Die harte Nuss aus Marrakesch

Auf den Spuren der Arganie in Marokko

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Alles in Handarbeit: Mühsam werden die Argannüsse aufgeschlagen, um das wertvolle Öl zu gewinnen.

Nur in Marokko wächst der Baum, aus dessen Fruchtkernen Arganöl gewonnen wird. Es ist nicht nur für den Gaumen ein Genuss, das Öl wirkt auch als Schönheitsmittel und Medizin.

Auf dem Djemaa el Fna, dem berühmtesten Platz von Marrakesch, herrscht Trubel. Gaukler gaukeln, Trommler trommeln, Äffchen turnen auf Holzkisten. Es riecht nach Kräutern und frisch Gebratenem, Einheimische und Touristen feilschen an den Kräuterläden. Vor einem Regal mit übereinandergestapelten Dosen und Flaschen sitzt eine Frau auf einem Holzhocker und hält einen ovalen Stein in den Händen. Mühsam schlägt sie die Arganfrüchte zwischen zwei Steinen auf und holt eine weißgelbe Mandel, etwa so groß wie ein Sonnenblumenkern, heraus. „Ein Geschenk Allahs“, sagt sie und hält die Frucht hoch. Der Inhaber des kleinen Ladens fordert die Besucher auf, es doch einmal selbst zu probieren. Ein Schlag, die Nuss bleibt heil. Ein zweiter Schlag, die Nuss rollt weg. Ein dritter Schlag, die Nussschale fliegt durch die Luft, der Mandelkern ist jedoch fein zerbröselt.

Arganbaum: Nur im Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien kommt der Arganbaum vor, der bis zu 400 Jahre alt werden kann. Die etwa dattelgroßen Früchte, in deren Kernen die kleinen, ölhaltigen Mandeln stecken, werden von Hand aufgelesen

Dass sich die Berberfrauen geschickter anstellen, ist nicht erstaunlich. Seit vielen Generationen pressen sie das marokkanische Gold, das aus den Samen des dornigen Arganbaumes gewonnen wird. Geerntet werden die Früchte im Süden Marokkos. Seit Jahrtausenden hat sich an der mühsamen Handarbeit nichts geändert, auch nicht für die Frauen, die die Früchte mit der Hand auflesen. Oder für die, die in der Ölkooperative in Tahanout im Ourika Tal unweit von Marrakesch arbeiten.
Täglich halten im Dorf Touristenbusse. Eine junge Frau, die Haare streng nach hinten gekämmt, wartet am Eingang und führt durch die Räume. Es riecht nach Mandeln. Frauen sitzen auf ausgebreiteten Teppichen, klopfen Nüsse auseinander, kneten dicken Nussbrei zu flachen Kreisen. Fatma dreht an einem kleinen Mühlenrad, bis aus der Öffnung eine braune Masse herausfließt. Ihre Nachbarin knetet die Paste mit lauwarmem Wasser so lange, bis sich das Öl herauslöst. Die 30-Jährige finanziert den Haushalt, bezahlt Schulgeld und Kleidung der Kinder. Auch ihre persönlichen Einkäufe für Kleidung, Kosmetik oder den Hamam-Besuch bestreitet sie aus eigener Tasche.

Vormittags produzieren die Frauen das handgepresste Öl. Nachmittags drücken sie die Schulbank, um Lesen und Schreiben zu lernen. All das funktioniert, weil die Frauen sich einer Kooperative angeschlossen haben und so ihr handgepresstes Argan­öl zu einem guten Preis verkaufen. Seitdem auch die Kosmetikindustrie die Vorzüge des Öls entdeckt hat, hat nicht nur Fatma Arbeit, sondern weitere 30 Frauen aus dem Dorf.

Die Mühe lohnt sich. Denn Arganöl hat viele ausgesprochen gute Eigenschaften. Wegen eines hohen Anteils von Vitamin E ist es ein Radikalfänger, es enthält außerdem wesentliche essenzielle Fettsäuren. Da ihm eine zellstimulierende Wirkung nachgesagt wird, gilt das Öl als natürliches Anti-Aging-Mittel. Kaum ein Luxushotel in Marokko, das in seinen Wellnessoasen nicht mit einer heilsamen Arganöl-Massage wirbt. Gourmetköche verfeinern damit Couscous, Fisch und Salate.

Heidrun Lange

Die Reise-Infos zu Marrakesch

REISEZIEL Das Königreich im Nordwesten Afrikas ist durch die ­Straße von Gibraltar vom ­europäischen Festland ­getrennt. Es hat eine ­Fläche von rund 450.000 Quadratkilometern und ­etwa 33 Millionen Ein­wohner. Hauptstadt ist ­Rabat (1,7 Millionen Einwohner), größte Stadt ist Casablanca (3,7 Millionen Einwohner).

ANREISE Royal Air Maroc fliegt zwei Mal wöchentlich von München nach Marrakesch. Preis: ab rund 330 Euro bei www.royalairmaroc.com.

ANGEBOTE Der Veranstalter SKR hat zwei Marokko-Rundreisen im Programm, bei denen jeweils eine Arganöl-Kooperative besucht wird: „Sagenhafte Königsstädte“

(8 Tage, mit Flügen, Ü/HP ab 1099 Euro) und „Königsstädte, Kasbahs & Oasen“ (15 Tage, Flüge, Ü/HP, ab 1398 Euro). Info und Buchung bei SKR, Tel. 02 21/93 37 24 58, www.skr.de.

AUSKUNFT Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf, Tel. 02 11/37 05 51, www.visitmorocco.com.

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