"Fume Event"

Gefährlich: Das könnte es bedeuten, wenn die Kabinenluft merkwürdig riecht

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Ist Ihnen schon einmal ein merkwürdiger Geruch in der Kabine aufgefallen? Dahinter könnte ein "Fume Event" stecken.

Hin und wieder bemerken Passagiere einen seltsamen Geruch in der Kabine – dahinter könnte ein sogenanntes "Fume Event" stecken. Experten vermuten Gefährliches dahinter.

Allein 2016 wurden der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) rund 228 Vorfälle von üblen Gerüchen in der Flugzeugkabine gemeldet. 2017 waren es insgesamt 203 dieser Art. Doch was genau steckt hinter dem Gestank?

"Fume Event": Woher kommt der Gestank in der Kabine?

Das sogenannte "Fume Event" ist ein Problem, dass den Fluggesellschaften schon lange bekannt ist – die genaue Ursache ist allerdings oft unklar. Mittlerweile gehen einige Experten allerdings davon aus, dass es sich um kontaminierte Kabinenluft handelt. Diese kommt nämlich über die Turbinen zustande, die Außenluft abzapfen. Während dieses Prozesses wird die sogenannte Zapfluft womöglich durch Inhaltsstoffe von Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeit verunreinigt.

Zumindest stellte die Ärztin Astrid Heutelbeck, Leiterin der Arbeits- und Umweltmedizinischen Ambulanz der Universitätsmedizin Göttingen, laut dem Online-Portal Deutsche Welle (DW) genau diese Stoffe im Blut und Urin von Menschen fest, die unter dem "Fume Event" leiden. Claudia Nehring vom Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BdL) bestreitet dies jedoch vehement: Die Luft würde vor der Brennkammer des Triebwerks abgezapft werden, währen die Kerosinabspritzung und die Verbrennung erst später folgen würden. "Damit ist eigentlich technisch ausgeschlossen, dass die Luft mit Abgasen oder Rückständen aus der Brennkammer in Verbindung kommt."

Robert Nyenhuis, Leiter einer Lufthansa-Arbeitsgruppe, die sich mit Luftqualität beschäftigt, findet in einem Beitrag der Tagesschau vom 23. Mai 2018 andere Gründe für den Gestank: "Es geht um Gerüche aus der Küche, Kunststoffe oder Fracht, die ausgelaufen ist. Nur sechs Prozent haben mit den Triebwerken zu tun."

Wie äußert sich das "Fume Event" bei Passagieren?

Die Flugbegleiterin Kerstin Konrad berichtete der DW, das Fume Event schon viermal erlebt zu haben – der seltsame Geruch hätte bei ihr sofort Kopf- und Bauchschmerzen sowie ein Kribbeln in den Gliedmaßen ausgelöst. Wer allerdings nichts von dem Phänomen weiß, bringt diese Symptome nicht gleich mit einem "Fume Event" in Zusammenhang. Zudem berichten Betroffene immer wieder von einem Ölgeruch.

Später können sich jedoch schwere gesundheitliche Schäden bemerkbar machen: Bei Passagieren und Bordpersonal, die dem "Fume Event" ausgesetzt waren, diagnostizierte Astrid Heutelbeck Störungen des zentralen Nervensystems, eingeschränkte Gedächtnisleistung, Taubheitsgefühle in Händen und Füßen oder Probleme bei der Sauerstoffaufnahme: "Die Menschen können zwar noch dieselbe Menge an Luft ein- und ausatmen wie jeder andere auch – das ist nicht gestört. Aber aus dieser Luft den Sauerstoff rauszuholen, das funktioniert nicht mehr. Das merken sie bei körperlicher Belastung, sie gehen die Treppe hoch und sagen, sie fühlen sich wie ihre eigene Oma", erklärt Heutelbeck.

Erwiesenermaßen könnten die gesundheitlichen Schäden eben durch die Inhaltsstoffe von Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeit ausgelöst werden. Durch ein spezielles Verfahren, dem "Human-Biomonitoring", konnte Heutelbeck diese Stoffe im Körper der untersuchten Patienten feststellen.

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"Fume Event": Wie reagiert die Industrie auf die Vorwürfe?

Trotz dieser Ergebnisse glaubt Claudia Nehring vom BdL nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen der Kabinenluft und den Erkrankungen gibt – und verweist auf verschiedene Studien der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Diese ergaben, dass die Luftqualität in Flugzeugen nicht schlechter sei als in Büroräumen. Allerdings wurden nur 69 Flugzeuge geprüft – beim "Fume Event" wird jedoch davon ausgegangen, dass es bei etwa jedem tausendsten Flug auftritt.

Währenddessen gehen Flugbegleiter und Piloten, die vom aerotoxischen Syndrom – wie das Fume Event auch genannt wird – betroffen sind, auf die Barrikaden: Dazu gehört auch Kerstin Konrad, die dauerhafte gesundheitliche Schäden davongetragen hat und ihren Beruf nicht mehr ausführen kann. Nun ist sie als Aktivistin unterwegs und organisiert mit weiteren Betroffenen Demonstrationen und Petitionen.

Für diese ist es nämlich wichtig, dass der Zusammenhang zwischen den gesundheitlichen Schäden und den Fume Events zweifelsfrei festgestellt wird – damit diese als Berufskrankheit anerkannt werden und eine Entschädigung fällig wird.

Laut dem Online-Portal Stern würde die Industrie zumindest schon an Lösungen arbeiten. So würde der Flugzeughersteller Boeing bei der 787 auf Zapfluft aus den Triebwerken verzichten und stattdessen die Kabinenluft an speziellen Stellen der Tragflächen ansaugen.

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