Wo das Glück wächst

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Für Wanderer ist Korsika fast das ganze Jahr über idel zum Reisen.

Auf Korsika, sagt Kurt Müller, wächst das Glück. Vor 50 Jahren hat er sein Herz an die Mittelmeerinsel verloren. Auf einer Bade- und Wanderreise für unsere Leser überzeugte der Korsika-Kenner von der Faszination „seiner“ Insel.

An der kleinen Kirche von Casamaccioli, einem kleinen Dorf hoch oben in den Bergen, zeigen die Vögel, wie leicht das Leben sein kann. Sie machen sich einen Spaß daraus, im Sturzflug durch den offenen Glockenturm zu segeln. Die Flügel legen sie bei der engsten Passage des Mauerwerks an, unermüdlich drehen die Flugakrobaten ihre Runden.

Man kann diese Insel seit Jahrzehnten kennen und doch entdeckt man immer etwas Neues. Sagt Kurt Müller, und der muss es wissen. 1955 führte der Österreicher erstmals eine Reisegruppe, Mitglieder seines Alpenvereins, aus seiner Heimat nach Korsika. Aus den Sommerbesuchen wurde erst Tradition, dann Sesshaftigkeit. Mit seiner Frau Grete betreibt er seit Anfang der 60er das Feriendorf Zum störrischen Esel am Golf von Calvi. Bis zu 600 Gäste haben hier Platz, und Buchungen gehen von Hamburg bis Bozen, von Zürich bis Wien ein.

„Die Schönheit Korsikas muss man erwandern“, empfiehlt Kurt Müller. Seinen Gästen braucht er das nicht zweimal zu sagen. Bereits beim Frühstück erscheinen die meisten mit Bergschuhen und Rucksäcken. Rauf ins Gebirge, später relaxen am Meer – diese Mischung ist zu verlockend. Bis zu 2700 Meter hoch türmen sich die Gipfel Korsikas, manche fußen direkt am Strand.

„Also, ich brauch’ keine Karibik mehr“, sagt Ilse Richter. Die Münchnerin hat mit ihrem Mann Klaus schon viel von der Welt gesehen. Korsika hat es den beiden angetan. Bei einer Klippenwanderung konkurriert das satte Grün der Macchia mit den kräftigen Gesteinsformationen und demTürkisdesMittelmeers. Anderswo würde sich an so einer malerischen Küste Hotelkomplex an Hotelkomplex reihen. Hier würde es nicht wundern, wenn in der einsamen Bucht um die Ecke eine Piratenjolle vor Ankerläge.Korsikaschlummert auf den türkisen Wellen, als würde diese Insel ewig Siesta halten und sich um die Welt da draußen nicht viel scheren.

„Wie eine Filmkulisse auf dem Meer“ sei ihm Korsika einst vorgekommen, als er zum ersten Mal zu Besuch war, erinnert sich Kurt Müller. Damals reiste man noch mit dem Schiff an, heute schweben die Gäste bequem aus der Luft ein. Napoleon, der berühmteste Sohn der Insel, sagte mal, er könne Korsika schon vom Bug aus riechen. Kurt Müller lacht, als er gefragt wird, ob auch er „seine“ Insel am Geruch erkenne. Sicher, sagt er, bereits nach der Landung umschmeichle die Nase der Hauch der Pinienwälder, der Duft von Eukalyptus, Kastanien und Myrte. „Es ist, als würde man durch einen Kräutergarten spazieren“, schwärmt Helmut aus Gmund am Tegernsee. Schon in den 60ern war er das erste Mal hier, damals mit einem vollgepackten VW Käfer und vier Kumpels. Holprig war’s auf den Pass- und Küstenstraßen – und unvergesslich. Er fliegt seitdem regelmäßig her.

Kurt Müller kann jeden verstehen, der sein Herz an Korsika verliert. Ihm ist das ja genauso gegangen. Mit 50, 60 Zelten hat das Projekt einst begonnen. „Beim Essen hat der Wind den feinen Sand aus den Pinienwäldern wie Pfeffer in den Suppentopf geblasen.“ Der Stimmung tat das nie Abbruch, bei korsischem Wein waren die Nächte lang. „Die Korsen haben über uns gedacht: Die Österreicher sind ein lustiges Völkchen, die trinken und singen den ganzen Tag und gehen bei der größten Hitze in die Berge“, erinnert er sich. „Aber sie haben uns immer geschätzt.“

Dabei ist es nicht leicht, in der Gunst eines Korsen hoch zu stehen. Auch wenn Touristen heute willkommen sind, waren die Inselbewohner früher höchst einfallsreich, sich Invasoren vom Hals zu halten. Vom Mutterland Frankreich will man auf Korsika nichts wissen. Dass San Antoniu zu einem der schönsten Dörfer der Grande Nation gewählt wurde, davon kündet an nahezu jeder Serpentine ein Wegweiser. Wer das Örtchen besucht, darf nicht versäumen, auf einer der in die Hänge gemeißelten Terrassen einen Fiadone zu verputzen. Jeder Krümel des korsischen Käsekuchens, der auf den Boden fällt, ist eine lukullische Todsünde.

