Die große Freiheit

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Im Reiseführer „France Passion“ finden sich über 1400 Angebote für kostenlose Stellplätze bei Winzern, Landwirten oder Handwerkern. Reiseredakteur Volker Pfau hat das Angebot im Burgund ausprobiert.

Als ersten Übernachtungsplatz hatten wir uns den kleinen Ort Baudrieres in der Nähe von Chalon-sur-Saône ausgesucht. Vor allem, weil man dort, bei Erika Büchler, Deutsch spricht, wie unser schlaues Buch vermerkte. Ideal also zum Einstieg ins französische Abenteuer für sprachlich Minderbegabte, dachten wir uns. Und so kurvten wir mit unserem 3,8-Tonner über enge Sträßlein, verfuhren uns prompt und fanden schließlich den Wegweiser zu Madame Büchler.

Doch kaum haben wir unser Wohnmobil vor dem hölzernen Gartentor abgestellt, taucht hinter der Hecke ein älterer Herr auf, der in schönstem Schwyzerdütsch „wir chaben geschlossen!“ ruft. Das bereits etwas verwaschene „Fermé“- Schild am Zaun hatten wir glatt übersehen. Schade. Also wenden und an den Hinweis in der Einleitung des Verzeichnisses denken, dass man schließlich ein Gast sei, der gratis sein Wohnmobil abstellen darf: „Akzeptieren Sie bitte, dass ein Gastgeber Sie wegen besonderer, persönlicher Gründe einmal nicht empfangen kann.“ Wir akzeptieren und suchen weiter.

Die Karte im „France Passion“- Buch weist noch etliche farbige Punkte in der Nähe auf, das sind alles potenzielle Übernachtungsplätze für uns. Bei Arlette und Philippe Andréotti in Saint Vallerin steht Englisch als Fremdsprache im Verzeichnis, da fahren wir hin. Treffer!

„Leute von überall, ganz Europa kommt zu uns“

Der Weinbauer zeigt uns den Stellplatz: eine Wiese an einem kleinen Teich, umgeben von Rebstöcken. Die Traubenernte hat noch nicht begonnen, also dürfen wir hierbleiben. Es war nämlich im Verzeichnis vermerkt, dass während der Lese keine Gäste empfangen werden. Mit Arlette Andréotti plaudern wir im Englisch-Französisch- Kauderwelsch über ihre Erfahrungen mit France-Passion- Gästen. Etwa zwei Dutzend Wohnmobile kommen im Jahr, sagt sie. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht, die Gäste erzählen uns von sich und ihrem Land“, sagt Madame Andréotti. „Wir treffen hier auf dem Hof Leute von überall, ganz Europa kommt zu uns.“ Das ist einer der Hintergedanken des Programms. Ein anderer ist, dass die Besucher die lokalen Produkte probieren und kaufen. Was auf einem Weingut wie hier natürlich besonders leicht fällt, und auch im Stauraum unseres Wohnmobils liegt ein Karton mit Chardonnay, als wir am nächsten Morgen weiterfahren.

Wein, Marmelade und Ziegenkäse

Etwa 1400 Adressen stehen in dem Führer, die insgesamt rund 6000 kostenlose Stellplätze für Wohnmobile anbieten. Die meisten bei Winzern (rund 750) und auf landwirtschaftlichen Anwesen (rund 550), ein paar exotische gibt es aber auch bei Pferde oder Eselzüchtern, Imkern und Handwerkern sowie Privatpersonen. Dort darf man jeweils für 24 Stunden sein Gefährt gratis abstellen. In dem Verzeichnis wird mit Piktogrammen der Platz charakterisiert, außerdem das Angebot an landwirtschaftlichen Produkten sowie – falls vorhanden – an Freizeit- und Kulturaktivitäten beim Gastgeber. Viele der „France Passion“-Betriebe gehören der Gemeinschaft „Bienvenue à la Ferme“ an, „Willkommen auf dem Bauernhof“.

