Musiker zeigt seine Stadt

Leslie Mandoki: Mein Budapest

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„Als Kinder haben wir am Ufer der Donau gespielt“: Leslie Mandoki auf dem Balkon des Parlaments mit Blick über den Fluss auf das hügelige Buda

An diesem Wochenende erscheint „Budabest“, eine fulminante Sammlung von Musiktiteln, die Leslie Mandoki mit internationalen Stars in seiner Heimatstadt Budapest eingespielt hat.

Wie sehr er mit der Donaumetropole verwurzelt ist erzählte der Musiker, Komponist und Bandleader unserer Gesellschaftskolumnistin Maria Zsolnay bei einer ganz persönlichen Stadtführung an Orten, die ihn geprägt haben, die er besonders liebt, weil man dort die ungarische Seele spüren kann. „Die Ungarn sind ein Lebevolk“, weiß Mandoki.

Wenn Leslie Mandoki eine Reise nach Budapest plant, wechselt er den Geldbeutel. „Ich habe immer einen eigenen mit ungarischen Forint in meiner Schreibtischschublade liegen.“ Rascher noch als Geld wechselt der 60-Jährige die Sprache. Ungarisch ist seine Muttersprache, Budapest seine Geburtsstadt, in die er immer wieder zurückkehrt. Uns hat er jetzt auf eine sehr persönliche Reise mitgenommen – zu den Orten, die unmittelbar mit seinem Leben und seiner Karriere verbunden sind, an denen er seiner Vergangenheit aber auch der Zukunft dieser geschichtsträchtigen Stadt begegnet.

Vor fast 40 Jahren hätte er nicht gedacht, dass er je als freier Mann in seine Stadt zurückkehren kann. Damals, 1975, wurde die Luft für Laszlo, so sein Geburtsname, hinter dem Eisernen Vorhang immer dünner. Seine Jazz-Rock-Band Jam wurde von der Jugend zwar geliebt, dem kommunistischen Regime war sie ein Dorn im Auge. Kontakt mit internationalen Stars? Stattdessen Bespitzelungen und Drohungen. „Ich musste einfach gehen. Ich hatte nicht den Mut zu bleiben.“

Mit zwei engen Freunden plante er die Flucht durch den Karawankentunnel in die Freiheit. Ein lebensmüdes Unterfangen, acht Kilometer durch den streng bewachten Eisenbahntunnel. Schließlich landeten die drei im Auffanglager Zirndorf.

Mandokis Lebensgeschichte ist die vom Asylbewerber zum Millionär. Denn er hat es geschafft, die Lebensweisheit zu verwirklichen, die ihm sein Vater mit auf dem Weg gegeben hat: „Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben.“ Sein Vater, selbst aktiver Kämpfer gegen das kommunistische Unterdrückungsregime, war es auch, der ihm bereits als Teenager den Fluchtgedanken einpflanzte.

Seine Heimat, wie er selbst sagt, ist jetzt Bayern, wo er für die CSU kandidierte und in Tutzing am Starnberger See lebt – mit Ehefrau Eva und seinen drei Kindern. In seinen Park Studios bastelt er unablässig am Mandoki-Sound: An den Wahlkampfsongs für Angela Merkel genauso wie an Werbejingles für Sixt und Allianz. Mandoki ist Musicaldirektor für Weltfirmen wie VW, Disney und Dreamworks und untermalt die Erfolge des FC Bayern musikalisch. In unzähligen Songs und Shows steckt Mandoki drin, obwohl es nicht immer unbedingt draufsteht. Nur wenn der Name Dschinghis Khan fällt, weiß jeder gleich Bescheid. Oder die Girlband No Angeles, für die er sechsmal Platin bekam.

Seit 20 Jahren hat er ein echtes Herzensprojekt, die Soulmates: Internationale Superstars wie Chaka Khan, Al Di Meola, Jack Bruce (Cream), Till Brönner, Ian Anderson (Jethro Tull), Bobby Kimball (Toto) und Peter Maffay spielen gemeinsam in einer Band Kompositionen von Mandoki und auch ihre eigenen Hits. Auch Stargeiger David Garrett ist hin und wieder dabei.

