„Griechenland wird günstiger“

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Griechenland kämpft für sein Image. die Tourismusbranche möchte die Preise um 20 Prozent senken.

Seine Vorgängerin musste wegen der Steueraffäre ihres Mannes zurücktreten. Jetzt ist George Nikitiades neuer Tourismusminister von Griechenland und auf Werbetour für sein angeschlagenes Land.

Er ist Mitglied der sozialdemokratischen Pasok-Partei im griechischen Parlament, Rechtsanwalt und Schriftsteller. Über seine Heimat, die Inselgruppe des Dodekanes, hat George Nikitiades (57) ein Buch geschrieben.

 „Zwölf Thesen, zwölf Träume“ hat er es betitelt, und einer dieser Träume handelt davon, dass Kos, die Insel des Hippokrates, einmal ein berühmtes Zentrum des Medizintourismus werden könnte. In diesen Tagen kommt zu den Träumen von George Nikitiades noch einer dazu: Der, dass sich das Bild Griechenlands in der Welt und vor allem in Deutschland wieder verbessern möge und dass das mit den schlechten Tourismuszahlen auch wieder ins Lot kommt.

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Mit 15 Prozent oder 300 000 deutschen Urlaubern weniger rechnet der Verband griechischer Tourismusunternehmen (SETE). Nach Streiks und Unruhen in Athen war kurzzeitig sogar einmal von 2000 Stornierungen täglich die Rede. Das ist bitter für ein Land, das am finanziellen Abgrund steht und für das der Tourismus immer schon der wichtigste Wirtschaftsfaktor war. „Ich glaube, dass wir das hinbekommen“, sagt George Nikitiades und rührt dabei bedächtig in der Milchschaumhaube seines Kaffees. Eine halbe Million Ankünfte pro Jahr zählte sein Land in guten Zeiten allein aus München, der Stadt, in der er gerade ist, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

„In München fühle ich mich sehr nah zu unserer Kultur“, sagt der Minister, schaut aus dem Gasthausfenster hinüber zur Staatsoper mit ihren dorischen Säulen und spricht über Otto, den bayerischen Prinzen, der von 1832 bis 1862 erster König von Griechenland war.

Plädoyer für Griechenland

von Christian Ude

Gleich nach diesem Termin hier will er auch OB Christian Ude im Rathaus einen Besuch abstatten und ihm danken für den Artikel, mit dem der Münchner Bürgermeister sich zu Griechenland bekannt hatte (erschien in unserem Reiseteil am 24./25. April).

„Die Chemie stimmt zwischen den Deutschen und den Griechen“, davon ist George Nikitiades überzeugt. Und davon, „dass wir weiterhin gegenseitig Respekt voreinander haben werden“. Eine Stimmung gegen Deutschland, die habe es vielleicht kurzzeitig in den Medien gegeben. „Aber nie habe ich davon irgendwo im Land etwas bemerkt“, versichert er. Nun gut, das mit den Streiks, das überschatte das Tourismusgeschäft schon, räumt er ein. Und er könne nicht garantieren, ob nicht auch in nächster Zeit die eine oder andere Fähre im Hafen von Patras oder Igoumenitsa bleibe – kein Staatsmann dieser Welt könne sowas garantieren.#

 „Aber hat nicht Griechenland statistisch gesehen weniger Streiks als Italien, Frankreich oder Spanien? Und wird nicht auch bei Ihnen gestreikt?“ kontert er charmant. Aber jetzt Schluss mit dem leidigen Thema. In Imagekampagnen, mit denen Griechenland in den kommenden Tagen starten will, soll nur noch von den schönen Dingen des griechischen Lebens die Rede sein – den Stränden, der Kultur, der Gastfreundschaft und den Preisen, die man nun generell um mindestens 20 Prozent senken will – in den Hotels und in der Gastronomie gleichermaßen. Darauf hätte man sich geeinigt.

„Das sind unsere stärksten Argumente“, sagt Andreas Psycharis, der griechische Generalkonsul aus München, der Nikitiades auf seiner Werbetour begleitet. Und dann deutet er hinauf zum tiefgrauen bayerischen Himmel, der in diesem Augenblick wieder die Schleusen öffnet und fügt hinzu: „ ... und die Sonne“.

Dem ist wenig entgegenzusetzen. Da oben hat Griechenland eben ein paar Götter mehr sitzen als wir Bayern. Sowas zahlt sich am Ende doch aus. Und dann ist eigentlich alles gesagt und es ist Zeit, Visitenkarten zu tauschen. Der Minister kritzelt der Reporterin seine Handy- Nummer schnell auf ein Blatt Papier. Eine offizielle Karte hat er noch nicht. Er ist ja erst seit drei Tagen im Amt. In Griechenland muss man schnelle Entscheidungen treffen in diesen Tagen.

Christine Hinkofer

Kommen die Preissenkungen beim Kunden an?

Fünf Fragen an Gero Eden, den Leiter für das Produktmanagement Griechenland beim Reiseveranstalter TUI.

1. Herr Eden, wird die TUI Preise für Griechenland reduzieren?

Wann immer wir von unseren Hotelpartnern reduzierte Preise bekommen, geben wir diese an die Kunden weiter, indem wir neue Angebote stricken und diese in den Verkauf geben.

2. Trifft das für alle griechischen Destinationen zu?

Uns liegen bis dato noch keine flächendeckenden Angebote vor, sondern nur Preisreduktionen einzelner Hotelpartner in den Hauptferienzielen Kreta, Rhodos, Kos, Korfu, Chalkidiki und auf dem Westpeloponnes. Aus unserer Sicht sind aber für Griechenland günstige Preise nicht das Allheilmittel. Was der Kunde als Erstes braucht, ist die Zuverlässigkeit und Sicherheit, dass seine Urlaubsfreuden nicht durch Streiks getrübt werden.

3. Wie hoch werden die Preisnachlässe beim Griechenland-Urlaub am Ende ausfallen?

Das hängt vom jeweiligen Hotelpartner ab. In Einzelfällen gibt es Ermäßigungen bis zu 30 Prozent.

4. Profitiert davon auch der Kunde, der schon früh gebucht hat?

Der Kunde, der schon früh gebucht hat, hat bereits profitiert, denn zum einen gab es Frühbucherermäßigungen von bis zu 25 Prozent und zum anderen hatte der Kunde da noch die freie Wahl aus dem gesamten Angebot.

5. Wie stellt sich der griechische Markt generell derzeit bei der TUI von der Buchungssituation her dar?

Die Inseln haben bereits gute Buchungseingänge verzeichnen können. Nach dem Streik beobachten wir aber, dass die Neubuchungen etwas zögerlicher reinkommen. Insgesamt liegen die Buchungen für TUI und ihre deutschen Veranstalter leicht unter dem Vorjahresniveau. Sollte es in keine Streiks mehr geben, rechnen wir mit anziehenden Buchungen für Griechenland. Positiv ist aus unserer Sicht auch, dass rund 500 Millionen Euro in den kommenden Jahren in den Tourismus investiert werden sollen.

Interview: Christine Hinkofer

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