Was er am meisten schätzt an seiner Wahlheimat? Kurt Müller schenkt sich ein Kastanienbier nach, blickt hinüber auf die Hänge der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Calvi. Die Abendsonne färbt die Felsen gerade rotgolden ein. Am Strand von Lumino unterhalb der Felsen wurde einst Laetitia Casta entdeckt. Bis heute schickt das Model ihrem Vater Geld, damit er die alten Gebäude vor dem Verfall bewahrt – so ist das in Korsika: Selbst wenn eine Schönheit die Insel verlässt, sorgt sie dafür, dass weitere Schönheiten ihrer Heimat überleben. „Es gibt so viel Schönes, was die Insel zu bieten hat – ich hoffe immer, dass es uns gelingt, den Gästen die Augen für möglichst viel davon zu öffnen.“

Ein paar Meter neben dem Kirchplatz von Casamaccioli, wo die Vögel ihr anmutiges Spiel treiben, bietet die Natur eine weitere Show. Käfer sind unermüdlich beschäftigt, Pillen zu drehen. Im Kopfstand treiben sie die Klumpen mit ihren Hinterbeinen vor sich her. Fleißig. Tapfer. Schon wieder so ein tierisches Spektakel im Mini- Format. Der Betreiber des „Störrischen Esels“ hat gut zu tun, seinen Gästen die Augen für die Schönheiten Korsikas zu öffnen – für die großen wie die kleinen.

Andreas Werner

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL - Die Mittelmeerinsel Korsika liegt 180 Kilometer von Südfrankreich (Nizza) und 83 Kilometer vom italienischen Festland (Livorno) entfernt. Im Süden trennt die nur 12 Kilometer breite Straße von Bonifacio die Insel von Sardinien. Mit 8680 Quadratkilometern ist Korsika nach Sizilien, Sardinien und Zypern die viertgrößte Insel des Mittelmeers.

ANREISE - Flüge nach Korsika z.B. mit Fly Niki ab Memmingen und Salzburg. Mit der Fähre ab La spezia, Livorno oder Genua.

REISEZEIT/KLIMA - Die schönste Reisezeit für Korsika ist der Frühsommer, wenn die Macchie blüht und die Insel betörend duftet. Im Juli und August kann das Thermometer trotz kühlender Winde vom Meer auf 35 Grad und mehr klettern. Für Wanderer ist auch der Herbst ideal.

REISETYP - Eine Insel für Entdecker, die nicht nur in den Süden reisen, um zu baden und am Strand zu liegen. Wäre einfach schade, denn dafür ist Korsika zu vielseitig.

SPRACHE - Die offizielle Amtssprache auf Korsika ist Französisch. In den kleinen Dörfern des Landesinneren hört man die Menschen aber auch oft noch Korsisch reden, eine Mischung aus Französisch und Italienisch. Viele Verkehrsschilder sind zweisprachig.

WOHNEN - Natürlich, einfach, authentisch – so ist man im Feriendorf zum störrischen Esel am Stand von Calvi untergebracht. statt beim Luxus liegt der Schwerpunkt bei der familiären Atmosphäre. Beim Tischdecken hilft jeder mit, obwohl Personal bereitsteht. Das abwechslungsreiche Essen mit korsischem Einschlag würde allerdings jedem Sterne-Berieb Ehre machen. Den Namensgeber sucht man übrigens heute vergeblich – der störrische Esel, der sich einst einer Reisegruppe angeschlossen hatte, wurde längst wieder zurück in sein Dorf gebracht.

AKTIV - Das Feriendorf bietet Wanderungen, Mountainbiketrips und Busrundfahrten an. Ideal ist die Aufteilung, sich Vormittags einer Aktivität anzuschließen und nachmittags am Meer oder Pool zu relaxen. Der kilometerlange Sandstrand der Bucht von Calvi liegt in einem Pinienwald hinter dem Dorf, keine fünf Gehminuten entfernt. Die historische Altstadt Calvi ist bequem ebenfalls zu Fuß (ca. zehn Minuten) zu erreichen.

HÖHEPUNKTE - Busrundfahrt Tour de Maquis zu den wichtigsten Natursehenswürdigkeiten des nördlichen Inselteils: der höchstgelegene Pass Korsikas, das felsenmeer der Calanche, das zum Weltnaturerbe der Unesco gehört und der Golf von Porto.

Klippenwanderung an der Küste vorbei an den bizarren steingebilden der Bucht von Calvi. Rund drei Stunden.

Busrundfahrt zu den Dörfern der Balagne. Die Balagne ist der Garten Korsikas. Zwischen Bergen und Meer lockt die Kulturlandschaft mit zahlreichen Attraktionen. Fahrzeit: ca. vier Stunden.

Wanderung zur Madonna della Serra: Durch die Macchia geht es auf einem Panoramaweg über dem Golf von Calvi hinauf zur Madonna. Der Abstieg erfolgt über den „Prozessionsweg“. Dauer: ca. drei Stunden.

PREISE - eine Woche im feriendorf Zum störrischen Esel mit Flug, Halbpension und Aktivprogramm kostet im September ab 713 Euro pro Person, Kinder bis 11 Jahre zahlen 363 euro. Letzter Hinflug ab Salzburg oder Memmingen am 2. Oktober, erster Hinflug Anfang Mai 2012.

INFO/BUCHUNG - bei Rhomberg Reisen in Dornbirn, kostenlose Telefon-Hotline: 08 00/589 30 27, www.rhomberg-reisen.com.

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