Hohe Töne in Erfurt

Der Glockenspieler vom Bartholomäusturm

Mit Fäusten und Füßen: Ulrich Seidel spielt das Glockenspiel im Erfurter Bartholomäusturm. Foto: Martin Schutt
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Mit Fäusten und Füßen: Ulrich Seidel spielt das Glockenspiel im Erfurter Bartholomäusturm. Foto: Martin Schutt
Klingende Höhe: Der Bartholomäusturm in Erfurt beherbergt seit 1979 das Glockenspiel. Foto: Ulrich Seidel
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Klingende Höhe: Der Bartholomäusturm in Erfurt beherbergt seit 1979 das Glockenspiel. Foto: Ulrich Seidel
Läutende Technik: Über ein System an Seilzügen werden die Glocken auf dem Bartholomäusturm angesteuert. Foto: Ulrich Seidel
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Läutende Technik: Über ein System an Seilzügen werden die Glocken auf dem Bartholomäusturm angesteuert. Foto: Ulrich Seidel
Turm mit Weitblick: Vom Bartholomäusturm hat man eine tolle Aussicht auf Erfurt. Foto: Ulrich Seidel
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Turm mit Weitblick: Vom Bartholomäusturm hat man eine tolle Aussicht auf Erfurt. Foto: Ulrich Seidel
Kirchliches Ensemble: Der Dom und St. Severi sind ein beliebtes Erfurt-Motiv. Foto: Erfurt Tourismus & Marketing GmbH/Barbara Neumann
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Kirchliches Ensemble: Der Dom und St. Severi sind ein beliebtes Erfurt-Motiv. Foto: Erfurt Tourismus & Marketing GmbH/Barbara Neumann
Sommer in der Stadt: Die Krämerbrücke und die Gera-Insel laden in Erfurt zum Verweilen ein. Foto: Erfurt Tourismus & Marketing GmbH/Barbara Neumann
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Sommer in der Stadt: Die Krämerbrücke und die Gera-Insel laden in Erfurt zum Verweilen ein. Foto: Erfurt Tourismus & Marketing GmbH/Barbara Neumann

Mit viel Leidenschaft für seine Stadt bringt Ulrich Seidel in Erfurt alle 14 Tage die Glocken im Bartholomäusturm zum Klingen - und zwar mit Fäusten und Füßen.

Erfurt − Carillonneur, wie wird man das denn? Ulrich Seidel schmunzelt: "Bei mir war es typische männliche Selbstüberschätzung". 2007 sah er seinen Vorgänger das erste Mal spielen, oben im Bartholomäusturm.

Klingende Höhe: Der Bartholomäusturm in Erfurt beherbergt seit 1979 das Glockenspiel. Foto: Ulrich Seidel

Er hatte ihn für ein Filmdrehbuch über Erfurt besucht und dachte sich: "Das kann ich doch auch!". In einem schallisolierten Kabäuschen entlockte Franz Ludwig mit Fäusten und Füßen über die Manual genannte Tastatur und über die Pedalerie den 60 Glocken über sich eine Melodie. Drei Jahre und etliche Übungsstunden später gab Seidel hier sein erstes öffentliches Konzert. Heute setzt der 54-Jährige sich zweimal wöchentlich an eine leise Kopie des Carrillons, unten im 35 Meter hohen, 1412 gebauten Turm am Anger. "Das Übungscarillon wurde 1979, als das Glockenspiel zum 30. Jahrestag der DDR eingebaut wurde, gleich mit in den Turm gestellt", sagt Seidel. Neuer ist der Monitor im Schaufenster des benachbarten Schuhauses Zumnorde. Hier können Zuschauer Seidel oder Gastspieler, die er einlädt, samstags alle 14 Tage zwischen Frühjahr und Herbst um 16.00 Uhr beim Spielen beobachten.

Läutende Technik: Über ein System an Seilzügen werden die Glocken auf dem Bartholomäusturm angesteuert. Foto: Ulrich Seidel

Manchmal spielt Seidel auch nur für eine Person, wenn ihn das "Hotel Zumnorde" beauftragt. Das Lied für eine 80-jährige Jubilarin "Du bist die Welt für mich" von Richard Tauber ging ihm allerdings nicht so leicht von der Faust. Er spielt lieber Stücke von Bach jahreszeitlich passende Melodien oder Eigenkompositionen. Hauptberuflich kümmert sich Seidel um Geschichten aus der Geschichte Erfurts. So hat er einige Stadtrundgänge für Thüringens Hauptstadt beschrieben, Mitteleuropas älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge oder Deutschlands älteste Nudelfabrik. 2004 hat er die Restauration der größten frei schwingenden mittelalterlichen Glocke der Welt, der Gloriosa im Mariendom, dokumentiert. Gerade hat er einen Reiseführer über Erfurt fertiggestellt.

Turm mit Weitblick: Vom Bartholomäusturm hat man eine tolle Aussicht auf Erfurt. Foto: Ulrich Seidel

Zur Zeit digitalisiert er das Konzertbuch seiner Vorgänger im Turm. Die hatten eine Dienstwohnung, durch deren Badezimmer die Turmtür führte, ein festes Salär und die Verpflichtung, dreimal am Tag zu spielen. "Durchs Badezimmer muss heute keiner mehr", grinst Seidel, "damals aber durchaus auch Staatsgäste, die das Glockenspiel oben sehen wollten. Und die Leute kriegten hier ab und zu "Völker hört die Signale" oder das Thälmannlied um die Ohren".

Bartholomäusturm: Carillonkonzerte finden alle zwei Wochen samstags um 16 Uhr statt. Die Termine, auch für gelegentlich angebotene Besichtigungen, lassen sich unter www.bartholomaeusturm.de/termine.htm nachschlagen.

Touristeninformation: Erfurt Tourist Information, Benediktsplatz 1, 99084 Erfurt, Tel.: +49 361 66400, E-Mail: info@erfurt-tourismus

dpa

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