Shiva, Vishnu und Brama

Zeugen der Vergangenheit auf der Insel Java

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Sonnenaufgang am Tempel Borobodur

Stille Andacht und ungezählte Handykameras: Zwei der bedeutendsten Tempel Asiens liegen in enger Nachbarschaft auf der indonesischen Insel Java.

Yogyakarta ist das kulturelle Zentrum der indonesischen Hauptinsel Java. In einer Entfernung von 20 und 40 Kilometern liegen gleich zwei der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes: die Tempel Borobodur und Prambanan. In der größten muslimischen Nation der Welt zeugen sie inzwischen von der religiösen Vergangenheit.

Prambanan ist der Hindu-Gottheit Shiva gewidmet, der Borobodur ist der größte buddhistische Tempel des Inselreiches. Beide gehören zum Weltkulturerbe der Unesco, beide sind Anziehungspunkte für Touristen, und beide sind damit wichtige Wirtschaftsfaktoren für die Region. Viele Besucher beginnen ihre Indonesien-Reise in Yogyakarta.

Unesco-Weltkulturerbe: der Tempel Prambanan.

Der Weg führt zunächst zum Prambanan-Komplex. Dort fallen sofort die drei riesigen Türme des Lara-Jonggrang-Tempels ins Auge. Der höchste misst 47 Meter. Die Anlage entstand im 9. und 10. Jahrhundert. Mutmaßlich, so erklären die Archäologen, wurde die Anlage von einem König namens Dhaksa erbaut. Sie diente der Verehrung des Hindu-Gottes Shiva. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent der Indonesier Muslime, damit zeugt der größte Shiva-Tempel des Landes von einem im Inselreich fast vollends untergegangenen Glauben.

Die Anlage ist als Viereck angelegt, umgeben von Mauern und vier großen Toren. Auf der höchsten der davon umschlossenen Terrassen liegen die drei hohen Tempel für Shiva, Vishnu und Brama. Auf einer etwas niedrigeren Ebene finden sich drei weitere, kleinere Tempel. Einige sind zugänglich, andere werden gerade restauriert - die Konservatoren sperren von Zeit zu Zeit jeweils andere Bereiche. Zahlreiche in den Stein getriebene Reliefs zeigen religiöse Szenen und Symbole.

Religiöse Szenen sind im Tempel Prambanan in Stein gemeißelt.

Auf dem mehrere Hektar großen Gelände finden sich noch weitere Anlagen, Hauptattraktion für ausländische und einheimische Touristen und die vielen Schulklassen ist aber Lara Jonggrang. Auf dessen steilen Treppenstufen werden die ausländischen Besucher von den Einheimischen immer wieder gebeten, für ein Foto zu posieren. Handykameras werden gezückt.

Mitten in der Nacht fahren viele Touristen von Yogyakarta aus zum zweiten großen Tempel, dem Borobodur. Im Licht der gegen 05.45 Uhr aufgehenden Sonne ist der mächtige buddhistische Tempel mit seinen sieben pyramidenartig aufeinanderfolgenden Ebenen besonders eindrucksvoll.

Der für indonesische Verhältnisse extrem hohe Eintrittspreis von 180 000 Rupien (rund 13 Euro) berechtigt dazu, bereits in der Nacht mit der Taschenlampe zum Tempel zu gehen und auf den Stufen Platz zu nehmen, um den Sonnenaufgang zu betrachten. Über der langsam heller werdenden Ebene zu Füßen des Borobodur schält sich bald der Vulkan Merapi aus der Nacht.

Zugleich beginnt das Morgengebet der Muezzine. Ihre Lobpreisungen schallen bis zum Tempel hinauf. Für etwa anderthalb Stunden - von 04.30 bis 06.00 Uhr - lässt sich dem Anbruch des Tages zusehen. Erst danach kommt der Großteil der Besucher.

Erhaben im Morgengrauen: der Tempel Borobodur.

Das Bauwerk entstand zwischen den Jahren 778 und 850 unter der Sailendra-Dynastie. Um das Jahr 1000 bedeckte Vulkanasche den mehr als 35 Metern hohen, annähernd quadratischen Komplex mit einer Seitenlänge von rund 120 Metern. Rund 56 000 Kubikmeter Vulkangestein sind darin verbaut. Nach einer ersten Sanierung von 1907 bis 1911 musste der vom Einsturz bedrohte Tempel von 1973 bis 1983 in einem gigantischen Puzzlespiel auseinandergenommen und wieder zusammengefügt werden.

Der Borobodur-Tempel entstand zwischen den Jahren 778 und 850 unter der Sailendra-Dynastie.

Es galt, rund eine Million Steine herauszunehmen, zu reinigen und wieder zusammenzufügen. Bei dieser Sisyphos-Arbeit wurden 29 000 Kubikmeter Gestein bewegt. Nicht an allen Stellen ist dies ohne Schäden gelungen.
Obwohl beide Tempel inzwischen von muslimischen Gemeinden und deren Moscheen umgeben sind, werden sie mit großem Aufwand erhalten. Von den archaischen Bauwerken geht ein eigentümlicher, exotischer und faszinierender Reiz aus.

Von Thilo Resenhoeft, dpa

DIE REISE-INFOS ZU INDONESIEN

BESTE REISEZEIT: Das Klima in Indonesien ist das ganze Jahr über sonnig und heiß. Während der Regenzeit - etwa von Oktober bis März - gibt es starke Niederschläge. Die Trockenzeit ist während der europäischen Sommermonate.

ANREISE: Mehrere Airlines fliegen von verschiedenen deutschen Flughäfen, oft via Singapur oder Kuala Lumpur, den internationalen Airport von Jakarta an. Der Flug dauert rund zwölf Stunden. Von dort geht es mit Inlandsflügen weiter nach Yogyakarta.

EINREISE: Touristen benötigen in Indonesien ein Visum. Bei Aufenthalten bis zu 30 Tagen kann dieses bei der Einreise gekauft werden. Mehr Infos zu Indonesien finden Sie hier.

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