Light oder Flex? Neues Preismodell für Lufthansa-Kunden

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Lufthansa setzt auf eine neue Preisstruktur: Für die günstigsten Angebote ist dann zum Beispiel nur noch Handgepäck im Preis inbegriffen. Foto: Caroline Seidel

Neue Ticketpreise für Lufthansa-Kunden: Die Airline schafft ihr traditionelles Preismodell ab. Künftig muss wie bei der Konkurrenz von Ryanair, Easyjet und Co. bei preiswerten Tarifen für Extras wie aufgegebenes Gepäck zusätzlich bezahlt werden.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa setzt ab Herbst in der Economy-Klasse auf ein neues Preismodell, das vielen Flugreisenden bekannt vorkommen dürfte. Ab Dienstag (28. Juli) sind die neuen Preiskategorien dann buchbar.

Was ändert sich bei Lufthansa-Flugtickets?

Für Kurz- und Mittelstreckenflüge soll es ab dem 1. Oktober drei Preiskategorien geben: "Light", "Classic" und "Flex". Dabei gilt: Je günstiger der Grundpreis des Tickets ist, desto weniger Service ist inbegriffen. Für aufgegebenes Gepäck oder eine Umbuchung muss dann zum Beispiel extra bezahlt werden. Das Prinzip dürfte den meisten Passagieren bereits von anderen Airlines - vor allem den sogenannten Billigfliegern - vertraut sein.

Was hat das Unternehmen davon?

Die Lufthansa kann künftig die Preise noch stärker als bisher differenzieren. Die Hoffnung ist, die Flüge so besser auszulasten und unterm Strich mehr Gewinn zu erzielen. Denn jeder nicht verkaufte, leere Platz in einem Flugzeug tut den Airlines richtig weh. Die mangelnde Ertragskraft ist eins der großen Probleme der Lufthansa, die als etablierte Fluggesellschaft mit höheren Kosten als ihre jüngeren Konkurrenten kalkulieren muss.

Profitiert auch der Kunde?

Billigflieger wie Ryanair und Easyjet haben im vergangenen Jahrzehnt den Markt kräftig aufgemischt und Fliegen für viele Menschen erst erschwinglich gemacht. Auch Lufthansa-Flüge sollen mit dem neuen Preismodell für einige Passagiere günstiger werden. Die Entwicklung in der Branche hat aber auch eine Schattenseite: Zwar können die Kunden ihre Reise inzwischen direkt im Internet buchen und Preise selbst vergleichen. Doch parallel ist ein wenig transparentes Preiswirrwarr mit "Service-Entgelten" und anderen mysteriösen Zusatzgebühren entstanden. Außerdem kann sich der Preis für einen Flug online ständig ändern - und der Sitznachbar im Flieger hat am Ende für die gleiche Leistung vielleicht nur halb so viel wie man selbst bezahlt.

Warum sind die neuen Preise für die Lufthansa ein so großer Schritt?

Für die meisten Kunden dürfte das Preismodell kaum gewöhnungsbedürftig sein. Doch die Lufthansa hatte bisher versucht, sich von den Billigfliegern abzuheben und damit das Image aus alten Zeiten zu bewahren, als Fliegen auch in der Economy-Klasse noch einen Hauch von Luxus hatte. Zumindest die Getränke und Snacks an Bord sollen daher auch künftig umsonst bleiben. Bei den Billigfliegern zahlen die Passagiere dafür meist extra. Sie haben sich damit abgefunden, dass Fliegen nicht komfortabler - oder sogar unbequemer - als eine Busfahrt ist. Ryanair-Chef Michael O'Leary brachte sogar schon mal Stehplätze in Flugzeugen oder Toiletten-Gebühren ins Spiel - allerdings wohl nur aus Spaß.

Stehen für Lufthansa-Kunden noch weitere Änderungen bevor?

Der Konzern hatte bereits angekündigt, dass Flugtickets unabhängig von dem neuen Preismodell ab September 16 Euro teurer werden, wenn sie über ein globales Vertriebssystem (GDS) erstellt werden. Das ist bisher bei rund 70 Prozent der Tickets der Fall - zum Beispiel, wenn sie über Reisebüros, aber auch auf manchen Internet-Portalen gebucht werden. Außerdem will die Lufthansa unter der Dachmarke Eurowings eine eigene Billigmarke etablieren, was aber vor allem bei den Piloten auf Widerstand stößt. Alle Maßnahmen sollen helfen, die Einnahmen zu steigern und im wachsenden Konkurrenzkampf zu bestehen.

Zahlen: Mehr als eine Million Flüge im vergangenen Jahr, 119 000 Mitarbeiter weltweit. Ein Umsatz von 30 Milliarden Euro, aber nur 55 Millionen Euro Gewinn. Zählt zu den Leichtgewichten im Dax, ist weniger wert als Börsenneulinge wie der Online-Modehändler Zalando.

Chef: Carsten Spohr (48), seit 2014 im Amt. Schwerster Moment: Das größte Unglück in der Geschichte des Unternehmens, der Germanwings-Absturz im März in Südfrankreich.

Freunde: Gehört mit United, Air China und anderen zur Star Alliance, hat Töchter wie Germanwings, Swiss und Austrian Airlines.

Feine: Die Nummer zwei in Deutschland, Air Berlin, ist angeschlagen. Eher zu schaffen machen dem Kranich Billig-Konkurrenten wie Ryanair und die finanzstarken Airlines aus dem Mittleren Osten.

Streiks: Sind in dem Traditionskonzern ein Dauerbrenner und drücken den Gewinn. Besonders hartnäckig sind die Piloten, die zuletzt jedoch ein Kompromissangebot vorlegten.

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