Die Krönung dieses Projekt fand im vergangenen Februar in Budapest statt: ein gigantisches Konzert zum 20-jährigen Bestehen der Soulmates und zum 60. Geburtstag von Mandoki. Im Parlament wurde er mit großen Ehren empfangen – Präsident Viktor Orbán sagte: „Wir sind stolz auf diesen erfolgreichen Ungarn.“ Damit schloss sich für den „ungarischen Bayern“ wieder der Kreis. Dorthin, wo alles begann, ist er wieder zurückgekehrt. Übrigens: Mandoki hat nicht nur immer ungarische Forint parat, auch für Dollar und englische Pfund hat er einen eigenen Geldbeutel. Mandoki ist zwar in Ungarn geboren, doch eigentlich ist er Weltbürger.

Maria Zsolnay

Lieblings-Lokal

Das Kéhli Vendéglö

Das Kéhli Vendéglö wirkt wie aus der Zeit gefallen, mit seiner hölzernen Einrichtung und der deftigen bürgerlichen Küche. Leslies Lieblingsessen: kräftige Fleischbrühe zu der ein riesiger heißer Markknochen gereicht wird (Mokus u. 22).

Café Gerbeaud

Café Gerbeaud

Hier trafen sich einst die Budapester Künstler. Auch vor und nach den Auftritten mit seiner Band Jam hing Leslie in dem 1888 gegründeten Kaffeehaus ab. „Offizieller Schnaps war sehr teuer“, erinnert er sich. „Deshalb bot uns der Kellner unter der Hand Selbstgebranntes an – im Orangensaft.“ (Vörösmarty tér 7).

Musikakademie Liszt

Musikakademie Liszt

Über dem Eingang der frisch renovieren Musikakademie thront ihr Namensgeber: Franz Liszt. Das Haus ist ein beeindruckendes Beispiel ungarischen Jugendstils und die musikalische Heimat Leslie Mandokis. Hier studierte er Schlagzeug, Komposition, Bandleader. „Ich musste besser sein als die anderen. Gerade weil meine Eltern in der Opposition waren.“ (Liszt Ferenc ter 8)

Szimpla-Kneipen

Szimpla-Kneipen

Alte Stehlampen, wacklige Stühle, Kritzeleien, ausrangierte Möbel: in dem Innenhof und den darüberliegenden Räumen siehts aus wie auf dem Flohmarkt. Die Szimpla-Abbruchkneipen in Budapests baufälligen Häusern, sind Leslies Lieblingsplätze: Jung, unaufgeregt, lässig. „Auch wenn ich nur einen Abend in Budapest bin, komme ich hierher.“ (Kazinczy utca 14)

Im Herzen der Macht

Das Budapester Parlament

Das Budapester Parlament thront mächtig und breit an der Donau. Auch innen ist der neogotische Bau kaum zu fassen: Nur wenige der 691 Räume sind überhaupt offen und zu besichtigen. Leslie zeigt Reporterin Maria Zsolnay, wo er im Februar von Orbán als stolzer Ungar ausgezeichnet wurde. „Es berührt mich, wenn man mit Musik etwas bewegen kann.“ (Kossuth Lajos tér 1-3)

Das Album

Es ist ein weltweit einzigartiges Musikprojekt, das Leslie Mandoki schon vor 20 Jahren initierte und jetzt zu Ende brachte. Internationale Stars aus Rock und Jazz trafen sich Anfang des Jahres in Budapest, um ihre größten Hits gemeinsam zu spielen. Mandoki Soulmates Budabest, die Box mit drei CDs, ist ein Feuerwerk an Spielfreude und Virtuosität.

Die Leserreise

Im Frühjahr 2014 wird Leslie Mandoki unsere Leser im Rahmen eines ganz persönlichen Städtetrips durch Budapest begleiten, zu Orten, die in seinem bewegten Leben eine wichtige Rolle gespielt haben, und dabei viel erzählen von der Geschichte der Donaumetropole. Den genauen Termin und weitere Infos erfahren Sie demnächst im Reiseteil.

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