: So häufig sind Infektionsfälle mit den fleischfressenden Bakterien

Und auch, wenn die Gesundheitsämter und das RKI vor der Vibrionen-Gefahr in der Ost- und Nordsee warnen, kommt eine Infektion in Deutschland bislang noch relativ selten vor. So registrierte das LAGuS in Mecklenburg-Vorpommern im letzten Jahr insgesamt acht Infektionen und keinen Todesfall. 2019 gab es zwei Todesfälle bei immungeschwächten Personen im Zusammenhang mit Vibrionen.

Auch das niedersächsische Gesundheitsamt geht von zwei bis sechs Fälle pro Jahr aus. Allerdings sind Vibrio-Infektionen nicht meldepflichtig, sodass einige Fälle nicht bekannt werden. Dennoch wird die Wasserqualität in regelmäßigen Abständen überprüft und bei steigender Vibrionen-Gefahr eine Warnung ausgesprochen.

In der Meldung des LAGus vom 2. Juli heißt es jedoch aktuell, dass das Badewasser derzeit eine gute Qualität habe und das Baden an den etwa 500 ausgewiesenen Badestellen uneingeschränkt möglich sei. Bei steigenden Temperaturen könne sich die Situation jedoch schnell ändern. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Odd Andersen/AFP, Aribert Jung/Klett GmbH/dpa, Collage: RUHR24

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