Martine Ferret ist Präsidentin in dem Gebiet, das zur Landwirtschaftskammer Saône et Loire gehört. Ihr Weingut Domaine de Monterrain liegt ein paar Kilometer außerhalb von Serrières, die Fahrt über bisweilen enge, steile Sträßchen erfordert mit dem Wohnmobil gute Nerven und gutes Auge. Ja, es sei „etwas kompliziert“, sagt Martine Ferret, sie zu erreichen. Aber wer den Hügel dann erklommen hat, sich von der Verwechslung von „rechts“ und „links“ bei der Anfahrtsbeschreibung im Führer nicht hat irritieren lassen, der wird mit einer Auswahl von fünf piekfeinen Stellplätzen auf ebenem Rasen direkt am Weinberg und mit einem Panoramablick belohnt. Und mit einer herzlichen, freundlichen Gastgeberin, die alle Sprachprobleme weglacht. Rotwein? Ziegenkäse? Traubengelee? Martine Ferret lädt zum Probieren. Allzuviele Wohnmobilisten seien es leider nicht, die in dem Familienbetrieb vorbeikommen, sagt sie, „die Straße ist ein wenig eng und steil“. Aber interessant seien die Besuche jedes Mal, betont sie. Und holt noch einen Wein zum Probieren. Für die Gäste, die ganz schnell zu Freunden werden.

INFO ZU „FRANCE PASSION“

PROGRAMM „France Passion“ ist ein Einladungsprogramm, bei dem derzeit rund 1400 Gastgeber (Winzer, Landwirte, Handwerker, Privatpersonen) Wohnmobilfahrern (nur autonome fahrzeuge mit Wasser, Toilette, Abwassertank!) für eine Nacht einen kostenlosen Stellplatz auf ihrem Grundstück anbieten. Teilweise erfolgt die Anfahrt auf engen und/oder steilen Wegen, die Stellplätze sind manchmal auch etwas rustikal.

SPRACHE Je besser man französisch spricht, umso intensiver und interessanter wird der Aufenthalt, es geht aber auch (fast) ohne: einige Gastgeber haben Fremdsprachenkenntnisse (dies ist im Verzeichnis vermerkt); alle von uns besuchten Gastgeber haben sich sehr bemüht, sich mit uns zu unterhalten.

TIPPS Die Ankunft sollte zu für die Gastgeber akzeptablen Zeiten erfolgen, auch sollte man sich persönlich beim Gastgeber vorstellen. Da es sich um Privatgrundstücke und nicht um Campingplätze handelt, sollte man die zur Verfügung gestellten Installationen (strom, Wasser. Abfälle) mit Maßen und nur nach Aufforderung durch den Gastgeber benutzen und keinesfalls ungefragt Abwasser und Abfälle entsorgen.

CAMPING In Burgund gibt es jede Menge kommerzieller Campingplätze mit verschiedenen Standards, auf denen man zwischendurch wieder Wasser auffüllen sowie Abfälle und Gebrauchtwasser entsorgen kann. Auf der Internetseite des Tourismusverbandes (www.bourgogne-du-sud.com) sind rund 130 Plätze aufgeführt.

WEINSTRASSE Die 40-seitige Broschüre „Die burgundische Weinstraße“ (auch in deutscher Sprache) kann im Internet unter www.bourgogne-tourisme.comheruntergeladen werden. Dort gibt es auch viele allgemeine Informationen zu der Region Burgund in deutscher Sprache.

BUCH Zu dem Unterkunftsverzeichnis „France Passion“ gehören der 420 Seiten dicke Adressteil, eine Frankreichkarte mit den Standorten der Stellplätze sowie eine Feinschmecker- Broschüre mit Adressen von rund 1400 Restaurants ganz in der Nähe der Stellplätze. Es ist ein Jahr lang gültig (aktuelles Verzeichnis von Ostern 2009 bis Ostern 2010). Die Unterlagen erhält man für 28 Euro bei der Fachzeitschrift „reisemobil“ im Dolde Medien Verlag, Tel. 0711/134 66 22, www.reisemobil-international. de.

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